Online Wertpapiere kaufen Meldung

Eingabemaske Online-Broking: Soll den Wertpapierhandel einfach machen - manchmal zu einfach.

Für die Risiken der Onlinezockerei sind Anleger selbst verantwortlich. Gibt die Bank jedoch Kredit, muss mitunter sie für Verluste geradestehen.

Für Volker Steinhoff* war es der erste Ausflug in die virtuelle Brokerwelt. Am Abend des 2. November 2000 orderte der Berliner über den Onlinebroker Direkt Anlage Bank (DAB) Aktien der Softwarefirma Gigabell. Sein Kauf wurde sofort ausgeführt. Das Geschäft zum Kurs von 2,84 Euro lief über den DAB-Sekundenhandel, der auch nach Börsenschluss aktiv ist. Ein paar Mausklicks ­ und Steinhoff hatte 100 Aktien im Depot.

Fatale Onlineanzeige

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Soweit lief alles nach Plan. Dann entdeckte der Börsenanfänger, dass der Gigabell-Schlusskurs des vergangenen Börsentags an der Frankfurter Börse bei 7,50 Euro lag. Dass dort nur bis 20 Uhr gehandelt wird, entging dem Zocker. Er glaubte, dort sofort zum Börsenkurs verkaufen zu können und schaltete sein Programm vom Sekundenhandel auf den Börsenplatz Frankfurt um. Dort bot er seine Aktien zum Verkauf und hoffte auf satten Gewinn.

Die DAB-Software nahm den Verkaufsauftrag an ­ natürlich erst für den kommenden Tag, wenn die Börse öffnet. Der Computerbildschirm zeigte jedoch sofort einen neuen Kontostand im satten Plus an: Die Software berechnete bereits die Differenz aus dem Einkaufspreis und dem mittlerweile veralteten Schlusskurs der Frankfurter Börse. Der Kontostand ging in die Höhe ­ als ob der Verkauf zu dem tollen Kurs tatsächlich schon abgewickelt wäre.

Steinhoff glaubte nun fest daran, dass er die Aktien mit Gewinn verkauft habe und wiederholte das Prozedere immer wieder: Im Sekundenhandel kaufte er verbindlich Gigabell-Aktien, um sie anschließend an der Frankfurter Börse sofort wieder zu "verkaufen". Obwohl die Verkaufsaufträge noch nicht ausgeführt wurden, stieg Steinhoffs Guthabenanzeige mit jeder Transaktion ­ bis auf 165.000 Euro.

Dann wurde Steinhoff stutzig und fragte noch in der Nacht telefonisch bei der DAB nach. Die Bank fackelte nicht lange und löschte die Verkaufsaufträge. Die Käufe aus dem Sekundenhandel hingegen waren nicht mehr rückgängig zu machen. Steinhoff hatte nun 24.400 Gigabell-Aktien ­ gekauft auf Pump mit Geld der DAB.

Am nächsten Tag zeigte sich dann das Ausmaß der Katastrophe. Gigabell eröffnete ­ wie damals viele Werte des Neuen Markts ­ an der Börse mit einem heftigen Minus; Steinhoff hatte mit Zitronen gehandelt. Die Bank verkaufte postwendend seine Aktien zwangsweise mit Riesenverlust, um noch etwas Geld für sich zu retten, ehe der Kurs weiter sinkt. Dennoch schuldet Steinhoff ihr nun 33.000 Euro.

Kein Einzelfall

Die meisten Onlinebroker ­ darunter auch die DAB ­ beteuern gegenüber Finanztest, dass ihre Onlinekunden aufgrund von Sperrtechniken unmöglich über ihre Verhältnisse spekulieren können. Dennoch ist der Fall Steinhoff kein Einzelfall. So berichtete Finanztest schon im vergangenen Jahr von einem Kunden der Bank Entrium, der sich vertippt hatte. Statt Fondsanteile für 5.000 Mark orderte der Pechvogel 5.000 Stück und investierte so rund eine Million Mark. Das Konto war daraufhin 200fach überzogen. Am Ende blieb er ­ nach hektischem Verkauf der Papiere ­ auf 15.000 Mark Kursverlusten sitzen.

Im Streit vor dem Ombudsmann der Banken zog der Kunde dann den Kürzeren. Den Schaden hat er nach dem Schlichterspruch selbst zu tragen.

Kundenfreundliches Urteil

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hätte in dieser Sache wohl anders geurteilt. Unlängst hatte es einen ähnlichen Überziehungsfall auf dem Tisch, bei dem ein Kunde versehentlich 1/1- statt 1/10-Aktien geordert hatte. Auch hier führte die Bank Entrium den Kauf über etwa 200.000 Mark aus, obwohl der Kunde nur 30.000 Mark auf dem Konto hatte. Der Kunde verkaufte die Papiere ­ und machte fast 17.000 Mark Verlust.

Das Geld muss die Bank ersetzen, urteilte das Gericht (Az. 10 O 8312/00). Die Banken könnten ohne weiteres Sperren in die Onlineprogramme installieren, die Orders ohne Kontodeckung verhindern.

Trotz des kundenfreundlichen Urteils muss DAB-Kunde Steinhoff bangen. Die Bank unterstellt ihm böswillige "Systemmanipulation" und behält sich strafrechtliche Schritte vor. Steinhoffs einzige Hoffnung: Die DAB erklärte gegenüber Finanztest, dass sie ihr System inzwischen verändert habe. Offensichtlich hat sie ihr Onlineangebot selbst für unzureichend gehalten.

* Name von der Redaktion geändert.

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