Online-Steuer­programme Test

Steuern sparen vom Sofa aus – klingt groß­artig. Aber kein Programm im Test rechnete richtig und war gleich­zeitig verständlich.

Die Steuererklärung mit dem Tablet auf dem heimischen Sofa ist im Hand­umdrehen fertig – in 10 oder 15 Minuten soll sie mach­bar sein, versprechen einige Online-Steuer­programme. Finanztest wollte wissen, wie gut diese digitalen Steuer­hilfen wirk­lich sind und hat vier Programme geprüft. Unser Test zeigt: Die Zeit­angabe ist längst nicht das einzige etwas zu opti­mistische Versprechen.

Über­all einsetz­bar

Der unschlagbare Vorteil von Online-Steuer­programmen: Der Nutzer muss sie nicht herunter­laden und kann sie theoretisch über­all benutzen. Die Programme laufen im Internet­browser, damit auch auf dem Tablet oder sogar auf dem Smartphone. Sie sind zudem unabhängig vom Betriebs­system und damit ist es egal, ob ein Wind­ows-PC oder Mac zu Hause steht.

Digitale Steuer­hilfen

Wer seine Erklärung nicht auf dem Papier, sondern digital machen möchte, hat dazu zwei Möglich­keiten:

  • Erstens Elster­online, das Portal der Finanz­ämter. Es sollte die Steuererklärung einfacher machen (Elektronische Steuererklärung). Das Portal bietet jedoch keine Hilfen, wenn sich Fragen stellen: Wo müssen die Kosten für Zahn­arzt­behand­lungen einge­tragen werden? Und die Pflege­kosten für die Mutter? Das verrät der kostenlose Helfer nicht.
  • Zweitens gibt es Steuer­programme, die entweder online im Internet­browser genutzt werden oder die der Nutzer auf dem PC per Download oder CD installiert. Bestenfalls fragen sie den Nutzer nach allen Ausgaben und erklären auf unkomplizierte Weise, was er alles beim Finanz­amt geltend machen kann. Natürlich sollen sie alles korrekt ausrechnen und – schon bevor die Steuererklärung abge­schickt wird – verraten, ob es etwas vom Finanz­amt zurück­gibt. In unserem Test der Online-Programme schaffte kein Kandidat alles.

Klarer Sieger bei der Bedienung

Wichtigster Prüf­punkt in unserem Test der vier Online-Steuer­programme: Bedienung und Benutzerführung. Die wenigsten Fehler begingen unsere Laientester (Wer was getestet hat) bei der Eingabe mit dem Programm Smart­steuer. Gleich­zeitig empfanden sie das Programm auch als das am leichtesten zu bedienende. Sie lobten Smart­steuer für seine Hilfen, seine Über­sicht­lich­keit und Einfachheit.

Bei unserem einfachen Musterfall kam es darauf an, dass die Programme Arbeits­wege, eine längere Krank­schreibung und Beiträge für eine Riester-Renten­versicherung korrekt berück­sichtigten. Eine Stunde hatten die Probanden dafür Zeit – und so lange brauchten sie in der Regel auch. Eine Steuererklärung muss also nicht viel Zeit verschlingen, in 10 oder 15 Minuten dürfte sie aber nicht mach­bar sein.

Wiso Steuerweb über­fordert viele

Deutlich schlechter bei der Bedienung schnitt Wiso Steuerweb vom Urge­stein Buhl Data Service ab. Seit 1999 ist der Anbieter mit seinem Online-Steuer­programm am Markt, das damals noch „Internetspar­buch“ hieß. Wiso Steuerweb bietet zwei Wege durch das Programm: einen Stan­dard- und einen Interviewmodus. Vor allem der Stan­dard­modus über­forderte viele Probanden. Der Nutzer wird hier nicht durch­gängig mit Fragen zum Ziel geführt, sondern steht einer Menüstruktur gegen­über, die stark an die Formular­ansicht der Steuer­verwaltung erinnert. Leider wird der Käufer durch den auffordernden Button „Jetzt loslegen“ zu Beginn der Steuererklärung regelrecht zu diesem klassischen Formularmodus gedrängt. Fast alle Tester klickten darauf statt auf den daneben­liegenden Button „Interviewmodus“, der eigentlich bei der Bearbeitung helfen soll. In der Stan­dard­variante mussten sich die Probanden durch vier Ebenen klicken, bis sie endlich ihre Beiträge zur Riester-Rente eintragen konnten. Daran scheiterten viele. Die Probanden fanden den Interviewmodus zwar besser, machten allerdings damit fast genauso viele Fehler.

Der lang­jährige Platz­hirsch kann bei der Bedienung nicht mithalten. Lohn­steuer kompakt präsentierte sich ähnlich schlecht. Knapp dahinter noch: Steuerfuchs.

Rechen­fehler mit Steuer­nachteilen

Auch wenn Probanden sich gut von einem Programm geführt fühlen, heißt das nicht, dass es die Steuererklärung richtig erstellt.

Zu Fehlern kann es aus zwei Gründen kommen: Einer­seits weil das Programm den Nutzer auf die falsche Fährte führt und ihm das gar nicht auffällt. Stellt es wichtige Fragen zum Steuerfall gar nicht oder formuliert sie falsch, gibt der Nutzer Daten entweder falsch oder gar nicht ein. Auffällig oft fehlten den Probanden bei Steuerfuchs und Wiso Steuerweb etwa die Riester-Beiträge.

Anderer­seits kann das Programm schlicht Fehler machen und damit falsche Empfehlungen geben. Unser komplexer Steuerfall über­forderte alle Programme. Eine der Schwierig­keiten: Das Programm sollte nach dem Durch­lauf entscheiden, ob sich ein Ehepaar einzeln oder gemein­sam veranlagen sollte*. Keines der getesteten Programme lieferte ein fehler­freies Ergebnis.

Weitere Heraus­forderung beim komplizierteren Musterfall: Während der Eingabe sollten die digitalen Steuerhelfer an mehreren Stellen entscheiden, was güns­tiger für den Steuerzahler wäre. Zum Beispiel beim Thema Kinder­geld und Kinder­frei­beträge passierten Fehler. Die Situation: Felicitas Schuster hat eine Tochter aus einer früheren Beziehung und der leibliche Vater zahlt für das Kind keinen Unterhalt. Felicitas Schuster kommt deshalb auf die Idee, sich die Kinder- und Betreuungs­frei­beträge vom Vater über­tragen zu lassen.

Tatsäch­lich ergibt sich für die Frau aber ein steuerlicher Nachteil, wenn sie sich den Kinder­frei­betrag vom Vater des Kindes über­tragen lässt. Denn dadurch wird das volle Kinder­geld mit dem Frei­betrag gegen­gerechnet.

Am Ende bekommt sie so weniger zurück, als wenn sie sich nur den Betreuungs­frei­betrag über­tragen lassen würde. Wiso Steuerweb gab in diesem Fall als einziges Programm die richtige Empfehlung.

Unver­ständliche Fehler­meldungen

Zwar über­prüften alle Programme am Ende die Steuererklärung auf Fehler. Die entsprechenden Hinweise waren für die Nutzer aber häufig unver­ständlich. Selbst das ansonsten am besten führende Smart­steuer könnte hier deutlicher erklären.

Als ein Proband vergessen hatte, neben dem Arbeit­geber­anteil auch die Arbeitnehmerbeiträge zur Kranken­versicherung einzutragen, forderte ihn Smart­steuer zwar zurecht dazu auf, einen Fehler bei den Kranken­versicherungs­beiträgen zu korrigieren. Leider verstand der Proband aber nicht, dass er eben nur einen Teil ändern sollte und unterstellte zunächst dem Programm einen Fehler. Es dauerte einige Minuten, bis er endlich fündig wurde.

Probleme beim Daten­schutz

Weiterer Prüf­punkt: die allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) und Daten­schutz­bestimmungen. Unzu­lässige Klauseln fanden sich bei allen Anbietern. Problematisch ist zum Beispiel, wenn zahlreiche Dienste des Internetgiganten Google in die Programme integriert sind, mit denen das Verhalten des Nutzers über­wacht werden könnte (Wenn Google mitliest).

Bei Lohn­steuer kompakt treten Verstöße in den Daten­schutz­bestimmungen so zahlreich auf, dass wir das Programm abwerteten. Einige Klauseln zu Benutzer­analysediensten entpuppen sich als schwarzes Loch. Lohn­steuer-kompakt-Anbieter Forium erklärt in den Daten­schutz­bedingungen, keinen Einfluss auf den Umfang der über­mittelten Daten zu haben. Im Klar­text: Der Anbieter weiß nicht einmal, welche Nutzer­daten an ein fremdes Unternehmen ohne Einwilligung des Kunden gehen.

Verwirrende Preise

Die Preis­gestaltung der Anbieter ist nicht leicht zu durch­schauen. So darf ein Kunde bei Smart­steuer für 14,95 Euro nur eine einzige Steuererklärung abgeben, für jede weitere Erklärung im selben Steuer­jahr muss er knapp 5 Euro extra zahlen.

Bei Wiso Steuerweb noch komplizierter: Der Käufer muss die traditionelle Software und die App fürs Tablet bezahlen und darf fünf Steuererklärungen im selben Steuer­jahr abgeben. Auf der Webseite wird für das Paket mit 29,95 Euro geworben, dieser Preis bezieht sich aber auf ein unbe­fristetes Abonnement. Wer keinen Lang­zeit­vertrag eingehen will, zahlt 34,95 Euro. Im Laden gibt es das Paket aber oft güns­tiger. Nur das Online­programm allein bietet Buhl Data Service nicht an.

Starkes Pass­wort wichtig

Bevor es mit der Steuererklärung losgeht, sollte man noch eines bedenken: Da sich die Steuererklärung von über­all mit jedem Browser öffnen lässt, muss die Erklärung mit einem starken Pass­wort vor Fremden gesichert werden. Es sollte mindestens acht Zeichen lang sein und aus Buch­staben, Zahlen und Sonderzeichen – wie etwa dem Stern oder Unter­strich – bestehen. Auf keinen Fall ein leicht zu erratendes Pass­wort wählen, wie das Geburts­datum oder den Namen eines Verwandten oder Bekannten.

Geeignet für Einsteiger und Eilige

Unser Fazit: Keines der getesteten Online-Steuer­programme über­zeugte rund­herum, deshalb können wir keines uneinge­schränkt empfehlen.

Jeder mit wenig Erfahrung, der gerne auf umständliche Formulare verzichten möchte, sollte jedoch einen Blick auf Smart­steuer werfen. Die Benutzerführung kann Unerfahrenen dabei helfen, Steuern zu sparen. Grund­sätzlich ist das für viele allemal besser, als gar keine Steuererklärung zu machen. Bei komplexeren Fällen stößt das Programm aber an seine Grenzen. Hier machte Wiso Steuerweb am wenigsten Fehler und konnte sich dadurch insgesamt vor Smart­steuer setzen.

Alle, die mit ihrem bisherigen Steuer­programm – egal ob online, als Download oder auf CD – zufrieden sind, müssen nicht zwangs­läufig wechseln.

Unser Test zeigt aber: Auch Erfahrenere wissen nicht immer, was und wie sie steuerlich etwas geltend machen können. Einige könnten verblüfft fest­stellen, dass sie bisher zahlreiche Spar­möglich­keiten versäumt haben.

* Korrigiert am 18. Mai 2016

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