Online-Steuererklärung Special

Vorbei die Zeit, in der die Steuererklärung zum Papierkrieg ausartete. Online geht das heute einfacher und vor allem papierlos. Mit Elster.de bietet die Finanz­verwaltung dafür ein eigenes Portal – das nun über­arbeitet wurde. Das neue Elster-Portal erleichtert Einsteigern und Erfahrenen die Steuererklärung. Zeit und Papier sparen Nutzer des Onlineportals aber nur, wenn sie Elsters Tücken kennen und umgehen können. Wir erklären schritt­weise, wie Sie sich registrieren, die Erklärung ausfüllen und einreichen.

Einmalige Registrierung genügt

Um bei Elster Steuern zu erklären, müssen Nutzer kein Programm installieren, eine einmalige Registrierung genügt. Lohn­daten und Versicherungs­beiträge, die das Finanz­amt schon kennt, können sie über­nehmen. Elster prüft alle Angaben auf Plausibilität, bevor es die Erklärung abschickt. Das verringert Nach­fragen. Steuertipps bietet es jedoch nicht. Neu seit 2017: Stimmen Nutzer zu, erhalten sie sogar den maßgeblichen Steuer­bescheid online. Die papierlose Steuererklärung rückt ganz nah. Für die Erklärung 2017 entfällt schließ­lich erst­mals auch die Pflicht, Angaben durch mitgeschickte Belege nach­zuweisen. Steuerzahler bewahren Unterlagen künftig nur noch für Nach­fragen auf, Spendenquittungen bis mindestens ein Jahr nach Erhalt des Steuer­bescheids.

Unser Rat

Vorteile nutzen. Über das Elster-Portal erklären Sie Ihre Steuern kostenlos online. Eine Software müssen Sie nicht installieren. Auf Daten, die das Finanz­amt schon hat, können Sie zugreifen. Unklare Formulare erklärt die Hilfe. Tipps zur Steuer­optimierung gibt es nicht.

Warte­zeit einplanen. Die Registrierung braucht Zeit, denn dafür schickt die Finanz­verwaltung Ihnen zwei Sicher­heits­codes – je einen per E-Mail und per Post. Bis beide vorliegen, können bis zu zwei Wochen vergehen. Erst danach können Sie Ihr Elster-Konto frei­schalten.

Kalender beachten. Erledigen Sie alle Schritte der Registrierung inner­halb von 100 Tagen. Sonst werden Ihre Registrierungs­daten und Ihr Konto ohne Vorwarnung gelöscht.

Belege aufheben. Ab der Steuererklärung 2017 müssen Sie Belege nicht mehr einreichen, jedoch für Rück­fragen aufheben.

Elster rundum erneuert

Elster-Kenner, die über die Internetseite schon einmal Steuern erklärt haben, wundern sich vielleicht über das neue Design. Das Portal wurde 2017 aufgemöbelt, und zwar nicht nur äußerlich. Laut den Entwick­lern soll es nun benutzerfreundlicher und intuitiver zu bedienen sein. Inhalt­lich hat sich zum Beispiel Folgendes getan:

Nutzer­gruppen. Privatpersonen schlägt das Portal andere Formulare vor als Unternehmern und Arbeit­gebern.

Ratgeber. Die verbesserte Hilfe erklärt unklare Formulare und unbe­kannte Begriffe.

Summen­bildung. Besteht ein Posten aus mehreren Ausgaben, lassen sich alle Beträge auflisten. Elster rechnet alles zu einem Wert zusammen und über­nimmt die Zahl.

Kontrolle. Zwingende Angaben lassen sich inner­halb des Formulars leicht erkennen, denn die Felder sind rot markiert. Fehler­meldungen zeigt Elster so früh wie möglich an.

Nach­richten. Mitteilungen vom Finanz­amt bleiben jetzt dauer­haft im Post­fach erhalten.

Anpassung. Die Webseite kann sich in Größe und Form an mobile Browser von Tablets und Smartphones anpassen.

Keine Sorge: Das über­arbeitete Portal lässt sich auch mit einem alten Zugang nutzen.

Geduld mitbringen

Eine Schwäche von Elster haben die Programmierer jedoch nicht beseitigt: Die Registrierung kann bis zu zwei Wochen dauern. Denn das Konto lässt sich nur mit zwei Sicher­heits­codes frei­schalten, die die Finanz­verwaltung per E-Mail und per Post verschickt. Dafür müssen Nutzer Warte­zeit einplanen. Drängt die Frist, kann das zum Problem werden: Manche Steuerzahler sind verpflichtet, eine Steuererklärung abzu­geben, etwa Selbst­ständige, Vermieter und Ehegatten, die auf die Kombination der Steuerklassen III und V setzen. Spätestens am 31. Mai 2018 um 23:59 Uhr muss ihre Erklärung für 2017 beim Finanz­amt eingehen.

Mit einem Klick alle Angaben über­mitteln

Wer die Steuererklärung freiwil­lig einreicht, kann die Sache entspannter angehen. Freiwil­lige haben vier Jahre nach Ablauf des entsprechenden Kalender­jahres Zeit, ihre Steuern abzu­rechnen. Die Erklärung für 2017 können sie deshalb noch bis zum 31. Dezember 2021 abgeben. Sich früh­zeitig zu registrieren, bietet einen großen Vorteil: Wird die Zeit für die Steuererklärung knapp, können Elster-Nutzer mit einem Klick alle Angaben über­mitteln. Dann gilt die Steuererklärung als abge­geben – ausgedruckt und per Post verschickt werden muss sie nicht mehr.

Identifikations­nummer bereithalten

Für die Registrierung genügt die lebens­lang gültige persönliche Identifikations­nummer. Sie ändert sich weder nach einem Umzug noch nach dem Wechsel des zuständigen Finanz­amtes. Die elfstel­lige Kenn­zahl steht etwa auf der Lohn­steuer­bescheinigung oder auf Steuer­bescheiden vergangener Jahre. Eine Steuer­nummer wird für die Registrierung bei Elster nicht zwingend benötigt. Wer noch keine besitzt, kann mit der ersten per Elster über­mittelten Steuererklärung eine Steuer­nummer beantragen.

Finanz­verwaltung greift auf Daten der Meldebehörden zurück

Nach einer Adresse fragt Elster bei der Registrierung nicht, denn die Finanz­verwaltung kann auf die Daten der Meldebehörden zugreifen. Nutzer müssen aber an ihrem Wohn­ort gemeldet sein oder dem zuständigen Meldeamt eine Änderung ihrer Adresse mitgeteilt haben, bevor sie ihr Elster-Konto erstellen, sonst kommt der Brief mit dem Akti­vierung­scode nicht an. Schneller geht es mit Identifikations­nummer und Personal­ausweis, denn dann entfällt der Versand der Akti­vierung­scodes per Post und per E-Mail. Diese Art der Registrierung setzt aber voraus, dass die Online­funk­tion des Personal­ausweises akti­viert ist und der Nutzer ein Ausweislesegerät besitzt.

Sicher mit Zertifikat

Liegen alle Zugangs­codes aus E-Mail und Brief vor, können Steuerzahler damit ihre Registrierung abschließen. Nach Eingabe der Zugangs­codes erstellt Elster ein persönliches Sicher­heits­zertifikat. Diesen elektronischen Schlüssel müssen Nutzer künftig bei jeder Anmeldung hoch­laden und sich so im Elster-Portal ausweisen. Das Zertifikat ersetzt auch die Unter­schrift, die bei einer Steuererklärung auf Papier vorgeschrieben ist.

Drei Varianten

Das Zertifikat gibt es in drei Varianten – für eine müssen Nutzer sich schon bei der Registrierung entscheiden. Die kostenlose reicht meist: Dabei wird die Zertifikats­datei nach erfolg­reicher Registrierung generiert und auf dem Computer abge­legt. Nutzer speichern ihr Zertifikat am besten an einem Ort, an dem sie es auf jeden Fall wieder­finden, etwa in einem Ordner für Steuer­angelegenheiten oder auf ihrem Desktop. Es gibt auch die Variante, das Zertifikat auf einem speziellen Sicher­heits­stick oder einer Signaturkarte extra verschlüsselt abzu­speichern. Elster-Stick und -Kartenlesegerät müssen Nutzer aber kaufen. Das kann zwischen 49 und 150 Euro kosten und lohnt sich eher für Unternehmer und Steuerberater.

Erst­maliger Login

Im Internet ist es üblich, sich mit Benutzer­namen und Pass­wort anzu­melden. Nicht so bei Elster: Um eine höhere Sicherheit der Daten zu gewähr­leisten, ersetzt die Zertifikats­datei den Benutzer­namen. Um Zugang zu ihrem Elster-Konto zu erhalten, laden Nutzer bei der ersten Anmeldung den elektronischen Schlüssel hoch und geben ihr Pass­wort ein. Damit ist die Registrierung voll­ständig. So loggen sich Nutzer auch anschließend jedes Mal in ihr Elster-Konto ein.

So lässt sich das Zertifikat wieder­finden

Wer das Zertifikat für die Anmeldung nicht mehr findet, gibt in der Such­funk­tion des Computers „.pfx“ ein – mit diesem Kürzel endet die Zertifikats­datei. Der PC sollte es so auffinden und den entsprechenden Speicher­ort anzeigen können. Als Speicher­ort eignet sich auch ein USB-Stick oder eine externe Fest­platte. So lässt sich das Elster-Portal von jedem Computer aus aufrufen. Das gilt inzwischen auch für Mac-Nutzer, die den Apple-Browser Safari verwenden. Dieser unterstützt inzwischen die Elster-Webseite. Bisher mussten Mac-Nutzer auf Google Chrome oder Firefox zurück­greifen.*

Andere Steuer­programme nutzen

Sind sie einmal erfolg­reich bei Elster registriert, können Steuerzahler auch kosten­pflichtige Steuer­programme wie Tax 2017 oder Wiso besser nutzen. Denn nur mithilfe von Elster-Zertifikat und -Abrufcode können diese Programme über eine Schnitt­stelle Steuererklärungen online über­mitteln und auf Beleg­daten vom Finanz­amt zugreifen. Die kosten­pflichtige Software bietet meist umfang­reichere Ausfüll­tipps als der kostenfreie Elster-Dienst.

Tipp: Welche Programme gut beraten, haben wir im Test Steuerprogramme, Finanztest 5/2017 getestet.

Diese Anlagen sind wichtig

Nach der Anmeldung können Steuerzahler direkt mit ihrer Online-Erklärung loslegen. Wie bei einer Steuererklärung auf Papier wählen sie die notwendigen Anlagen aus. Jeder benötigt den Mantelbogen. Arbeitnehmer entscheiden sich außerdem für die Anlage N, Eltern brauchen die Anlage Kind. Rentner nutzen die Anlage R und Kapital­anleger die Anlage KAP.

Elster Formular: Steuererklärung offline am PC ausfüllen

Wenn Sie sich nicht erst den Weg durch ein neues Portal bahnen möchte, können Sie an den bekannten Formularen fest­halten. Auch das geht am Computer: Alternativ zum Onlineportal bietet die Finanz­verwaltung das Programm Elster Formular zum Herunter­laden an. Ihre Angaben können Sie dann wie auf Papier eintragen – das geht sogar offline. Mit einer Registrierung bei Elster.de können Sie auch bei Elster Formular Beleg­daten abrufen und über­nehmen, die Ihnen das Finanz­amt zur Verfügung stellt. Ebenso können Sie die elektronischen Formulare auch ans Finanz­amt über­mitteln lassen. Das Programm berechnet sogar die von Ihnen zu zahlende Steuer – allerdings ohne Gewähr, denn ob Ihre Erklärung so durch­gewunken wird oder ob ein Bearbeiter Ihre Eingaben checken muss, kann das Programm nicht voraus­sagen.

Elster hilft beim Ausfüllen

Elster kann beim Ausfüllen Arbeit abnehmen, denn der Finanz­verwaltung liegen bereits zahlreiche Daten von Arbeit­gebern, Banken und Krankenkassen vor. Sie kennt etwa die gezahlte Lohn­steuer, Vorsorgeaufwendungen zu Riester- und Rürup-Verträgen, Krankenkassenbeiträge und erteilte Frei­stellungs­aufträge. Darauf können Elster-Nutzer zurück­greifen und so ihre Erklärung voraus­füllen lassen. Die Sache hat aber einen Haken: Für diesen sogenannten Beleg­abruf müssen sie erneut auf einen Abrufcode warten, den die Finanz­verwaltung per Post verschickt.

Beleg­daten liegen ab März vor

Bis alle Beleg­daten zur Verfügung stehen, kann es Mitte März sein, denn die Finanz­verwaltung wartet bis Ende Februar auf Daten. Nutzer sollten vor Über­nahme prüfen, ob diese Daten korrekt sind. Auch das Finanz­amt kann Fehler machen oder Angaben bereits fehler­haft von anderen Behörden, Arbeit­gebern, Banken und Krankenkassen erhalten.

Voraus­gefüllte Erklärung ergänzen

Bei allen Vorzügen: Die komplette Arbeit erspart Elster Steuerzah­lern nicht. Steuer­mindernde Ausgaben müssen sie unbe­dingt selbst liefern. Dazu gehören Jobkosten, Spenden, Gesund­heits­kosten ebenso wie Ausgaben für Weiterbildung, Unterhalt, Kinder­betreuung und Hand­werker oder Pflege. Wer auf diese Fleiß­arbeit verzichtet und sich auf Beleg­daten und die voraus­gefüllte Erklärung verlässt, verschenkt wahr­scheinlich Geld.

Ebenso Aufgabe des Steuerzah­lers: Die Erklärung um fehlende Einkünfte zu ergänzen, etwa um Miet­einnahmen und bestimmte Kapital­erträge. Auch Lohn­ersatz­leistungen, Arbeits­losen-, Kinder- oder Eltern­geld muss er mitteilen.

*Korrigiert am 9. Januar 2018

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