Online-Rechts­beratung: Bei welchen Fragen Anwalt­sportale helfen können

Online-Rechts­beratung - Bei welchen Fragen Anwalt­sportale helfen können

Wer schnell juristische Hilfe braucht, kann bei einfachen Fällen Online-Rechts­beratung nutzen. Dort gibts Rat gegen Honorar.

Ein Bußgeld­bescheid von der Straßenverkehrs­behörde, der Clinch mit dem Vermieter oder falsche Gebühren auf der Telefon­rechnung: Wer ein recht­liches Problem hat, möchte schnell eine Lösung, Deshalb führt der erste Weg meist nicht in die Anwalts­kanzlei um die Ecke, sondern ins Internet: Erst mal googeln, wer im Recht ist.

Rechts­beratungs­portale im Netz bieten mehr: Internetnutzer finden hier schnellen individuellen Rechts­rat. Sie stellen eine Frage und diese wird an einen der vielen Anwälte weitergeleitet, die auf dem Portal beraten. Er klärt den Sach­verhalt gegen Honorar. Wir haben die sieben besucher­stärksten Portale untersucht. Dafür haben wir uns fünf Rechts­fragen über­legt und im September 2017 auf den Internet­seiten einge­geben (Testfälle). In vier von fünf Testfällen erhielten wir über­wiegend richtigen und hilf­reichen Rat. In einem Fall aus dem Verkehrs­recht lag nur ein Anwalt ganz richtig. Außerdem haben fünf Tester ausprobiert, wie nutzerfreundlich die Portale sind. Die Daten­sicherheit haben wir tech­nisch prüfen lassen und die allgemeinen Geschäfts­bedingungen und Daten­schutz­erklärungen juristisch.

Erste Hilfe bei Rechts­problemen

Unser Fazit: Rechts­beratungs­portale eignen sich eher für einfach gelagerte Fälle. Anwälte können online zum Beispiel eine erste Einschät­zung geben, ob es sinn­voll ist, sich gegen eine Forderung zu wehren oder sie besser gleich zu bezahlen, weil sonst Mehr­kosten entstehen.

Eine ausführ­liche persönliche Beratung vor Ort kann eine Onlineberatung jedoch kaum ersetzen. Und: Sie kann nur so gut sein, wie die Frage formuliert ist. Drückt sich der Ratsuchende nicht deutlich aus oder lässt wichtige Informationen weg, kommt der Anwalt möglicher­weise zu einer falschen oder unvoll­ständigen Antwort.

Bei komplizierteren Sach­verhalten müssen Anwälte oft Dokumente sichten, um sich ein Bild machen zu können. Auf den Portalen Frag-einen-anwalt.de, YourXpert und Advocado können Nutzer Dateien für den Anwalt hoch­laden, damit sie ihm sofort vorliegen.

Unser Rat

Rechts­frage. Haben Sie ein juristisches Problem, versuchen Sie im Internet heraus­zufinden, welche Regeln aktuell gelten und wie Gerichte entscheiden. Ergibt sich kein eindeutiges Bild, kann Onlineberatung sinn­voll sein, wenn entweder keine Dokumente nötig sind oder Sie diese hoch­laden können.

Anwalt­sportale. Unseren Testern gefielen die Informationen auf den Seiten von Juraforum am besten, Advocado und Deutsche Anwalts­hotline erschienen ihnen am über­sicht­lichsten (Tabelle Internetportale für Online-Rechtsberatung). Alle Portale enttäuschen beim Daten­schutz: Sie liefern reichlich Daten an Google und Co, die Deutsche Anwalts­hotline noch am wenigsten.

Schnell und rund um die Uhr

Der Ablauf der Online-Rechts­beratung ist über­all gleich unkompliziert: Frage stellen, Preis fest­legen, abwarten, Rechts­rat erhalten. Das geht 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche. Wie schnell ein Berater aus dem Pool von Anwälten sich des Problems annimmt und es abschließend bearbeitet, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Ausschlag­gebend dafür ist etwa, ob der Berater noch Rück­fragen zum geschilderten Sach­verhalt hat.

Viele Portale haben außerdem Beratungs­angebote zum Fest­preis. Privatpersonen können etwa bei Advocado für 199 Euro ihr Testament prüfen lassen, Unternehmen für 299 Euro einen Arbeits­vertrag erstellen lassen.

Kunden machen Preise

Auf einigen Portalen bestimmen Nutzer selbst, wie viel ihnen die Antwort wert ist. Was auf den ersten Blick kundenfreundlich erscheint, hat in der Praxis seine Tücken. Laien sind in der Regel nicht fit im komplizierten Gebührenrecht und können nur schwer einschätzen, welche Vergütung für anwalt­lichen Rat üblich ist.

So viel kosten Anwälte

So viel Mindest­honorar gibt das Gesetz in unseren Testfällen vor. Online-Rechts­beratung entspricht am ehesten einer Erst­beratung.

Leistung

Preis (Euro)

Leistung

Preis (Euro)

Erst­beratung (in allen Fällen)

0 bis 226

Fall 1: Verteidigung gegen 80 Euro Buße

Außerge­richt­lich

Rund 1201

Gericht­lich (mit Termin)

Rund 2502

Fall 2: Streit um 120 Euro Telefon­gebühren

Außerge­richt­lich

84

Einigung

89 zusätzlich

Gericht­lich (mit Termin)

158

Fall 3: Streit um Erstattung von 180 Euro Kauf­preis

Außerge­richt­lich

84

Einigung

89 zusätzlich

Gericht­lich (mit Termin)

158

Fall 4: Streit um 1 300 Euro Miet­nach­zahlung

Außerge­richt­lich

202

Einigung

205 zusätzlich

Gericht­lich (mit Termin)

366

Fall 5: Kündigungs­schutz­klage bei 3 000 Euro Brutto­gehalt

Gericht­lich (mit Termin)

1 532

Einigung

603 zusätzlich

  • 1 Ohne Verhand­lungs­termin bei mäßiger Schwierig­keit. Gebühren­rahmen 86 bis 587 Euro.
  • 2 Kurzer Verhand­lungs­termin bei mäßiger Schwierig­keit. Gebühren­rahmen 171 bis 936 Euro.

Einige Beratungs­seiten helfen mit einem Schieberegler, mit dem sich Dringlich­keit und Detailtiefe der erwarteten Antwort einstellen lassen. In unserem Praxis­test bekamen alle Tester Rechts­rat für den von ihnen selbst fest­gelegten Preis. Der höchste lag bei 85 Euro.

Anders zum Beispiel auf Advocado, wo Anwälte Preis­vorschläge machen: Dort war die Beratung meist teurer und über­schritt die 100-Euro-Grenze.

Wer sich für ein solches Portal entscheidet, muss das Angebot des Rechts­anwalts allerdings nicht sofort annehmen. Das Rechts­anwalts­vergütungs­gesetz erlaubt Mandanten, das Anwalts­honorar auszuhandeln. Das gilt sowohl für klassische Rechts­beratung in der Kanzlei als auch für Onlinerat. Und: Anwälte können eine kostenlose Erst­beratung anbieten.

Berechnet ein Anwalt die Erst­beratung jedoch und wird er im Anschluss daran beauftragt, rechnet er die Erst­beratungs­gebühr auf sein Honorar an. Da ist Online-Rechts­beratung im Nachteil: Wer danach zu einem anderen Anwalt geht, kann den online bezahlten Betrag nicht anrechnen lassen.

Anwälte allein verantwort­lich

Klar ist: Ein Jurist kann nicht alles wissen. Das deutsche Recht füllt ganze Biblio­theken. Nichts­destotrotz sollte ein Rechts­anwalt seinen Beruf stets sorgfältig und zuver­lässig ausüben. Tut er dies nicht, muss er in voller Höhe für den Schaden, der dem Mandanten dadurch entstanden ist, aufkommen. Für diese Fälle müssen sich Anwälte sogar versichern. Nichts anderes gilt auch für Juristen, die auf Internetportalen beraten. Nicht das einzelne Portal ist bei falscher Beratung der Ansprech­partner, sondern der Rechts­anwalt.

Gibt es dennoch Beschwerden, reagieren die Betreiber unterschiedlich: Deutsche Anwalts­hotline und YourXpert etwa gewähren im Einzel­fall eine kostenfreie Zweitmeinung eines anderen Anwalts. JustAnswer und Advocado werben mit einer Zufrieden­heits­garantie. Das heißt: Geld zurück bei schlechter Beratung.

Portale fallen beim Daten­schutz durch

In Rechts­fragen geht es meist um äußerst sensible Daten. Nutzer müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie diese nicht nur dem beratenden Anwalt anver­trauen, sondern auch dem Internetportal. Das zeigt unser Test.

Der Daten­schutz hat uns enttäuscht. Alle Portale verwenden Tracking-Dienste. Sie sammeln Informationen über den Besucher, etwa seine Verweildauer, das Betriebs­system seines Computers oder seinen Stand­ort (Google ist dabei).

Besonders negativ fiel uns Juraforum auf. Die Internetseite hatte eine Sicher­heits­lücke, die Daten­diebe zu Angriffen einlädt. Wir haben den Anbieter informiert. Inzwischen hat er das Leck repariert.

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