Online-Rechts­beratung Bei welchen Fragen Anwalt­sportale helfen können

11.12.2017
Online-Rechts­beratung - Bei welchen Fragen Anwalt­sportale helfen können
© Lisa Rock

Wer Streit mit Arbeit­geber oder Vermieter hat, braucht oft anwalt­liche Hilfe. Online-Rechts­beratung wird dabei immer wichtiger. Auf Anwalt­sportalen wie Frag-einen-Anwalt.de, Juraforum und Deutsche Anwalts­hotline können Nutzer die gewünschte Auskunft online bekommen – gegen Honorar. Finanztest hat sich die sieben besucher­stärksten Platt­formen angeschaut. Fazit: Für eine erste Einschät­zung der Rechts­lage sind die Portale oft gut, der Umgang mit Nutzer­daten könnte aber besser sein.

Inhalt

Sieben Rechts­beratungs-Portale im Vergleich

Bei unserem Test haben wir die sieben besucher­stärksten Platt­formen für Online-Rechts­beratung unter die Lupe genommen: Advocado, Anwalt.de, Deutsche Anwalts­hotline, Frag-einen-Anwalt.de, Juraforum, JustAnswer und YourXpert. Bei allen Anwalt­sportalen haben wir Fragen zu fünf konkreten, typischen Fällen gestellt und die Antworten der Anwälte geprüft. Die Fälle kamen aus den Gebieten Arbeits­recht, Kauf­recht, Mietrecht, Tele­kommunikations­recht und Verkehrs­recht. Außerdem haben wir Nutzerfreundlich­keit (Service und Kontakt), Daten­sicherheit, Daten­schutz­erklärung und allgemeine Geschäfts­bedingungen untersucht.

Das bietet der Test Online-Rechts­beratung

Sieben Anwalt­sportale im Check.
Unser Test klärt folgende Fragen: Wie gut ist die fachliche Qualität der Antworten? Welche Preismodelle gibt es? Was passiert mit den Nutzer­daten? Die Test­tabelle ermöglicht einen schnellen Vergleich hinsicht­lich Form und Ablauf der Rechts­beratung, Kosten, Zahl der erreich­baren Anwälte, Zusatz­services, sowie der Allgemeinen Geschäfts­bedingungen und Daten­schutz­erklärungen.
Fünf konkrete Testfälle.
Auf allen getesteten Portalen haben wir typische Fälle aus wichtigen Rechts­gebieten wie Arbeits-, Kauf- und Mietrecht einge­stellt und eine Online-Beratung durch einen Anwalt erbeten.
Heft-Artikel als PDF.
Wenn Sie das Thema frei­schalten, erhalten Sie auch Zugriff auf das PDF zum Artikel aus Finanztest 1/2018.

Meist richtiger und hilf­reicher Rat

Auf unsere Fragen haben die Anwälte über­wiegend korrekt geant­wortet. Dabei waren ihre Beratungen unterschiedlich umfassend. Einige Juristen informierten nicht nur über die Rechts­lage, sondern gaben zusätzlich nützliche Hinweise, zum Beispiel auf einen Muster­brief der Verbraucherzentralen.

Manchmal bestimmt der Kunde den Preis

Die anfallenden Kosten sind je nach Portal unterschiedlich. In einigen Fällen kann der Nutzer selbst angeben, wie viel ihm die Rechts­beratung im Internet wert ist. Klingt zunächst gut, ist aber in der Praxis eine zwei­schneidige Sache. Denn Nicht-Juristen wissen oft nicht, wie viel Anwälte üblicher­weise für eine Rechts­auskunft verlangen können. Zudem geben alle Portale, bei denen der Nutzer den Preis selbst fest­legen kann, für die Online-Beratung durch einen Anwalt einen Mindest­preis vor. Dieser liegt zwischen 24 und 44 Euro, dazu kommt in einigen Fällen noch eine Nutzungs­gebühr von 2 Euro. Andere Portale schi­cken erst nach erfolgter Anfrage ein Preis­angebot.

Nutzer­daten meist sicher vor Hackern ...

Wer Portale für Online-Rechts­beratung nutzt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er seine Daten nicht nur dem beratenden Anwalt anver­traut, sondern auch dem Portal. Weil es bei Rechts­streitig­keiten meist um äußerst sensible Informationen geht, haben wir genau hingeschaut. Unser Ergebnis: Bei sechs der sieben Anbieter im Test waren die Nutzer­daten vor Hackern sicher. Einer patzte. Wir haben ihn informiert. Sein Daten­leck hat er inzwischen repariert.

... aber nicht vor Google, Facebook & Co

Warum wir in puncto Daten­sicherheit trotzdem keine Entwarnung geben können: Alle untersuchten Portale benutzen Tracking-Dienste wie Google Analytics. Schon wenn der Nutzer eine Seite aufruft, erfassen mindestens Google und meist auch andere Anbieter Daten zu seinem Besuch auf der ­Seite. Das ermöglicht gezielte ­Werbung und besondere Angebote. Besonders bedenk­lich: Bei einigen Anbietern erfahren soziale Netz­werke wie Facebook schon beim Aufruf der Seite den Namen des Rechts­beratungs­kandidaten, wenn dieser sich – wie oft üblich – vom selben Gerät aus beim jeweiligen Netz­werk ein- und nicht wieder ausgeloggt hat.

Nutzer­kommentare, die vor dem 11. Dezember 2017 gepostet wurden, beziehen sich auf eine frühere Unter­suchung.

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