Online-Rechtsberatung Test

Mit Laptop und Gesetzestext. Der Essener Anwalt Marc Wandt berät Mandanten auch online.

Online-Rechtsberatung klappt technisch meist reibungslos und schnell. Doch in unserer Stichprobe bei acht Anbietern gaben drei Anwälte dem Kunden einen falschen Rat.

Zu Rechtsanwalt Marc Wandt kommen nicht alle Mandanten durch die Bürotür. Manche melden sich per Computer an. Der Essener ist einer von 120 Anwälten, die beim Onlinedienst Frag-einen-Anwalt.de die Fragen von Rechtsuchenden beantworten. Seine schnellen Finger sind gefragt, wenn er zum Zuge kommen will.

Täglich stellen Kunden rund 40 Fragen ins System und geben an, wie viel sie für einen Rat zahlen würden. Das Minimum sind 20 Euro, Marc Wandt hat aber online auch schon Rat für 150 Euro gegeben.

Liegen Frage und Preisangebot vor, werden die Anwälte informiert und es gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Hat sich Anwalt Wandt ein Mandat per Mausklick sichern können, muss er es in Zweistundenfrist beantworten oder wieder freigeben.

Unterschiede in Preis und Qualität

Finanztest hat den Service von acht Beratungsdiensten ausprobiert, die in einer Internetrecherche mit der Suchmaschine Google vorn zu finden waren.

Bei Frag-einen-Anwalt.de und Marc Wandt klappte der Test prima. Auf unsere Frage zum Schadenersatz nach einem Verkehrsunfall gab er in Stundenfrist einen verständlichen und korrekten Rat für 26 Euro (siehe „Unser Musterfall“)

Damit haben wir ein Schnäppchen gemacht. Als Erstberatungsgebühr können Anwälte in unserem Fall durchaus 50 bis 70 Euro ansetzen. Beim Anbieter E-Juristen.de kostete der korrekte Rat etwas mehr als 70 Euro, bei Anwalt.de schlug er mit 49 Euro zu Buche und bei Advo24.de berechnete der Anwalt 69 Euro.

Einige Anwälte waren nicht nur teurer als Marc Wandt, sie waren auch schlechter. Der Anwalt von Deutsche-Anwaltshotline.de berechnete uns 75 Euro für einen Rat, der in die falsche Richtung wies.

Bei Anwalt-Onlineservice.de kostete ein schlechter Ratschlag rund 53 Euro, bei Answer24.de 25 Euro (siehe „Große Unterschiede ...“).

Zu viele schwache Antworten

Fazit der Stichprobe: Ein Onlinerat kann flott, günstig und korrekt sein. Er kann aber auch teurer und schwach ausfallen.

Wir hatten mit einem besseren Ergebnis gerechnet. Anders als beim telefonischen Rechtsrat, wo alles hopp-hopp gehen muss, haben Onlineanwälte mehr Zeit. Sie können Bücher wälzen, Urteilsdatenbanken abrufen und beim Mandanten nachfragen, wenn der Fall unklar ist. Und sie können den Fall ohne Gesichtsverlust zurückgeben, wenn sie sich doch nicht auskennen.

Die Qualität einer Onlineberatung muss sich nicht von der einer Beratung im Büro des Anwalts unterscheiden. Nur Fälle, bei denen viel Papier zu sichten ist, sind ungeeignet.

In unserem Musterfall war das kein Problem. Der Fall lässt sich leicht schildern – und leicht lösen. Denn es gibt ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs. Danach hätte unser Mustermandant im Streit um den Schadenersatz von der Versicherung gute Karten. „Nicht klein beigeben“ – das wäre ein guter Rat gewesen. Nur 4 von 7 Anwälten gaben ihn, einer reagierte nicht.

Die schwachen Ratschläge zeigen, dass sich Anwälte besser fortbilden müssen. Sie zeigen aber nicht, dass Online-Rechtsrat keine gute Dienstleistung sein kann. Die guten Antworten belegen das Gegenteil.

Die ganze Welt kann Fehler sehen

Frag-einen-Anwalt.de hebt sich von allen anderen Diensten durch besondere Offenheit ab: Die Antwort eines Anwalts kann jeder Besucher der Internetseite sehen – inklusive Kontaktdaten und Bild.

Der Qualität der Beratung dürfte dieses Prinzip guttun. Schließlich bleibt ein Fehler nicht lange unbemerkt und der Ruf eines Anwalts ist schnell ruiniert, wenn er mit schwachen Antworten auffällt.

Der schöne Nebeneffekt: Weitere Ratsuchende können mit einer Suchmaschine die Antworten durchstöbern und möglicherweise ihr eigenes Problem ohne Kosten bereits ein wenig einordnen. Bei anderen Anbietern sieht nur der Kunde, der bezahlt hat, die Antwort.

Spielregeln für die Juristen sollen in vielen Diensten die Qualität der Beratung sichern. Bei Anwalt-Onlineservice.de dürfen nach Angaben des Anbieters nur Anwälte mitmachen, die mindestens zwei Jahre Berufserfahrung haben.

Dieselbe Regel haben die Betreiber von Deutsche-Anwaltshotline.de aufgestellt. Sie befragen zudem Kunden und haben nach eigenen Angaben aufgrund des Ergebnisses einen Anwalt rausgeschmissen.

Bei Answer24.de können Kunden einen Fachanwalt für die Beratung fordern. Das ist ein Anwalt mit Spezialqualifikationen für ein Fachgebiet. Der Anbieter bittet Kunden um eine Bewertung. Zwar wird ein Laie die juristische Qualität der Beratung kaum beurteilen können. Doch ob sie verständlich war, weiß er.

Bei Anwalt.de setzt man auf Spezialisten. Hier darf nicht jeder Anwalt alles machen. Wer mitmacht, muss sich auf einige Rechtsgebiete beschränken.

Für die Folgen falscher Ratschläge müssen alle Anwälte haften – auch wenn sie online beraten. Viele Anwälte weisen vor der Beratung darauf hin.

Drei Preismodelle

Bei Frag-einen-Anwalt.de schlägt der Kunde den Preis für den gewünschten Rechtsrat vor. Bietet er zu wenig, bleiben die Angebote aus oder ein Anwalt erklärt ihm, er möge mehr bieten. Genauso funktioniert die Preisfindung bei Answer24.de.

Bei den meisten anderen Anbietern läuft es andersherum. Die Anwälte schlagen einen Preis vor, nachdem der Kunde seinen Fall geschildert hat. Dieser kann dann auf die Beratung verzichten, das Angebot annehmen oder noch ein wenig handeln.

Ein drittes Modell hat Finanztest bei Anwalt-Onlineservice.de entdeckt. Hier kann der Rechtsuchende einen Kostenvoranschlag erbitten oder Rat zum Fixpreis verlangen. Dabei wählt er zwischen schnellem Rat für 83,30 Euro oder etwas langsameren Rat für 53,55 Euro.

Registrieren und Bezahlen klappt

Fast alle Systeme, die sich Finanztest angesehen hat, sind verständlich. Lediglich die Seiten von E-Juristen.de verwirren durch Weiterleitungen und viel Text. Doch sogar hier ist Kunden stets klar, ob sie noch unverbindlich Fragen stellen oder sich bereits vertraglich binden.

Auch die Bezahlung hat fast überall gut geklappt. Manche Dienste bieten zahlreiche Bezahlmöglichkeiten an, andere beschränken sich auf die Überweisung.

Hier sollten eilige Ratsuchende aufpassen, wenn sich die Anwälte die Beratung nach Zahlungseingang vorbehalten. Es kann schließlich etwas dauern, bis das Geld beim Anwalt ist.

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