Online-Nepp Meldung

Onlineangebote wie lebenserwartung.de sind teuer. Weil die Anbieter den Preis verstecken, fallen Nutzer rein.

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Trickreiche Internetanbieter haben die Surfer mittleren Alters entdeckt. Nachdem sie im vergangenen Jahr vorwiegend jüngeren Leuten mit vermeintlich kostenlosen SMS-Abos oder Hausaufgabenhilfen das Geld aus der Tasche zogen, ist nun die nächste Generation dran.

Unter www.lebenserwartung.de finden die Besucher einen Test, mit dem sie ihre statistische Lebenserwartung errechnen können. Der Test kostet 30 Euro, doch der Preis ist versteckt im Kleingedruckten am unteren Rand der Internetseite. Dort wird ihn kaum ein Besucher sehen, denn der übliche Bildschirmausschnitt ohne den Kostenhinweis sieht vollständig aus.

Offenbar fallen viele Menschen auf solche Angebote herein. In Verbraucherforen im Internet berichten sie dann überrascht, dass sie eine Rechnung bekommen haben.

Zwar mussten sie auf der Webseite ihre Adressdaten eingeben und hätten stutzig werden können. Doch der Text auf der Seite suggeriert, dass die Angaben lediglich nötig seien, um ihre Lebenserwartung richtig berechnen zu können.

Der Rat von Verbraucherschützern ist deshalb eindeutig: „Nicht zahlen“, sagt Anwalt Ronny Jahn von der Verbraucherzentrale Berlin. „Aufgrund der Trickserei mit der Preisangabe ist es leicht, sich zu wehren. Wer sich getäuscht fühlt, sollte Forderungen widersprechen und anschließende Drohungen ignorieren.“

Mahnpost kommt vom Anwalt

Druck machen die Anbieter mit Mahnungen. Fruchten diese nicht, kommt das nächste Schreiben von einem Anwalt wie Boris Hoeller aus Bonn. Er vertritt die Anbieter von www.lebenserwartung.de und treibt für sie Geld bei Kunden ein, die auf erste Zahlungsaufforderungen nicht reagieren. Sie sollen dann zusätzlich 24 Euro für den Anwalt zahlen.

Anwalt Hoeller hält das Internetangebot für rechtlich einwandfrei: „Auf den Seiten deutet nichts darauf hin, dass das Angebot kostenfrei ist.“

Das ist richtig. Dennoch ist sein Hinweis zynisch. Dass sich viele Menschen getäuscht fühlen, wird mittlerweile auch beim Anbieter angekommen sein. Den Preis versteckt er trotzdem.

Klar – nur so funktioniert die Masche. Dabei müssen Anbieter im Internet laut Gesetz „klar und verständlich“ über Angebot und Preis informieren. Nach Ansicht des Kölner Anwalts Rolf Becker ist das bei www.lebenserwartung.de nicht der Fall.

„Selbst wenn Kunden tatsächlich immer zum unteren Seitenrand scrollen würden, wäre der Hinweis dort noch nicht ausreichend. Er ist zu klein.“ Auch sein Rat lautet deshalb: „Auf keinen Fall zahlen.“

Die Anbieter spielen Verstecken

Anfragen von Finanztest beantwortet die Betreiberin der Seite, die Firma VitaActive Ltd., nicht. So bleibt auch im Dunkeln, ob und wer den Test eigentlich „wissenschaftlich geprüft“ haben soll.

Nicht weniger zugeknöpft geben sich die Macher der Seite www.lebensprognose.com. Auch sie verstecken den Preis ihrer „anhand statistischer Daten“ getesteten Dienstleistung, die stolze 59 Euro kosten soll. Bislang war die Firma Xentria AG verantwortlich. Nun hat der Anbieter gewechselt.

Für Verbraucherschützer ist das ein Problem. Sie gehen gegen Anbieter wie die Xentria AG zwar mit Abmahnungen und Klagen vor. Doch wenn die Anbieter „Bäumchen wechsle dich“ spielen, ist es schwierig, sie juristisch zu fassen.

Nicht einschüchtern lassen

Reingefallene Kunden sollten sich dennoch nicht ins Bockshorn jagen lassen. Wenn sie einfach nicht zahlen, lassen die Betreiber der Seiten sie offenbar in Ruhe.

Bisher ist nicht bekannt, dass Anbieter Kunden verklagt hätten. Anwalt Hoeller behauptet zwar, dass es Entscheidungen zugunsten der Anbieter gebe. Den Beweis hat er aber nicht angetreten.

Es sieht so aus, als streichen sie irgendwann einfach die Segel. Das ist nachvollziehbar, denn wenn Gerichte das Angebot prüfen und für rechtswidrig erklären, hätte die lukrative Masche ein Ende.

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