Online-Broking Meldung

Eine Anlage im Aktienfonds "Victoria-Eurokapital" ist normalerweise eine solide Sache: Europäische Standardwerte, eine gute Bewertung in den Fondstabellen von Finanztest ­ insgesamt eine konservative Anlage. Das dachte auch Dr. Andreas Otto*, der über seinen Onlinebroker Entrium für 5.000 Mark Fondsanteile kaufen wollte ­ so viel Geld hatte er gerade auf der hohen Kante. Otto ging online vor, erstmals wollte er per Internet ordern. Nach Eingabe der Kaufdaten stellte ihm die Banksoftware das geplante Geschäft noch einmal dar und bot drei Buttons zur Auswahl: "Ausführen", "Ändern" oder "Abbrechen". Otto zögerte keine Sekunde und schickte den Auftrag ab.

Einen Tag später kam die Nachricht "Kauf-Order angenommen" ­ und Otto musste sich setzen.

Er hatte nicht für 5.000 Mark bestellt, sondern 5.000 Fondsanteile. Die Begriffe "Stückzahl" und "Nominalwert" in der Eingabemaske hatte der Entrium-Kunde "nicht so richtig" verstanden und die falsche Zahl im falschen Feld notiert. Konsequenz des "kleinen Missgeschicks": Ottos Kontostand rutschte mit über einer Million Mark in die Miesen.

Eilig verkaufte Otto die Anteile. Bank und Fondsgesellschaft verzichteten aus Kulanz auf alle Abwicklungskosten. Trotzdem blieb der schusselige Onlinekunde am Ende auf satten 15.000 Mark Kursverlust sitzen.

Während die meisten Onlinebroker Orders erst gar nicht ausführen, wenn nicht entsprechende Werte als Sicherheit im Depot oder auf dem Konto liegen, läuft das Geschäft bei Entrium anders: "Was geordert wird, führt unsere Software automatisch aus", erklärte Entrium-Sprecherin Carla Laqua. "Wir können zwar einzelne Kunden für den Handel sperren, aber für alle, die noch nicht aufgefallen sind, gilt: Wer will, der kann."

TiPP:

Nutzen Sie lasche Kreditprüfungen von Onlinebrokern nicht, um einfach mal über Ihre Verhältnisse zu spekulieren. Manche Banken dulden zwar kurzfristige Überziehungen und berechnen keine Sollzinsen. Allerdings können sie Ihre Depotwerte jederzeit pfänden, wenn Schulden nicht bezahlt werden.

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