Online-Bezahl­system Paydirekt: Paypal auf Deutsch

Online-Bezahl­system Paydirekt - Paypal auf Deutsch

Banken und Sparkassen führen mit Paydirekt ein eigenes Online-Bezahl­verfahren ein – als Zusatz­funk­tion zum Giro­konto. Paydirekt soll dem großen US-Konkurrenten Paypal Paroli bieten – rund zehn Jahre nach dessen Einführung in Deutsch­land. Finanztest erklärt, wie das neue Verfahren funk­tioniert.

Seit November frei­geschaltet

Paydirekt wird seit November 2015 nach und nach von den Banken frei­geschaltet. Das erste Mal bezahlte ein Mitarbeiter der Hypo­ver­eins­bank (HVB) mit Paydirekt im August 2015 beim Online-Möbelhändler d-Living.de. Seit Anfang November können alle HVB-Kunden mit Online­konto den Bezahl­dienst nutzen.

Direkt vom Giro­konto abge­bucht

Online-Bezahl­system Paydirekt - Paypal auf Deutsch

Wer Paydirekt nutzen will, muss eine gültige E-Mail-Adresse haben und ein online­fähiges Giro­konto bei seiner Bank. Dann kann er sich im Online­banking-Bereich für Paydirekt registrieren. Er wählt Benutzer­name und Pass­wort aus und bestätigt sie mit einer Trans­aktions­nummer (Tan). Im Anschluss erhält er einen Akti­vierungs­link per E-Mail und kann Paydirekt frei­schalten. Mit Benutzer­name und Pass­wort kann der Bank­kunde bei teilnehmenden Onlineshops bezahlen, nachdem er den Button „Paydirekt“ gewählt hat. Seine Bank auto­risiert die Zahlung und gibt dem Händler eine Zahlungs­garantie. Dieser verschickt darauf­hin die Ware sofort. Das Geld geht direkt vom Giro­konto ab. Zahlungen mit Paydirekt stehen auf dem Konto­auszug.

Millionen-Potenzial in Deutsch­land

50 Millionen Online-Giro­konten bei Banken und Sparkassen können für das neue Bezahl­verfahren frei­geschaltet werden. Auch Commerz­bank, Deutsche Bank, Post­bank, Santander Bank, Targo­bank und rund 950 Volks- und Raiff­eisen­banken machen mit. Die Sparkassen haben sich erst spät dazu entschieden. Erst im Früh­jahr – voraus­sicht­lich im April 2016 – soll es einen breiten Anschluss geben.

Sparkassen setzten bislang auf Giropay

Bis Redak­tions­schluss Ende Januar hatte noch keine Sparkasse das neue Bezahl­system frei­geschaltet – womöglich, weil die Institute bisher auf ein anderes Verfahren gesetzt haben: auf Giropay. Auch für Giropay benötigt ein Kunde ein zum Online­banking frei­geschaltetes Giro­konto bei einem teilnehmenden Institut. Zum Bezahlen wird er auf das Online­banking-Portal seiner Bank oder Sparkasse umge­leitet und gibt wie üblich seine Konto­zugangs­daten ein. Die Über­weisung bestätigt er mit einer Trans­aktions­nummer (Tan). Giropay hat aber inzwischen weniger Umsatz­anteil im Online­handel als Amazon Payments (Die häufigsten Online-Bezahlverfahren).

[Update 13.04.2016] Bis Ende April sollen alle Sparkassen an das neue Bezahl­verfahren Paydirekt ange­schlossen sein. [Ende Update]

Noch machen erst 22 Onlineshops mit

Bislang sind bei Paydirekt noch sehr wenige Händler angebunden. Die Liste auf der Internetseite nennt Ende Januar 22 Onlineshops. Darunter ist als namhafter und umsatz­starker Händler nur Alternate, einer der größten Versandhändler für Hard­ware, Software, Heim- und Unterhaltungs­elektronik. Wir haben bei den 30 Onlinehänd­lern nachgefragt, deren Bezahl­verfahren wir im Dezember 2015 untersucht haben (Test Online bezahlen, Finanztest 12/2015). Bis auf Alternate kann man in keinem dieser Shops mit Paydirekt bezahlen und keiner plant die Einführung. Begründung: fehlende Akzeptanz und Verbreitung beim Kunden.

Verhand­lungen mit dem Metro-Konzern

Paydirekt-Geschäfts­führer Niklas Bartelt bekennt: „Die Einführung von Paydirekt ist kein reiner Spaziergang.“ Er sei sich aber sicher, dass es im Laufe des Jahres deutlich mehr Händler geben werde, die das neue Bezahl­verfahren anbieten. Derzeit laufen Verhand­lungen mit dem Metro-Konzern und vielen weiteren Händ­lern.

Strenger deutscher Daten­schutz

Mit Paydirekt lässt sich nur in Euro bei Händ­lern in Deutsch­land zahlen, nicht aber bei ausländischen Firmen. Das ist bei Paypal anders: Welt­weit nutzen 179 Millionen Kunden den Bezahl­dienst, den 7 Millionen Händler anbieten. Anders als bei Paypal aus den USA steht bei Paydirekt die gesamte Infrastruktur des Bezahl­systems in Deutsch­land. Die Bank­daten der Paydirekt-Kunden werden nur im Inland gespeichert und unterliegen den strengen deutschen Daten­schutz­gesetzen. Zwischen Bank und Händler sind weder Dritt­anbieter noch Verrechnungs­konto geschaltet. Das sind die Haupt­argumente, mit denen Paydirekt auch Menschen erreichen will, die sich bei anderen Bezahl­systemen unwohl gefühlt haben oder denen Onlinezah­lungen bisher zu unsicher waren.

30 Tage Zeit zum Reklamieren

Sollte der Händler die Ware einmal nicht liefern, soll der Käufer­schutz greifen: Der Kunde kann inner­halb von 30 Kalender­tagen ab Konto­belastung seine Bestellung über sein Paydirekt-Profil reklamieren. Der Händler ist verpflichtet, gegen­über Paydirekt einen Liefer­nach­weis zu erbringen. Kann er das nicht, wird der Betrag der nicht erhaltenen Ware erstattet. Im Gegen­zug hat der Händler immer die Gewiss­heit, dass beim Kunden genug Geld auf dem Konto ist – sonst löst die Bank die Zahlung gar nicht aus.

Auch als App für Android und iOS

Paydirekt gibt es auch als Smartphone-App für die Betriebs­systeme Android und iOS. Man kann damit alle Trans­aktionen in Echt­zeit einsehen und kontrollieren. Bezahlen geht mit der App bisher nicht – mit der App von Paypal schon.

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