Olivenöl im Test

So erkennen Sie ein gutes Olivenöl

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Olivenöl im Test - Das leckerste Olivenöl kommt aus Bari
Olivenöl verkosten. Aromatisch und ausdrucks­stark? Auch bitter und scharf? Dem Charakter von Olivenöl auf die Spur zu kommen, macht Spaß! © Stiftung Warentest / Ralph Kaiser

Geruch und Geschmack sowie Preis und Etikett liefern Hinweise auf die Qualität. Hier lesen Sie, worauf zu achten ist und wie Sie Olivenöl verkosten.

Olivenöl im Test Testergebnisse für 19 Olivenöle

Was Etikett und Preis aussagen

Eins vorweg: Ob ein natives Olivenöl extra mit einem minderwertigen Öl oder mit Öl anderer Ölsorten verfälscht wurde, können nur Labore aufdecken. Auch kritische Schad­stoff­belastungen sind für Verbrauche­rinnen und Verbraucher nicht erkenn­bar. Doch wer Nase und Gaumen schult, kann geschmack­lich gute Öle von schlechten unterscheiden und Vorlieben entdecken.

Nützliches Etikett. Einige Angaben, etwa zur Güteklasse, sind verpflichtend. Kein Muss, aber interes­sant ist das Ernte­jahr der verarbeiteten Oliven. So haben frische Öle eine stärkere Bitter­keit und Schärfe. Ebenfalls freiwil­lig sind Details zur Ernte – zum Beispiel welche Olivensorten verwendet wurden, ob hand­gepflückt wurde oder das Öl gefiltert ist. All das kann die Qualität beein­flussen. Ungefilterte Öle etwa sind nur kurz halt­bar.

Teurer Top-Geschmack. Wer besondere Noten von frischem Olivenöl sucht, sollte etwas mehr Geld ausgeben. In unseren Tests seit 2016 haben wir 132 Olivenöle geprüft. 13 davon waren sensorisch sehr gut: Das güns­tigste kostete 16 Euro pro Liter, im Schnitt waren es mehr als 30 Euro. Aber: Ein hoher Preis ist nicht immer ein Garant für gute Qualität.

So verkosten Sie Olivenöl selbst

Aromatisch und ausdrucks­stark? Auch bitter und scharf? Oder etwa ranzig? Dem Geruch und Geschmack von Olivenöl auf die Spur zu kommen, macht Spaß! Hier lesen Sie, wie Sie am besten vorgehen, wenn Sie Olivenöl selbst verkosten möchten.

Verkosten in drei Schritten

Laden Sie doch Freunde ein und lassen jeden ein Öl mitbringen. Vergleichen Sie am besten verschiedene Öle – zum Beispiel solche aus nur einem Land mit preis­werten Mischungen.

1. Abdecken und erwärmen

Olivenöl im Test - Das leckerste Olivenöl kommt aus Bari
Erwärmen. Vier Esslöffel Öl in einem sich nach oben verengendem Glas mit Deckel in der warmen Hand schwenken. © Stiftung Warentest

Profis verkosten Olivenöl aus farbigen Gläsern, damit die Farbe des Öls sie nicht in ihrem Urteil beein­flusst – die Farbe sagt nichts über die Qualität des Öls aus. Für den Test zu Hause tun es auch Grappa- oder Weingläser. Das Glas vor dem Probieren abdecken und mit den Händen erwärmen. Flüchtige Aroma­komponenten sammeln sich oben im Glas.

2. Erst riechen

Olivenöl im Test - Das leckerste Olivenöl kommt aus Bari
Schnupper­probe. Deckel ab, Glas zur Nase führen, den Geruch tief einziehen und versuchen, die Aromen zu charakterisieren. © Stiftung Warentest

Wie intensiv riecht es und wonach? Bei der Geruchs­probe geht es um die Fruchtig­keit. Je nach Olivensorte und Ernte­zeit duftet Olivenöl grün-fruchtig oder süßlich-reif. Ein gutes Olivenöl sollte möglichst intensiv und harmo­nisch riechen.

3. Dann schme­cken

Olivenöl im Test - Das leckerste Olivenöl kommt aus Bari
Geschmacks­probe. Öl in den Mund nehmen, Luft einziehen, alles „kauen“ und schlu­cken. Erst dann ist die Schärfe spür­bar. © Stiftung Warentest

Ganz wichtig: Bitter­keit und Schärfe sind bei Olivenöl keine Fehler, sondern Zeichen von Frische. Sie lassen mit der Lager­zeit nach. Die begleitenden Geschmacks­nuancen sind vielfältig in Art und Intensität, sie reichen von Arti­schocke oder grünem Apfel bis zu roten Beeren oder reifer Banane. Ein gutes Öl sollte ausgewogen sein, bittere oder scharfe Eindrücke sollten fruchtige Noten nicht über­lagern. Neutralisieren Sie beim Verkosten zwischen zwei Ölen Ihren Gaumen mit Wasser, Brot oder Apfel­schnitzen.

So verkosten die Profis Olivenöl

Fruchtig, bitter, scharf und frei von Fehlern in Geruch und Geschmack – nur so darf Olivenöl der höchsten Güteklasse nativ extra in den Handel. Das schreibt die EU-Olivenöl-Verordnung vor. Ob ein Öl dem entspricht, lässt sich nur mit einer speziellen sensorischen Prüfung fest­stellen.

Nur mit Ausbildung. Kein Gerät, keine chemische Analyse erledigt die Prüfung so exakt wie eine feine menschliche Nase. Wer Olivenöl nach EU-Vorgaben kontrolliert, braucht eine Extra-Ausbildung, viel Training und muss zu einem staatlich anerkannten Olivenöl-Panel gehören.

Regeln beim Verkosten. Mindestens acht Leute müssen für eine EU-Prüfung in einem Panel zusammen­arbeiten – das gilt auch für die sensorische Prüfung unseres Tests. Sie verkosten das auf 28 Grad Celsius – plus/minus zwei Grad – erwärmte Öl. Geprüft wird in einem blauen Glas, damit die Testenden durch die Farbe des Öls weder positiv noch negativ beein­flusst werden. Eine intensive Farbe zum Beispiel ist nicht gleich­zusetzen mit einem intensiven Geschmack.

Fest­gelegte Begriffe. Die Panel-Mitglieder beur­teilen die Öle mit fest­gelegten Begriffen. Fehler sind etwa: ranzig, lakig, wurm­stichig. Positive Attribute sind: fruchtig, bitter, scharf. Zusätzliche Beschreibungen wie „nach roten Beeren“ oder „nach grüner Mandel“ ergänzen das Bild.

Olivenöl im Test Testergebnisse für 19 Olivenöle

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452 Kommentare Diskutieren Sie mit

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TriathlonX am 21.10.2022 um 04:30 Uhr
Markenware?

Meine Erfahrung: je bekannter eine Marke ist, umso teurer ist das Öl, ohne dass es besser schmeckt. Als Endverbraucher kann ich natürlich keine chemische Prüfung vornehmen, aber bezogen auf die rein sensorische Prüfung lag ich mit meiner Einschätzung meistens richtig. Daher kommen mir die bekannten Marktführer nicht in den Einkaufswagen.

ka_ka am 15.10.2022 um 19:24 Uhr
Bio Planete berücksichtigen?

Würde mich freuen, wenn Bio Planete mehr berücksichtigt würde, weil das bei uns in mehreren Bio- und Supermärkten angeboten wird. Vielen Dank!

Profilbild Stiftung_Warentest am 12.10.2022 um 16:22 Uhr
Testsieger, Preise, Anzahl der Öle pro Test

@Olivenbauer: Vor der Veröffentlichung eines Tests recherchieren wir routinemäßig die aktuellen Preise. Wenn sich für eine sinnvolle Mittelwertberechnung nicht genug Verkaufsstätten finden, dann geben wir gelegentlich auch nur den von uns bezahlten Einkaufspreis an. So auch in diesem Falle. Für dieses Öl hatten wir tatsächlich im deutschen Handel 17,90 € pro 500-ml-Flasche bezahlt. Damit ist nicht gesagt, dass man das Öl nicht an anderer Stelle auch günstiger erstehen könnte, z.B. per Direktbestellung bei einem ausländischen Hersteller. (Auf der Hersteller-Seite haben wir dieses Öl heute zum Preis von 16 € pro Liter (8 € pro 500-ml-Flasche) gesehen.)
Mit 3 bis 5 Flaschen Olivenöl kämen wir bei unseren Tests definitiv nicht aus. Neben der Verkostung prüfen wir regelmäßig auf eine ganze Reihe von Qualitätsparametern und auch Schadstoffen. Hinzu kommen ergänzende Prüfungen mit besonderen spektroskopischen Methoden (NMR, NIR). Einige dieser Prüfungen sollten möglichst aus einer frisch geöffneten Flasche durchgeführt werden, einige davon finden unterschiedlichen Laboren statt. Weitere Flaschen behalten wir als Reserve in der Hinterhand, falls auffällige Befunde nochmals Absicherungsprüfungen erforderlich machen.

Olivenbauer am 12.10.2022 um 14:57 Uhr
Testsieger

Mir ist schleierhaft wo sie ihr Öl kaufen. Ein Liter des Siegeröls von Schiralli kostet dort so um die 11 € im Onlineshop.Gut, kommt noch Fracht dazu. Aber in Deutschland können nicht sehr viele Ölliebhaber sein weil es noch genügend davon gibt.
Warum kaufen Sie so viele Flaschen für den Test. Jeder Test weltweit kommt mit 3 -5 Flaschen eines Öles aus.

Profilbild Stiftung_Warentest am 10.10.2022 um 12:55 Uhr
Download 2020 und 2021

@maschintest: Die entsprechenden Veröffentlichungen stehen hinter der Bezahlschranke des aktuellen Olivenöltests zum Download bereit.