Olivenöl im Test

So haben wir getestet

Olivenöl im Test Testergebnisse für 27 Native Olivenöle extra 11/2021

Inhalt

Im Test: 27 Olivenöle mit deklarierter Güteklasse „nativ extra“– 9 Öle kommen laut Etikett jeweils aus nur einem Land, 18 sind Mischungen aus verschiedenen Ländern. 12 Öle tragen ein Biosiegel. Wir wählten häufig verkaufte Produkte sowie einige aus dem Fein­kost­handel aus, eines davon (Selezione Gustini) hat die Zeit­schrift „Der Fein­schmecker“ prämiert. Wir kauf­ten die Öle im April und Mai 2021 ein. Die Preise ermittelten wir durch Befragen der Anbieter im August und September 2021.

Sensorische Qualität: 60 %

Eine spezialisierte Verkostergruppe (Panel) führte für uns die sensorische Prüfung durch: ein Panel, das beim Interna­tionalen Olivenrat akkreditiert ist. Es prüfte nach der EU-Olivenölverordnung. Sie schreibt unter anderem gefärbte Verkostungs­gläser vor, die Anonymisierung der Proben, Anzahl und Schulung der Verkoster, Prüfkriterien und Auswertung der Ergeb­nisse.

Zusätzlich charakterisierte die Prüfergruppe den Gesamt­eindruck: Welche positiven Ausprägungen hat das Öl, wie nach­haltig sind die sensorischen Eindrücke, wie ausgewogen sind alle Eindrücke im Zusammen­spiel? Auffällige oder fehler­hafte Öle ließen wir von zwei weiteren akkreditierten Panels testen. Ein Öl, das nach den Beschreibungen mindestens zweier Panels fehler­haft war, bewerteten wir mit Mangelhaft.

Chemische Qualität: 10 %

Die Oliven­ölver­ordnung legt für viele chemische Para­meter Grenz­werte fest. Sie dienen der Identitäts- und Qualitäts­kontrolle und helfen, minderwertige und verfälschte Öle zu erkennen. So bestimmten wir entsprechend der Oliven­ölver­ordnung den Gehalt an freien Fett­säuren und berechneten daraus die Säurezahl.

Wir bestimmten die Per­oxidzahl, die Extinktion bei 232 und bei 270 nm, den Wachs­gehalt, die Fett­säure­methylester und -ethylester sowie die Sterine.

Folgende Methoden gemäß den Verfahren der Deutschen Gesell­schaft für Fett­wissenschaft (DGF) setzten wir ein:

  • Fett­säure­zusammenset­zung: gemäß Methode C-VI 10/11d.
  • Triglycer­inspektrum: nach Methode C-VI 14.
  • Steradiene: nach Methode C-VI 8b,.
  • Isomere Diglycerine: mittels Methode C-VI 16.
  • Poly­merisierte Triglycerine: mit Methode C III-3d.
  • Pyropheophytine: gemäß Methode C-VI 15
  • Anisidinzahl: gemäß Methode C-VI 6e. Sie fließt in die Berechnung der Totox-Zahl ein, mit die Frische des Öls einge­schätzt werden kann.

Schad­stoffe: 10 %

Wir untersuchten die Olivenöle auf Pestizide, Restlöse­mittel, poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK), Weichmacher, Schwer­metalle, Arsen sowie Mineral­ölkohlen­wasser­stoffe (Mosh und Moah).

Folgende Methoden setzten wir ein:

  • Pestizide:mittels Methode L 00.00–34 der ASU.
  • Restlöse­mittel: in Anlehnung an Methode L 13.00–14 der ASU.
  • Poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK): per LC-LC-GC-MS/MS.
  • Weichmacher: per LC-MS/MS.
  • Eisen, Kupfer und Nickel: in Anlehnung an Methode Din EN 15763.
  • Arsen, Blei und Kadmium: nach Methode Din EN 15763.
  • Mineral­ölkohlen­wasser­stoffe (Mosh und mosh-ähnliche Substanzen sowie Moah): in Anlehnung an Methode Din EN 16995 mittels online gekoppelter LC-GC/FID.

Nutzungs­freundlich­keit der Verpackung: 5 %

Wir prüften, ob die Verpackungen einen Schutz vor Licht bieten, Recycling­hinweise tragen und ob sie eine Originalitäts­sicherung aufweisen. Drei Experten testeten, ob sich die Produkte problemlos öffnen lassen, gut und sauber zu dosieren sind und ob sich die Behält­nisse wieder dicht verschließen lassen.

Deklaration: 15 %

Wir begut­achteten auf Basis lebens­mittel­recht­licher Vorschriften – insbesondere der Oliven­ölver­ordnung –, ob die deklarierten Angaben voll­ständig und richtig sind. Wir bewerteten Lagerungs­hinweise, Nähr­wert­kenn­zeichnung, Geschmacks­beschreibungen, Verwendungs­empfehlungen sowie Werbeaussagen.

Drei Experten prüften zudem Leserlich­keit und Über­sicht­lich­keit der Angaben.

Bei den 9 Ölen, die nur ein Herkunfts­land angeben, prüften wir die Richtig­keit der Angabe per Kernresonanz­spektroskopie und per Nahinfrarotspektroskopie. Kein Öl war auffällig. Die Herkunft von Ölmischungen aus mehreren Ländern ist im Labor nicht über­prüf­bar.

Olivenöl im Test Testergebnisse für 27 Native Olivenöle extra 11/2021

Abwertungen

Abwertungen bewirken, dass sich Produktmängel verstärkt auf das test-Qualitäts­urteil auswirken. Sie sind in der Tabelle mit einem *) gekenn­zeichnet. Folgende Abwertungen haben wir einge­setzt: Bei sensorischen Fehlern bewerteten wir die sensorische Qualität und das test-Qualitäts­urteil mit Mangelhaft. Lautete das Schad­stoff­urteil Ausreichend, konnte das Gesamt­urteil nur eine halbe Note besser sein. Hieß die Schad­stoff-Note Mangelhaft, konnte das test-Qualitäts­urteil nicht besser sein.

Olivenöl im Test Testergebnisse für 27 Native Olivenöle extra 11/2021

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439 Kommentare Diskutieren Sie mit

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JuEnLeMu am 28.04.2022 um 20:42 Uhr
TEST OLIVENÖL

Grundsätzlich finde ich die Tests die sowohl von Stiftung Warentest und von Ökotest durchgeführt werden gut. Im Fall des Olivenöltest aber schwierig für den Verbraucher. Denn bei so unterschiedlichen Ergebnissen ist die Verunsicherung groß und trägt auf keinen Fall zur Aufklärung bei. Ich habe den Kommentar von Stiftung Warentest gelesen und stimme dem zu. Ökotest schürt mit diesem Test wieder nur Ängste und Angst war noch nie ein guter Berater.

Profilbild Stiftung_Warentest am 26.04.2022 um 16:32 Uhr
Test vs. Ökotest

@andy69: Bei unserer Bewertung der Mineralölrückstände haben wir den sog. Orientierungswert für pflanzliche Öle herangezogen. Dieser Wert beträgt derzeit 13 mg/kg und basiert auf einer statistischen Auswertung von Analysedaten durch Lebensmittelüberwachung und -wirtschaft. Er ist kein gesetzlicher Grenzwert. Wird er überschritten, sollte der Anbieter Maßnahmen ergreifen, um die Belastung zu verringern.
Schöner wäre es sicherlich gewesen, wenn wir unsere Bewertung wie auch sonst auf toxikologische Daten hätten stützen können. Leider liegen hierzu bisher keine Daten vor wie z.B. eine tolerierbare Tageszufuhr (TDI). Es kann also derzeit niemand genau sagen, ab welcher Dosis eine schädliche Wirkung zu befürchten ist. Auch ob eine Schadwirkung überhaupt eintritt, ist noch umstritten. Für uns genügt jedoch der Umstand der Anreicherung im Körper, um diese Substanzen kritisch zu bewerten. Von den 27 getesteten Olivenölen hatten im letzten Test 4 Öle diesen Orientierungswert überschritten.
Öko-Test legte seiner Beurteilung einen deutlich strengeren Maßstab zugrunde als diesen Orientierungswert. Dadurch lassen sich die meisten Bewertungs-Unterschiede erklären. Wie dieser strengere Wert hergeleitet wurde, ist uns nicht bekannt.
Konsens ist, dass möglichst wenig und am besten gar keine Mineralölrückstande enthalten sein sollten. Konsens ist auch, dass ein toxikologisch "wahrer Wert" derzeit einfach nicht abgeleitet werden kann. Man steht also vor einem Dilemma: Nimmt man einen eher hohen Wert zur Beurteilung, dann kann man sich dem Vorwurf der Verharmlosung ausgesetzt sehen. Nimmt man einen eher niedrigen Wert, dann riskiert man die kritische Rückfrage, ob es angemessen ist, bei einer Stoffgruppe mit unklarer Schadwirkung so strenge Maßstäbe zu setzen, dass erwartbar der Großteil der Öle durchfällt. Letztlich erwarten die Leserinnen und Leser von einer Testveröffentlichung, dass sie dabei hilft, die gefühlten Risiken von den tatsächlichen besser zu unterscheiden. Solange es keine eindeutigen toxikologischen Daten dazu gibt, bleibt das im Falle der Mineralöl-Rückstände leider schwierig.

andy69 am 22.04.2022 um 17:05 Uhr
Test vs. Ökotest

Weshalb haben Sie viele gute Olivenöle gefunden, während Ökotest in Ihrer neuesten Ausgabe durchweg Mineralölbestandteile in den Ölen gefunden hat? z.B. Bertolli Öl. Das haben Sie gut getestet und Ökotest mangelhaft. Wie kann das sein. Das werde ich natürlich auch Ökotest fragen. Danke für Ihre Antwort

Profilbild Stiftung_Warentest am 10.01.2022 um 15:31 Uhr
Singvögleschutz

@boerge: Wir haben im aktuellen Testbericht über den Vogelschutz bei der Olivenölernte berichtet. Laut der Organisation zum Schutz von Vögeln der „Birdlife International“ einem Netzwerk nationaler Partnerorganisationen waren die Vögel in den Ernten von Herbst 2020 bis Frühjahr 2021 nicht mehr bedroht. So haben z.B. Spanien und Portugal die Nachternte inzwischen verboten.

boerge am 09.01.2022 um 13:00 Uhr
Olivenöl Vogelschutz

Liebes Team der Stiftung Warentest,
vielen Dank, dass Sie immer wieder Olivenöl testen. Ich würde mir wünschen, dass in Zukunft auch das Thema Vogelschutz bei der Olivenernte berücksichtigt wird. Über die großen Probleme in diesem Punkt sollten die Verbraucher:innen von Ihnen informiert werden.
Danke und viele Grüße