Olaf-Triebenstein-Preis Meldung

Vorstand Dr. Werner Brinkmann überreicht Dr. Markus Scholand die Urkunde

Vorstand Dr. Werner Brinkmann überreicht Dr. Markus Scholand die Urkunde

Der mit 5 000 Euro dotierte Olaf-Triebenstein-Förderpreis der Stiftung Warentest ist am Montag an einen Finanzwissenschaftler verliehen worden. Ausgezeichnet wurde Dr. Markus Scholand für seine Dissertation mit dem Titel „Triple Bottom Line Investing and Behavioral Finance“. „Scholand hat einen hochinteressanten Ansatz entwickelt, das Kundenverhalten bei Finanzdienstleistungen besser zu erforschen“, würdigte Geschäftsleitungsmitglied Hubertus Primus die Arbeit des 39-Jährigen aus dem nordrhein-westfälischen Meschede.

Anlagen für Rendite und Umweltschutz

Der Banker der Westdeutschen Landesbank und ehemalige Mitarbeiter der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) beschäftigt sich in seiner Dissertation mit nachhaltigen Geldanlagen: Investments, die neben der Rendite auch Gewinne in Sachen Umweltschutz und sozialen Aspekten versprechen. Diese Anlageform ist in Deutschland bislang ein Nischenprodukt, verzeichnet aber zweistellige Wachstumsraten.

Scholand befragte 459 Kunden: Was bewegt sie, nachhaltig zu investieren? Woher beziehen sie ihre Informationen und wie bewerten sie diese? Welche Merkmale sind ihnen wichtig? Für seine Befragung bediente sich der Finanzwissenschaftler auch Methoden der Soziologie und der Psychologie. Zudem befragte er 59 Anbieter: Nach welchen Kriterien gestalten sie ihre Produkte?

Kunden wollen bessere Beratung

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Hubertus Primus (rechts) mit dem Preisträger

Hubertus Primus (rechts) mit dem Preisträger

„Scholands Befragung bringt hochinteressante Ergebnisse zutage“, sagte Primus. Der Wissenschaftler habe bei den Anlegern Verhaltensphänomene festgestellt, die den Finanzdienstleistern überhaupt nicht bewusst seien. So stünde bei der Mehrheit der Kunden auch bei nachhaltigen Anlagen die Rendite im Vordergrund. Nur ein Drittel setze die Prioritäten beim Umweltbeitrag.

Interessant sei zudem, dass Anleger durchaus bereit seien, für eine qualifizierte Beratungsleistung Honorare zu zahlen. „Das widerspricht der Tendenz von Anbietern, Provisionen und Kosten einer Geldanlage eher zu verstecken“, so Primus.

Nachhaltigkeit als Testkriterium

Primus hob hervor, dass Scholands Schlussfolgerungen mit einer Grundforderung der Stiftung Warentest überein stimmten: Finanzdienstleister sollten ihre Produkte stärker als bisher an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren.

Der interdisziplinäre Ansatz von Scholands Untersuchung könne zudem zur Erforschung des Kundenverhaltens bei weiteren Finanzdienstleistungen herangezogen werden. Das Thema Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung von Unternehmen sei außerdem ein Prüfgegenstand der Stiftung Warentest, den man in Zukunft noch stärker ausbauen wolle.

Kundenorientierung nutzt beiden Seiten

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Scholand: „Kundenorientierung ist oft nur ein Lippenbekenntnis.“

Scholand: „Kundenorientierung ist oft nur ein Lippenbekenntnis.“

Der Preisträger selbst äußerte in seiner Dankesrede die Hoffnung, dass seine Arbeit ihren Beitrag dazu leisten werde, dass Kundenorientierung von Unternehmen kein „Lippenbekenntnis“ bleibe. Scholand glaubt, dass seine Arbeit beiden Seiten Nutzen bringt: Einerseits könnten die Unternehmer dank besserer Informationen besser auf ihre Kunden zugehen. Und auch die Konsumenten könnten ihre eigenen Entscheidungen besser beurteilen.

Der Olaf-Triebenstein-Preis wird alle zwei Jahre verliehen und prämiert wissenschaftliche Arbeiten, die die Tätigkeit der Stiftung Warentest auf innovative Weise fördern. Das Thema des diesjährigen Olaf-Triebenstein-Preises lautete: „Wie informieren sich Verbraucher vor Kaufentscheidungen?“

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