Ohrstöpsel Test

Vor Lärm schützen alle gut, wie der Test zeigt. Ohrstöpsel sollten aber individuell ausgewählt werden: zum Heimwerken, bei Straßenlärm, beim Musikhören und -spielen.

Das Ohr ist ein Sinnesorgan, das nie abschalten kann. Immer empfängt es Signale, auch im Schlaf. Ein gutes Paar Ohrstöpsel dämmt die akustische Wahrnehmung der Umwelt und holt das ersehnte Stück Stille zurück, das im Alltag immer mehr verloren geht. Es reduziert Lärm auf ein erträgliches Maß und schützt vor Hörschäden. Sei es im Verkehr, im Rockkonzert oder beim Schlafen.

Wie störend Lärm wirkt, hängt vom Schallpegel und von der Psyche ab: Manch einen reizt schon das Ticken der Uhr. Andere reagieren erst dann allergisch, wenn vor der Wohnung Bulldozer die Straße aufreißen. Die Lärmbelastung wird in Dezibel (dB), der Maßeinheit für Schalldruckpegel, angegeben. Zu viel Lärm greift die Gesundheit an: Der Stress und auch das Herzinfarktrisiko steigen. Geräusche über 85 Dezibel, wie sie etwa polternde LKWs erzeugen, schädigen bei langer Einwirkung das Hörvermögen. Und sind Hörzellen einmal zerstört, können sie nicht erneuert werden. Der Schaden bleibt.

Akustische Umwelt­verschmutzung

Ohrstöpsel Test

Alle lauten Geräusche, die außerhalb der Arbeit auf uns einprasseln, werden als „Freizeitlärm“ bezeichnet. Da er ständig zunimmt, sprechen Wissenschaftler bereits von „akustischer Umweltverschmutzung“. Während bei der Arbeit ab 80 Dezibel Gehörschutz bereitgestellt werden muss, fehlt es im privaten Bereich an Schutzmaßnahmen gegen den Krach. Und oft fehlt das Bewusstsein dafür, sich selbst zu schützen. Dabei stehen Ohr­stöpsel in vielen Materialien, Formen und peppigen Farben zur Verfügung. Wattebauschige Wachskugeln, weiche Polymerschaum-Kegel, zuschneidbare Lamellentypen – der Kunde hat die Qual der Wahl.

Auf der Suche nach dem geeigneten Ohrstöpsel kommt es vor allem auf den Einsatzzweck an: Sollen es universelle wie Ohropax sein, die den Alltagslärm stoppen? Oder spezielle zum Musikspielen in der Rockband? Oder aber für den Schlaf, das Heimwerken, Motorradfahren? Für diese verschiedenen Anwendungen haben wir 17 Ohrstöpsel beurteilt – außerdem maßge­fertigte Otoplastiken vom Hörgeräteakustiker (siehe „Individueller Hörschutz“).

Halbierte Lautstärke

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Verkehr gilt als die größte Lärmbelastung in der Freizeit.

Eins haben alle untersuchten Stöpsel gemeinsam: Sie halten die vorgeschriebene Mindestschalldämmung ein. Sie senken Lärm um mindestens zehn Dezibel, was etwa einer Halbierung der Lautstärke entspricht. Jedoch eignen sich nicht alle Produkte gleich gut für alle Freizeitanwendungen. Heimwerker beispielsweise sind besonders schrillen Tönen ausgesetzt, wenn sie mit elektrischen Geräten schleifen und sägen. Sie brauchen deshalb Stöpsel mit einer starken Dämmwirkung bei hohen Frequenzen. Der Test zeigt: Dafür gibt es eine Menge „gute“, so zum Beispiel Hansaplast Lärm-Stop, 3M 1100 DS oder Bilsom 303. Ein Nachteil: Die Stöpsel verschließen das Ohr ganz. Der Heimwerker ist wie isoliert und hört eventuell kein Klingeln an der Tür mehr.

Beim Musikspielen gesellen sich zu hohen auch tiefe Frequenzen. Gerade bei Rockmusik kommen sie gleich häufig vor. Generell empfiehlt sich für Musiker eine gleichmä­ßige Schalldämmung. Damit Klänge und Band noch gut hörbar sind, sollte die Dämmung nicht zu stark sein. Nicht nur die auf Musik spezialisierten Alpine MusicSafe und EAR Ultratech Hifi haben sich hier als „gut“ bewiesen. Auch Alpine MotoSafe, UniFit und earPlanes können verwendet werden und schützen ebenso Diskogänger gut vor harten Beats.

Der Verkehr, größte Lärmquelle in der Freizeit, erzeugt vor allem tiefe Frequenzen. Jeder kennt das Motorbrummen von vorbeifahrenden Autos. Geplagte Anwohner können mit gut dämmenden Stöpseln für tiefe Frequenzen Ruhe finden, zum Beispiel mit Ohropax Classic. Schwieriger ist es mit Empfehlungen für Motorradfahrer. Auch sie setzen sich bei hoher Geschwindigkeit und viel Wind großer Lautstärke aus. Experten sind sich uneinig, ob Ohrstöpsel im Straßenverkehr überhaupt zulässig sind. Wer sie dennoch tragen will, sollte sich bewusst sein, dass er Warnsignale erst später hört. Und nur Modelle wählen, die gleichmäßig dämmen, also hohe Frequenzen noch durchlassen.

Tragekomfort beim Schlafen

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Musiker: Besser mit Ohrschutz.

Leiser geht es in der Nacht zu. Beim Schlafen müssen Stöpsel vor allem bequem sein. Doch auch im Bett zählt die Lärmdämmung – Schnarcher können es immerhin auf mehr als 80 Dezibel bringen. Das speziell für den Schlaf angebotene SleepSoft von Alpine erwies sich beim Schlaftest als mittelmäßig komfortabel. Die Ohropax Classic und Mack's Earplugs schnitten dabei besser ab. Da jeder Mensch Komfort unterschiedlich empfindet, kann hier nur Ausprobieren weiterhelfen: Während für manche Schnarchgeplagte die Wachs- und Silikonkugeln genau richtig sind, können sie bei anderen ein Gefühl von Abgeschiedenheit auslösen. Besonders Anfänger müssen sich daran erst gewöhnen.

Zurück zur Stille – das muss nicht viel kosten. Ein gutes Paar Ohrstöpsel für einmalige Verwendung gibt es für unter 50 Cent. Teuer und länger verwendbar sind dagegen MotoSafe, Music­Safe und UniFit von Alpine für je 25 Euro. Diese drei fallen aber nicht nur durch den Preis aus dem Rahmen: Sie stecken in viel zu großen Packungen und werden für Motorradfahrer, Musiker und zum Schlafen unterschiedlich vermarktet. Sie ähneln sich aber auffallend.

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