Lärmschwerhörigkeit: Taube Generation

Diskos und mobile Musikgeräte brauchen Lautstärkelimits.

Jeder kennt das Rauschen in den Ohren nach einer durchtanzten Nacht: Vier Stunden Disko mit Lautstärken bis zu 120 Dezibel entsprechen einer Woche Lärmarbeit ohne Hörschutz. Das Rauschen ist ein Warnsignal. Wer sich regelmäßig und ohne Ohrstöpsel extrem lauter Musik aussetzt, geht leichtfertig mit seinem Hörvermögen um. Schon heute leidet fast jeder vierte Jugendliche an Hörverlust. Bei gleichen Hör­ge­wohnheiten sagt die Bundesärzte­kam­mer für die Zukunft einen Hörverlust von zehn Dezibel für etwa zehn Prozent der jungen Generation voraus. Noch kann in Diskos hierzulande die Musik voll aufgedreht werden, doch bis Ende 2006 erwartet die Bundesregie­rung freiwillige Selbstverpflich­tungen der Betreiber. Wenn das nicht gelingt, soll ein Gesetz her. Schon lange setzen sich die Gesundheitsminister der Länder für Musik unter 100 Dezibel ein. Viele Diskobetreiber befürchten Besucherrückgänge, weil die Zielgruppe niedrige Pegel uncool finden könnte. Aktuelle Studien der Medizinischen Universität Innsbruck belegen jedoch, dass rund 85 Prozent der jungen Besucher bei niedrigeren Lautstärken genauso oft wie bisher in die Disko gehen würden.

Konsequent wäre ebenso eine Lautstärkebegrenzung für mobile Musikspieler mit Kopfhörern. Da in Frankreich bereits ein solches Gesetz existiert, gelangen Geräte wie Apples iPod schon jetzt nur mit Lautstärkebe­gren­zung (100 Dezibel) in die EU. Über Programme aus dem Internet kann dieses Limit aber aufgehoben werden.

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