Offerte am Fahrkartenautomat Meldung

Wenns um Prozente geht, steht die Bahn eigentlich auf runde Zahlen. Bahncards für 25, 50 und 100 Prozent Rabatt gibts am Schalter. Am Fahrkartenautomat gibts derzeit 8,15 Prozent. Allerdings nicht für Bahnfahrer, sondern für Geldanleger. Die Bahn hat mit dem Angebot direkt nichts zu tun. Sie stellt nur die Werbefläche zur Verfügung. Das 8,15 Prozent-Angebot kommt von der European Energy Consult Holding AG (EECH) aus Hamburg und wendet sich an Geldanleger, die mindestens 5 000 Euro für fünf Jahre entbehren können. Der Zinssatz ist Spitze. Der Haken an der Sache: Ob Anleger ihr Geld tatsächlich zurückbekommen, ist offen.

Hoher Zins, hohes Risiko

Finanztechnisch korrekt nennt sich das Angebot Ausgabe einer Inhaber-Teilschuldverschreibung. Gebräuchlich ist die Bezeichnung Unternehmensanleihe. Mit anderen Worten: Die Anleger stellen einem Unternehmen für eine bestimmte Zeit Geld zur Verfügung. Dafür zahlt das Unternehmen Zinsen. Am Ende der Laufzeit erhalten die Kreditgeber ihr Geld zurück. Damit sich genügend Anleger finden, müssen Unternehmen attraktive Zinssätze anbieten. Dabei gilt die Faustregel: Je höher die Zinsen, um so größer die Risiken. Klar ist: Wenn ein Unternehmen sich das benötigte Geld bei anderen Kreditgebern günstiger besorgen könnte, würde es keine Anleihe auflegen.

Totalverlust möglich

Die größte Gefahr für Anleger ist das Insolvenzrisiko: Wenn das Unternehmen in Schwierigkeiten gerät, ist das geliehende Geld in Gefahr. Fehlt bei Fälligkeit der Rückzahlung das nötige Geld, müssen die Manager Insolvenz anmelden. Für die Anleger ist dann zumindest ein großer Teil ihres Geld verloren. Immerhin: Die European Energy Consult Holding AG spielt mit offenen Karten. Das Geld werde als „temporäres Expansionskapital“ gebraucht, erfahren die Anleger. Das klingt schon nach Risiko und die Gefahr der Insolvenz wird weiter hinten im Prospekt auch noch einmal ausführlich erläutert.

Investition in Windkraftfinanzierung

Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, können selbst Fachleute kaum beurteilen. Anleihen über insgesamt fünf Millionen Euro will die EECH unters Volk bringen. Das Geld will das Unternehmen einsetzen, um Geschäfte mit Windkraftanlagen in Frankreich anzukurbeln. In Deutschland hat die EECH nach eigenen Angaben gute Geschäfte gemacht: Fürs vergangene Jahr weist die Bilanz Umsatzerlöse von 6,2 Millionen Euro und einen Gewinn von 680 000 Euro aus. Die 50 Mitarbeiter des Unternehmens konzipieren, finanzieren und vermarkten Kapitalanlageprodukte rund um die erneuerbaren Energien. Allein in den Jahren 2001 und 2002 habe die EECH im Windkraftbereich ein Fondsvolumen von rund 143 Millionen Euro realisiert, heißt es im Prospekt zur Anleihe.

Finanzaufsicht ohne Befugnisse

Was davon zu halten ist und ob die EECH-Geschäfte mit der Finanzierung von Windenergie in Frankreich Aussicht auf Erfolg haben, lässt sich kaum zuverlässig beurteilen. Auf jeden Fall zu beachten: Die EECH selbst betreibt keine Windkraftanlagen. Das Unternehmen lebt von Dienstleistungsangeboten und dem Know-how bei der Finanzierung solcher Anlagen. Mit anderen Worten: Selbst wenn die Windenergie in Frankreich tatsächlich boomt, führt das nicht automatisch zum Erfolg des Hamburger Unternehmens. Auch die Finanzaufsicht kann Anlegern mit Sicherheitsbedenken nicht weiterhelfen: Die Ausgabe einer Anleihe und die damit verbundenen Risiken kontrolliert sie nicht. Zumindest einer der Beteiligten profitiert allerdings auf jeden Fall von der EECH-Anleihe: die Bahn AG. Die Gebühren für die Werbung auf den Bildschirmen der Fahrkartenautomaten kassiert sie völlig unabhängig von den Windverhältnissen an der französischen Atlantikküste.

Dieser Artikel ist hilfreich. 186 Nutzer finden das hilfreich.

Mehr im Internet