Offene Immobilienfonds Meldung

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Es hat nicht geklappt: Obwohl das Fondsmanagement in letzter Minute noch eine Vertrauensoffensive gestartet hat, ist der offene Immobilienfonds SEB ImmoInvest nun am Ende. Fast zwei Milliarden Euro an flüssigen Mitteln haben nicht ausgereicht, alle Rückgabe­wünsche von Anlegern zu erfüllen. Nun bekommt erst einmal keiner etwas. Der Fonds wird bis April 2017 aufgelöst, das Geld nach und nach ausgezahlt. Es ist der größte offene Immobilienfonds, der bis jetzt aufgelöst wird.

Zu viele Rückgabewünsche brachten das Ende

SEB Asset Management war einen ungewöhnlichen Weg gegangen, um den Fonds vielleicht doch noch zu retten. Die Gesellschaft plante, den Fonds am 7. Mai für einen Tag zu öffnen und sammelte dafür die Rückgabewünsche der Anleger. Gleichzeitig appellierte sie an die Anleger, dem Fonds weiter die Treue zu halten. „Die einzige Chance eine Auflösung des Fonds mit all ihren Konsequenzen zu vermeiden besteht darin, vom Angebot, den Fonds zu verlassen, mehrheitlich keinen Gebrauch zu machen“, hatte die Vorstandsvorsitzende der SEB Asset Management, Barbara Knoflach gesagt. Es hat nichts genützt. Am Nachmittag des 7. Mai teilte SEB mit, dass der Fonds aufgelöst wird. Die aufgelaufenen Anteilsrückgaben haben die Liquidität des Fonds „deutlich überstiegen“, heißt es.

Fünf Jahre Zeit für das Management

Das Fondsmanagement muss die Immobilien des SEB ImmoInvest nun verkaufen und die Anleger auszahlen. Das soll bis zum 30. April 2017 über die Bühne sein. Die SEB lässt sich damit länger Zeit als die anderen offenen Immobilienfonds, die bisher abgewickelt werden – allerdings ist der SEB ImmoInvest mit seinen rund 6 Milliarden Euro Fondsvermögen auch der größte offene Immobilienfonds, der bislang aufgelöst wird. Immerhin 132 Immobilien muss die SEB verkaufen. Eine erste Auszahlung in Höhe von 20 Prozent des Fondsvermögens verspricht die SEB bereits im Juni 2012, weitere sollen halbjährlich folgen.

Verkauf über die Börse

Mit Bekanntgabe der Auflösung fiel an der Börse Hamburg der Kurs des SEB ImmoInvest. Kostete ein Fondsanteil dort im Laufe des Tages noch bis zu 37,85 Euro, war er nachmittags zeitweise nur noch rund 33,50 Euro wert. Das ist ein Abschlag von mehr als 30 Prozent gegenüber dem von der Fondsgesellschaft angegebenen Rücknahmepreis von 51,26 Euro. SEB hatte den Anteilspreis am 27. April um 5 Prozent gesenkt. Grund hierfür waren unter anderem Neubewertungen von Immobilien. Anleger, die ihr Geld dringend benötigen, können ihre Fondsanteile weiterhin an der Börse verkaufen. Das funktioniert auch bei Fonds in Abwicklung. Sie machen dabei allerdings einen Verlust. Ob es sich allerdings mehr lohnt, die Abwicklung mitzumachen, ist schwer zu sagen. Klar ist, dass es länger dauert, bis man über das Geld wieder verfügen kann. Doch die Auflösung eines Fonds muss nicht zwingend mit Verlusten einhergehen.

Tipp: Anleger, die von ihrer Bank eine sichere und immer verfügbare Geldanlage versprochen bekamen, haben eventuell die Chance auf Schadenersatz.

Auch für CS Euroreal läuft die Frist ab

Die Zukunft eines weiteren rund 6 Milliarden Euro schweren offenen Immobilienfonds entscheidet sich in den nächsten Tagen: Am 18. Mai läuft für den CS Euroreal die maximale Schließungsfrist von zwei Jahren ab. Noch hat die Fondsgesellschaft Crédit Suisse Asset Management nicht bekannt gegeben, ob der Fonds wieder geöffnet werden kann oder ebenfalls abgewickelt werden muss. Ende Februar hatte die Fondsgesellschaft KanAm bekannt gegeben, ihren 4 Milliarden Euro schweren offenen Immobilienfonds KanAm Grundinvest aufzulösen.

Hoffnung für die Zukunft?

Bei Union Investment Real Estate hofft man nun auf eine Beruhigung der Lage. „Wir erleben in diesen Tagen den Schlusspunkt einer Entwicklung, die das grundsätzlich erfolgreiche Produkt bei vielen Kleinanlegern und der Öffentlichkeit in Misskredit gebracht hat“, kommentiert Reinhard Kutscher von Union Investment Real Estate die aktuelle Entwicklung. Union bietet vorwiegend Privatanlegern unter anderem die offenen Immobilienfonds UniImmo Deutschland und UniImmoEuropa an. Sie sind nach wie vor geöffnet. Der UniImmoGlobal hatte nach der Atomkatastrophe in Fukushima einige Zeit geschlossen. Das hatte nach Angaben von Union aber nichts mit Liquiditätsproblemen, sondern mit der unsicheren Lage vor Ort zu tun. Man konnte die Immobilien nicht mehr vernünftig bewerten.

Große Investoren zogen Mittel ab

Dagegen waren die anderen von den Schließungen betroffenen Fonds in der Regel in Liquiditätsnöte geraten, weil institutionelle Investoren sie als Geldparkplatz für größere Beträge genutzt und ihre Mittel in der Finanzkrise rasant wieder abgezogen hatten. Die Auflösung dieser Fonds markiere für die Branche eine Zäsur, heißt es bei Union Investment weiter. Sie biete nun die realistische Chance, die offenen Immobilienfonds wieder als gute Anlagemöglichkeit für Kleinanleger anzusehen.

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