Nichts für Eilige

"Schaffe, schaffe Häusle baue." Der Stuttgarter Karl Kleverle will nicht getreu dem schwäbischen Wahlspruch ein eigenes Haus bauen oder kaufen. Er hat in einen offenen Immobilienfonds investiert.

Karl Kleverle hat am 1. April 1999 insgesamt 21.070 Mark in den offenen Immobilienfonds Difa Nr. 1 gesteckt. Der Ausgabepreis pro Anteil lag damals bei 210,70 Mark (107,73 Euro). Karl Kleverle bekam deshalb 100 Anteile für sein Geld. Hätte er sie gleich am nächsten Tag wieder verkauft, wären nur rund 20.015 Mark als Erlös auf sein Konto zurückgekommen.

Die 1.055 Mark Differenz wären für den rund 5-prozentigen Ausgabeaufschlag draufgegangen, den Karl Kleverle beim Kauf bezahlt hat. Auch beim Finanzamt hätte er das Minus nicht abfedern können. Es erkennt Ausgabeaufschläge nicht an.

Durststrecke

Karl Kleverle hat seine Fondsanteile aber noch. Mit dem Difa-Fonds Nr. 1 hat der Schwabe in eine Mischung verschiedener Immobilien investiert, die von Profis ausgewählt und verwaltet werden. Trotzdem war Karl Kleverle zunächst enttäuscht, als die Fondsgesellschaft für den Difa-Fonds Nr. 1 im April 2000 die Ertragszahlen veröffentlichte. 3,5 Prozent Plus fand er einen bescheidenen Anlageerfolg. Festverzinsliche Wertpapiere mit fünfjähriger Laufzeit hätten damals etwa genauso viel Zinsen gebracht ­ ohne großen Ausgabeaufschlag.

Aber der Schwabe hatte mit seinem offenen Immobilienfonds noch ein As im Ärmel: 35,6 Prozent vom Ertrag waren steuerfrei. Die Ausschüttung der Fondsgesellschaft am 30. Juni 2000 brachte 7,63 Mark pro Anteil. Davon waren nur 4,36 Mark steuerpflichtig. Kleverle bekam für seine 100 Anteile 763 Mark, von denen er nur 436 Mark versteuern musste.

Rendite im ersten Jahr

Durch die 436 Mark stieg sein zu versteuerndes Einkommen von 99.564 Mark auf 100.000 Mark. Der Schwabe musste deshalb 203 Mark mehr Steuern zahlen. Denn bei Kleverles Einkommen kassiert das Finanzamt für die 436 Mark über 46 Prozent.

In den restlichen 327 Mark der Kapitaleinnahmen, die steuerfrei waren, steckten 100 Mark ausländische Einkünfte. Die muss Kleverle in Deutschland zwar nicht versteuern. Das Finanzamt rechnet sie nach Abgabe der Steuererklärung jedoch unter Progressionsvorbehalt ab.

Die Beamten addieren die 100 Mark zu den 100.000 Mark Einkommen, die der Schwabe versteuern muss. Es erhöht sich dadurch auf 100.100 Mark. Dafür mussten Alleinstehende 2000 insgesamt 30.741 Mark Einkommensteuern zahlen. Das sind 30,7 Prozent.

Mit diesem durch Anrechnung der 100 Mark erhöhten Steuersatz muss Kleverle sein tatsächliches Einkommen von 100.000 Mark versteuern. Er zahlt 30.700 Mark Steuern. Das sind 10 Mark mehr als normal.

Steuerkick

Insgesamt zahlt der Schwabe für die 763 Mark aus seinem Fonds also rund 213 (10 + 203) Mark ans Finanzamt. 550 Mark aus dem Fonds kann er demnach für sich behalten. Das sind rund 2,6 Prozent Rendite nach Steuern.

Hätte Karl Kleverle für Wertpapiere im Wert von 20.015 Mark 3,5 Prozent Zinsen erhalten, hätte er den Ertrag von 763 Mark voll versteuern müssen. Von den Zinsen wären nach Steuern nur 408 Mark geblieben. Statt 2,6 Prozent Fondsrendite, hätte der Schwabe nach Steuern für die Wertpapiere nur knapp 2 Prozent Zinsen erhalten.

Rendite im zweiten Jahr

Als die Fondsgesellschaft im März die neuesten Ertragszahlen veröffentlichte, hat sich gezeigt, dass Karl Kleverle mit dem Difa-Fonds Nr. 1 bisher gut gefahren ist. Im vergangenen Jahr hat er mit seinen Anteilen 5,7 Prozent Plus gemacht. Diesmal sind sogar 59,5 Prozent steuerfrei.

Von den rund 1.101 Mark Ertrag muss der Schwabe diesmal rund 655 Mark nicht beim Finanzamt abrechnen. Zusammen mit den 550 Mark, die er im ersten Jahr nach Steuern kassiert hat, ist der 5-prozentige Ausgabeaufschlag von 1.055 Mark mehr als ausgeglichen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1376 Nutzer finden das hilfreich.