Offene Immobilienfonds Special

Trotz Krisen sind Immobilienfonds immer noch beliebt. Ein neues Gesetz setzt Anleger unter Entscheidungs­druck.

Nach dem 21. Juli 2013 wird es eine Zwei­klassen­gesell­schaft von Anlegern mit offenen Immobilienfonds geben. Alle, die nach diesem Stichtag einen Fonds kaufen, kommen frühestens zwei Jahre später an ihr Geld. Dagegen können Anleger, die ihre Anteile schon länger im Depot haben, diese wie bisher jeder­zeit an die Fonds­gesell­schaft zurück­geben. Sie müssen seit dem 1. Januar 2013 nur die Grenze von 30 000 Euro pro Kalender­halb­jahr einhalten.

Noch vor dem Stichtag kaufen

Das Gesetz bringt große Veränderungen. Kein Wunder, dass Anleger nun grübeln, wie sie sich verhalten sollen. Ist es sinn­voll, noch vor dem Stichtag Anteile zu kaufen, um sich dauer­hafte Flexibilität zu sichern?

Eindeutige Antwort: ja. Wer in bewährte Fonds (siehe „Unser Rat“) einsteigen will, sollte dies vor dem 21. Juli tun. Außerdem sollten Anleger, die schon Anteile besitzen und mit der Depot­stelle eine Wieder­anlage der Erträge vereinbart haben, diese Absprache über­denken. Denn auch für die Anlage künftiger Erträge gelten die neuen Regeln.

Noch vor dem Stichtag kaufen sollten nur Menschen, die sich bewusst für diese Fonds­gattung entscheiden. Offene Immobilienfonds investieren vor allem in Büro­gebäude und andere Gewerbeimmobilien. Anders als bei geschlossenen Fonds kommen Anleger nach der alten Gesetzes­lage – zumindest theoretisch – jeder­zeit an ihr Geld.

Dass auf diese Weise eine schwerfäl­lige Anlageform mit dem Anspruch kurz­fristiger Verfügbarkeit verknüpft wird, ist seit jeher problematisch. Das neue Gesetz mildert den Wider­spruch zumindest.

Doch nach wie vor können Anleger so viel Geld zurück­fordern, dass sie das Barvermögen des Fonds über­strapazieren. In der Vergangenheit waren vor allem Groß­investoren dafür verantwort­lich, dass viele Fonds einge­froren und später abge­wickelt wurden. Die Fonds­gesell­schaften konnten nicht schnell genug Immobilien verkaufen, um alle Aussteiger zu bedienen.

Das neue Gesetz bringt für die Fonds­gesell­schaften mehr Verläss­lich­keit. Sie haben künftig Anhalts­punkte, wie viel Geld schlimms­tenfalls kurz­fristig aus dem Fonds abfließen kann.

Alle, die nach dem Stichtag investieren, müssen den Fonds mindestens zwei Jahre im Depot halten und zwölf Monate vor ihrem Ausstieg kündigen. Sie geben ihre Anteile mit der Kündigung in ein Sperr­depot und kennen den genauen Erlös nicht.

Offene Immobilienfonds, die nach dem 21. Juli 2013 neu aufgelegt werden, bieten den Anbietern volle Planungs­sicherheit und den Investoren Chancengleichheit. Anleger, denen es nicht unter den Nägeln brennt, können auf diese Angebote warten.

Börsen­verkauf als Ausweg

Alle Besitzer von offenen Immobilienfonds können ihre Anteile nicht nur an die Fonds­gesell­schaft zurück­geben, sondern auch über die Börse verkaufen. Daran wird sich nichts ändern. Der Börsen­handel bleibt auch für Neueinsteiger eine Option.

Allerdings gibt es keine Garantie, dass sie ihre Anteile jeder­zeit loswerden, erst muss ein Käufer da sein. Und der Preis im Börsen­handel schwankt. Möglich, dass Anleger einen deutlichen Abschlag hinnehmen müssen, wenn sie schnell verkaufen wollen.

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