Sprach­liche Mängel in Informations­blättern: Verständlich­keit bleibt Wunsch­denken

Die sprach­liche Gestaltung ist der größte Schwach­punkt der Anleger­informationen. Finanztest hat die Verständlich­keit mit wissenschaftlichen Methoden untersucht (So haben wir getestet, „Anleger­information“). Dabei fanden wir erschre­ckende Mängel.

Oft unnötiger Jargon

Die Autoren der Informations­blätter haben wenig Gespür dafür, was ein Anleger ohne Vorkennt­nisse versteht. Fachjargon wie „bewertungs­täglich“, „Bonitäts­einstufung“ oder „Mieter­akquisitionen“ hat in einer Information für jedermann nichts verloren. Bei unserer Prüfung achteten wir darauf, dass die kritisierten Begriffe vermeid­bar waren. Es gibt also stets eine besser verständliche Alternative, oder der Begriff könnte ohne Nachteil weggelassen werden.

Unver­ständliche Satzungetüme

Aber selbst aus verständlichen Begriffen lassen sich Sätze bauen, die kaum verständlich sind. Beispiel Fonds­kosten: „Unter­schreitungen werden vorgetragen und mit Über­schreitungen verrechnet“, heißt es in den Anleger­informationen zum Wert­grund Wohn­select. In den Informationen zu den Grund­besitz-Fonds fanden wir im Abschnitt zu den Risiken folgende Formulierung: „Damit besteht das Risiko, dass der durch den Neuanleger erzielte Rück­nahme­preis nied­riger als der Ausgabepreis zum Zeit­punkt des Anteil­erwerbs oder als der Rück­nahme­preis zum Zeit­punkt der unwiderruflichen Rück­gabeerklärung ist.“ Besser wäre: Es besteht das Risiko, dass der Anleger aufgrund der langen Rück­gabefristen weniger bekommt, als er investiert hat.

Unangenehmes wird sprach­lich verschleiert

Wenn es unangenehm wird, verwenden die Anbieter gern eine umständliche, verschraubte Sprache mit vielen Substantiven. Das zeigt ein Beispiel bei den UniImmo-Fonds: „Es besteht zudem die Möglich­keit einer einge­schränkten bzw. fehlender Handel­barkeit von Vermögens­gegen­ständen im Fonds, die auch zu erhöhten Kurs­schwankungen führen kann.“

23 Worte pro Satz sind zu viel

Für unsere Analysen haben wir auch vier verschiedene Lesbarkeits­indizes heran­gezogen. Sie zeigen, wie kompliziert ein Text ist, indem Satz­längen und Wort­längen (Anzahl der Silben oder Buch­staben) mittels bestimmter Formeln verrechnet werden. Es fällt auf, dass der Block „Ziele und Anlage­politik“ zu viele Wörter pro Satz enthält – im Durch­schnitt mehr als 20. Beim Grund­besitz Global kamen wir sogar auf knapp 23 Wörter pro Satz. Insgesamt enthalten die Anleger­informationen viel Text bei dürftigem Nutzen. Mehr als 700 Wörter umfassen beim Wert­grund Wohn­select allein die Passagen zu Zielen und Anlage­politik. Unser Musterentwurf (unter „Nachher“) hat nur rund 170 Wörter und Zahlen.

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