Offene Immobilienfonds Meldung

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will die offenen Immobilienfonds zwingen, ihre ­Bestände um 10 Prozent abzuwerten. Das schafft Unruhe.

Die offenen Immobilienfonds machen den Anlegern weiter Kummer. Schäubles Gesetzespläne sorgen für Wirbel.

Geschlossen

Neun offene Immobilienfonds sind noch geschlossen, drei davon haben erst kürzlich dicht gemacht. Damit sind über 25 Milliarden Euro der insgesamt 90 Milliarden Euro, die in den Fonds stecken, eingefroren. Als Grund geben die Anbieter die Aufregung um die Gesetzespläne aus dem Bundesfinanzministerium an.

Abwertung

Offene Immobilienfonds kaufen Gewerbeimmobilien wie Büros oder Hotels. Auf Entsetzen in der Branche und bei den Anlegern stieß vor allem der Plan, die Immobilien künftig nur noch mit 90 Prozent des ermittelten Verkehrswerts zu bilanzieren. Neu gekaufte Immobilien würden dann mit einem Sicherheitsabschlag in die Bücher genommen. Bestandsimmobilien würden um 10 Prozent abgewertet. Das darf zwar über fünf Jahre verteilt geschehen, aber das hilft den jetzigen Anteilsinhabern nicht über ihren Verlust hinweg – zumal es sein kann, dass die Fondsanteile um mehr als 10 Prozent verlieren, weil viele Immobilien über Kredit finanziert sind. Es wird jedoch stark bezweifelt, dass die Abwertung so kommt wie im Diskussionsentwurf zum Gesetz vorgesehen.

Haltedauer

Die Reform sieht außerdem eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren vor. Das zielt vor allem auf institutionelle Anleger wie Banken oder Vermögensverwalter ab, die offene Immobilienfonds häufig als kurzfristigen Geldparkplatz nutzten. Die meisten privaten Anleger dürften mit dieser Regelung gut klarkommen. Sie behalten die Fonds – schon wegen der hohen Ausgabeaufschläge – ohnehin mindestens ein, wenn nicht mehrere Jahre.

Kündigungsfrist

An die Mindesthaltedauer sollen sich Kündigungsfristen von bis zu zwei Jahren anschließen. Außerdem sollen Auszahlungen nur noch zweimal pro Jahr möglich sein. Es kann daher sein, dass Anleger, die neue Fondsanteile kaufen, diese bis zu viereinhalb Jahre behalten müssen.

Börsenhandel

Ein Hintertürchen allerdings lassen die Gesetzgeber offen. Die Fonds sollen zwingend zum Börsenhandel eingeführt werden. Wer ­seine Anteile loswerden will, könnte sie dann über die Börse verkaufen und müsste nicht warten, bis Mindesthalte- und Kündigungsfrist abgelaufen sind. Offene Immobilienfonds werden allerdings auch jetzt schon an der ­Börse gehandelt.

Tipp: Anleger sollten, solange die ­Gesetzeslage unklar ist, keine neuen Anteile von offenen Immobilienfonds kaufen.

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