Offene Immobilienfonds Meldung

Mit der Schließung des Grundbesitz-Invest hat die Deutsche Bank die bisher größte Krise von offenen Immobilienfonds ausgelöst. Finanztest sagt, was Anleger nun tun können.

Der offene Immobilienfonds Grundbesitz-Invest der Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate ist seit Mitte ­Dezember gesperrt. Anleger können voraussichtlich vor Februar keine neuen Anteile erwerben und – viel schlimmer – vorhandene Anteile nicht verkaufen.

Ob die drastische Maßnahme notwendig war, ist unter Experten umstritten und könnte später Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen werden. Denn der Gesetzgeber erlaubt es Fondsgesellschaften nur dann, einen offenen Fonds vorübergehend zu schließen, wenn besondere Umstände vorliegen oder dem Fonds ansonsten Zahlungsschwierigkeiten drohen.

Der spektakulärste Anlass für Fondsschließungen war die Anschlagserie am 11. September 2001. Danach wurden zahlreiche Aktienfonds für einige Tage gesperrt.

Massenflucht der Anleger

Die akuten Probleme des Grundbesitz-Invest begannen mit der von der Bank selbst verbreiteten Nachricht einer bevorstehenden Wertberichtigung. Voraussichtlich im Februar 2006 werden Gutachter die Immobilien des Fonds neu bewerten.

Als Anleger davon Wind bekamen, stellten sie ihre Anteile massenweise zum Verkauf, um Verlusten vorzubeugen. Da ein Immobilienfonds nur über begrenzte Barmittel verfügt, zog das Fondsmanagement die Notbremse und schloss den Fonds.

Die Sparkassen hatten bei einem ähnlichen Problem im Jahr 2004 noch ganz anders reagiert: Sie kauften Anteile ihres offenen Immobilienfonds und erwarben sogar Bürogebäude des Fonds. So ersparten sie Anlegern die Fondsschließung.

Was bei der Neubewertung des Grundbesitz-Invest herauskommt, weiß noch keiner. Eine Abwertung der in dem Fonds ­zusammengefassten Immobilien wäre ­keine Überraschung. In diesem Fall ­drohen Verluste, mit denen wohl kaum ein Anleger gerechnet hat. Wie hoch sie sein können, ist völlig offen.

Entschädigen wollte die Deutsche Bank bei Redaktionsschluss nur die Anleger, die den Fonds noch keine zwei Jahre besitzen.

Nicht so sicher wie gedacht

Bisher waren die Fonds trotz des katastrophalen deutschen Immobilienmarkts bemerkenswert glimpflich davongekommen. Die höchsten Verluste in unserem Fondsdauertest lagen bei 1,3 Prozent pro Jahr.

In der Zeit nach dem Börsendesaster hatten offene Immobilienfonds großen Zulauf. Gerade in Deutschland gelten ­Immobilien als ideale Versicherung gegen Finanzkrisen und Inflation.

Ein von Experten immer wieder angemahntes Problem wollte kaum jemand ernst nehmen: Offene Immobilienfonds müssen fortwährend einen Spagat schaffen: Auf der einen Seite steht die langfristige Anlage in Gebäude und Grundstücke, auf der anderen Seite der Anspruch, Anlegern jederzeit ihr Geld zurückzuzahlen.

Die Fonds haben immer dann ein Problem, wenn sehr viele Anleger ein- oder aussteigen. Im ersten Fall müssen die Gesellschaften mitunter auf Teufel komm raus Immobilien herbeischaffen, im zweiten Fall brauchen sie jede Menge Bares, um Anleger auszuzahlen.

Viele haben bisher die Risiken von offenen Immobilienfonds unterschätzt. Das ist kein Grund, sie jetzt zu überschätzen. ­Offene Immobilienfonds passen auch ­weiterhin in ein ausgewogenes Fondsdepot. Sie sind etwa so sicher wie Rentenfonds, die in Euro-Zinspapiere anlegen, und viel sicherer als Aktienfonds.

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