Wie zuvor schon SEB ist nun auch Crédit Suisse mit seiner Vertrauensoffensive gescheitert. „Die Rückgabewünsche der Anleger haben die zur Verfügung stehende Liquidität signifikant überstiegen“, hat die Crédit Suisse Asset Management erklärt. Der offene Immobilienfonds CS Euroreal wird nun aufgelöst. Bis 30. April 2017 sollen alle Immobilien verkauft sein. Eine erste Rückzahlung sollen Anleger spätestens im Dezember 2012 erhalten.

Die Anleger wollten raus

„Die für Rücknahmen zur Verfügung stehende Liquidität hat nicht ausgereicht. Das Votum der Anleger ist eindeutig: Die Rückgabewünsche haben die ursprünglichen Prognosen massiv überschritten. Auf dieser Basis gibt es keine Alternative zur Auflösung“, sagt Karl-Heinz Heuß, Geschäftsführer der Crédit Suisse Asset Management Immobilien KAG. Jetzt bekommen die Anleger zunächst einmal gar nichts. Der Fonds wird abgewickelt, die Immobilien werden verkauft. Die erste Rückzahlungstranche soll es im zweiten Halbjahr geben – spätestens im Dezember. Weiter Zahlungen sollen halbjährlich folgen. Der Fonds hatte zuletzt flüssige Mittel in Höhe von 1,6 Milliarden Euro, das sind rund 27 Prozent des Fondsvermögens. Das entspricht einer Bruttoliquidität von rund 32 Prozent. Wie hoch genau die Rückgabewünsche waren, will die Gesellschaft zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen.

Warten – oder über die Börse verkaufen

Als Crédit Suisse die Abwicklung des Fonds bekannt gab, waren an der Börse Hamburg die Umsätze mit CS-Euroreal-Anteilen gestiegen. Der Kurs für einen Anteil sank von über 38 Euro auf zeitweise 36,50 Euro. Die Fondsgesellschaft selbst errechnete für einen Anteil einen Preis von 55,77 Euro (Stichtag 21. Mai 2012). Wer jetzt an der Börse verkauft, macht demnach einen Verlust von rund 30 Prozent. Anleger, die ihr Geld dringend benötigen, haben keine andere Wahl. Wer warten kann, hat zumindest die Chance auf mehr. Bislang habe der Fonds seine Immobilien mindestens zum Verkehrswert veräußert oder darüber, schreibt Crédit Suisse. Das ist gut, aber keine Garantie dafür, dass auch künftige Verkäufe so erfolgreich sind. Mehr zur Frage, was Anleger im Fall einer Fondsschließung tun können im Experteninterview.

Wer übrig bleibt

Nach den Auflösungen von CS Euroreal, KanAm grundinvest und SEB ImmoInvest – alle in diesem Jahr – bleiben am Markt nun im Grunde nur noch die offenen Immobilienfonds der vertriebsstarken Institute übrig. Das sind zum Beispiel der zehn Milliarden schwere Fonds hausinvest von Commerz Real, die drei Immobilienfonds von Union Investment, Uni Immo Deutschland, Europa und Global, die beiden Fonds der Deutschen Bank, grundbesitz europa und grundbesitz global, sowie die Angebote der Deka, unter anderem der Deka Immobilien Europa und der Deka Immobilien Global. Sie haben die Finanzkrise unbeschadet überstanden, keiner dieser Fonds ist infolge der Lehman-Pleite in Liquiditäts­schwierigkeiten geraten. Lediglich der Uni Immo Global hatte vorübergehend geschlossen, das war im Frühjahr 2011, nach der Atomkatastrophe von Fukushima. Union gab damals an, die Japan-Immobilien neu bewerten zu wollen. Der Fonds ist seit Juni 2011 wieder geöffnet.

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