Ölheizkessel Test

Ein neuer Heizkessel? Wenn der Schornsteinfeger die Heizung beanstandet, stellt sich diese Frage schneller, als man denkt. Tipps und ein Test von 16 Ölheizkesseln helfen weiter.

Diesmal brachte der Schornsteinfeger kein Glück. Wie immer hatte sich der schwarze Mann bei Siebecks in Berlin angemeldet, war in den Keller gestiegen und hatte Rußzahl, Temperaturen und Abgasverlust der Ölheizung gemessen. So wie es die Kleinfeuerungsanlagen-Verordnung verlangt. Das Ergebnis trug er wie jedes Jahr ins Messprotokoll ein. Diesmal aber kreuzte er auch den letzten Punkt an: „Das Messergebnis entspricht nicht der Verordnung, weil: Abgasverlust über 14 Prozent.“ Der Grenzwert liegt bei 11 Prozent.

Ein kleines Kreuz mit einer großen Wirkung: Mit der Messbescheinigung war der schwarze Peter nun bei Helmut Siebeck gelandet. Als Hausbesitzer und Betreiber der durchgefallenen Heizung musste er innerhalb von sechs Wochen handeln. Auch das regelt die Verordnung: Bis zur „Wiederholungsmessung“ müssen die „notwendigen Verbesserungsmaßnahmen an der Anlage“ getroffen worden sein. Was war jetzt zu tun?

Der Heizkessel hatte bald 24 Winter hinter sich. Vor drei Jahren streikte der Ölbrenner. Zum Überlegen blieb damals nicht viel Zeit, denn die Familie wollte nicht im Kalten sitzen. Der Brenner wurde gegen einen mit moderner Technik ausgetauscht. Alter Kessel und neuer Brenner vertrugen sich gut. Der Ölverbrauch ging sogar zurück. Doch jetzt kam Helmut Siebeck um einen Anruf bei seinem Installateur nicht mehr herum. Der sollte die Heizanlage so hintrimmen, dass die Abgasverluste den Grenzwert nicht mehr überschreiten. Da hätte der Schornsteinfeger bei seiner zweiten Visite nichts mehr zu bemängeln. Oder wäre es besser, den Kessel samt Brenner herauszureißen und Energiespartechnik einzubauen? Das kostet zwar, sollte sich aber in jeder Heizsaison auszahlen.

Für einen neuen Kessel mit Ölbrenner und Regelung muss Siebeck mindestens mit 3 000 Euro rechnen. Das zeigen unsere Preisrecherchen für den Test von 16 Ölbrenner-Kesseleinheiten, Units genannt. Noch teurer sind Öl-Brennwertkessel. Die Preise der getesteten liegen zwischen 4 850 und 6 270 Euro. Die Gesamtpreise in der Tabelle sind Listenpreise, die uns die Anbieter nannten. Installateure gewähren durchschnittliche Preisnachlässe zwischen 10 und 20 Prozent.

Sparsame Brennwertkessel

Ölheizkessel Test

Der Tankwagen kommt seltener. Denn ein moderner Kessel verbraucht weniger Öl und die Heizkosten sinken spürbar.

Ölkessel mit Brennwerttechnik holen mehr Energie aus der Heizölmenge als normale Niedertemperaturkessel. Der technische Trick: Sie nutzen zusätzlich die in den Abgasen versteckte Wärmemenge. Dadurch entsteht Kondensat, das neutralisiert werden muss, bevor es ins Abwasser gelangt. Das könnte sich aber bald ändern. Wenn schwefelarmes Heizöl – statt derzeit mit maximal 0,2 Prozent Schwefelgehalt, künftig nur noch mit 0,005 Prozent – bundesweit angeboten wird, kann bei kleineren Ölkesseln auf die Neutralisationsbox verzichtet werden. Öl-Brennwertkessel wären dann Gas-Brennwertkesseln gleichgestellt.

Mit den Kosten für den Kessel allein ist es nicht getan. Das weiß auch Siebeck. Hinzu kommen Ausgaben für die Montage, die oft ähnlich hoch sind wie für den Wärmeerzeuger. Da die Heizanlage auch für das warme Wasser im Haus sorgt, steht noch ein neuer Wasserspeicher auf seiner Wunschliste. Der kostet je nach Ausführung und Größe zwischen 800 und 1 600 Euro. Kessel mit kleiner Leistung, wie die im Test, stehen in Ein- und Zweifamilienhäusern oft auf dem „liegenden“ Speicher. Das spart Platz.

Um einen Standspeicher neben dem Ölkessel kommt aber nicht herum, wer die Heizanlage im Keller mit einem Solarkollektor auf dem Dach kombiniert. Solarspeicher, die das Wasser erwärmen, speichern und schichten, haben üblicherweise 300 bis 400 Liter Inhalt. Komplette Solarpakete für Warmwasser mit Kollektor, Speicher und Regelung gibt es ab 5 000 Euro.

Zu großer Schornstein

Ölheizkessel Test

Herausgezogener Abgasschalldämpfer des Brötje-Kessels. Er ist platzsparend im Kessel integriert – als einziger im Test

Bleibt ein weiterer Kostenpunkt: der Schornstein. Bei einem Kesseltausch sollte er keinesfalls vergessen werden. Ein Niedertemperaturkessel arbeitet mit tieferen Abgastemperaturen. Denn verglichen mit einem Kessel-Oldtimer wird das Wasser im Kessel nicht mehr gleich bleibend auf hoher Temperatur gehalten. Um Öl zu sparen, steigt und fällt sie dort wie im gesamten Leitungsnetz je nach Wärmebedarf. Ist der Schornstein zu groß, kühlen die Abgase auf dem Weg ins Freie zu stark ab. Es bildet sich Feuchtigkeit auf der Schornstein-Innenwand. Das muss verhindert werden, um Bauschäden zu vermeiden, zum Beispiel durch einen kleineren Schornsteinquerschnitt oder eine neu montierte Abgasleitung. Das Abgassystem von Öl-Brennwertkesseln muss stets unempfindlich gegen Feuchte sein. Vielfach bietet sich der Einbau von Luft-Abgas-Systemen an.

Falls sich Helmut Siebeck für einen der getesteten Ölkessel entscheidet, bekommt er sparsame und gut funktionierende Heiztechnik für sein Geld: mit einer besseren Energieausnutzung als bei seiner alten Kessel-Krücke. Und das macht sich im Geldbeutel und in der Umwelt bemerkbar.

Umlernen muss Siebeck bestimmt beim Bedienen der Heizanlage. Einige Anbieter machen es den Besitzern nicht leicht, die Schaltzeiten der Heizprogramme und die Heiztemperatur einzustellen. Manche Bedienungsanleitung wirkt auf den Leser eher hilflos als hilfreich.

Als Problem bleibt noch die Geräuschentwicklung der Kessel. Die Bedingungen am Aufstellort können das Betriebsgeräusch so verstärken, dass es lästig wird. Unvorhersehbare Schwingungen im Abgassystem übertragen es dann im ganzen Haus. Abhilfe versprechen Abgasschalldämpfer, die bei einigen Anbietern bereits zum Lieferumfang gehören und im Preis in der Tabelle enthalten sind. Sonst erhält man sie als Zubehör. Es empfiehlt sich, Abgasschalldämpfer zusammen mit dem Kessel und nicht nachträglich einzubauen. Durch den Schalldämpfer vergrößert sich der Abstand zur Wand.

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