Ökostrom­tarife Test

Nicht mit jedem Ökostrom­tarif können Verbraucher zur Energiewende beitragen. Das zeigt der Test von 19 Ökostrom­tarifen. Zwar liefern alle 100 Pro­zent Ökostrom – doch echter Umwelt­nutzen entsteht erst, wenn der Tarif konventionellen Strom vom Markt verdrängt und erneuer­bare Energien ausgebaut werden. Das leisten nur zwei von drei Tarifen – sie kosten oft weniger als Normal­strom.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Stromtarife.

Der persönliche Beitrag zur Energiewende

Mitt­lerweile bieten rund 730 Stromlieferanten in Deutsch­land einen Ökotarif an. test hat 19 Tarife untersucht und benotet, für die sich bundes­weit jeder Verbraucher entscheiden kann. Die Auswahl beschränkte sich auf Angebote mit einer Vertrags­lauf­zeit von maximal einem halben Jahr. Wie stark engagieren sich die Anbieter für den Wunsch der Kunden nach mehr Umwelt­schutz und Voran­treiben der Energiewende? Neben Tarifbedingungen wie etwa der Kündigungs­frist interes­sierte die Tester in erster Linie das „ökologische Engagement“, das der Anbieter mit seinem Tarif erkennen lässt.

Tarife fördern den Bau neuer Ökostrom­kraft­werke

Die Minimalan­forderung an einen Ökostrom­tarif erfüllen alle getesten Tarife: Sie liefern 100 Prozent Ökostrom. Anders jedoch bei der Zubau­wirkung. Nur zwei von drei der getesteten Tarife bieten sie. Der Bau neuer Ökokraft­werke wird vor allem auf zwei Arten gefördert: Entweder investieren die Stromanbieter einen Teil des Geldes direkt in neue Anlagen. Diese Aufpreis­tarife sind eher selten. Häufiger sorgen die Anbieter mit ihren Liefer­verträgen dafür, dass der Strom für ihre Kunden stets aus Ökokraft­werken stammt, die ein Höchst­alter nicht über­schreiten. Auch dadurch werden laufend neue Kraft­werke gebaut.

Label und Zertifikate für Ökostrom

Die Zubau­wirkung lassen sich die Anbieter mit einem Zertifikat bescheinigen: Die strengsten Maßstäbe legen das Ok-power-Label und das Grüner-Strom-Label an. Beide werden von Umwelt- und Verbraucher­verbänden vergeben. Um diese Label zu erhalten, müssen die Anbieter beim Bau der Ökokraft­werke auch Umwelt­kriterien erfüllen. Auch manche Zertifikate vom Tüv-Süd garan­tieren einen gewissen Zubau, der Effekt ist aber schwächer. Der Typ dieser Zertifikate heißt EE01 und EE02. Andere Tüv-Zertifikate im Test garan­tieren keinerlei Zubau. Das gilt auch für die europäischen RECS-Zertifikate mit dem viel­versprechenden Namen Renewable Energy Certificate System. Das sind nur Herkunfts­nach­weise. Und um die Verwirrung komplett zu machen: Manche Anbieter wie EWS Schönau und Greenpeace Energy setzen sich eigene, teils strengere, über die Label hinaus­gehende Maßstäbe, die sie vom Tüv Nord prüfen lassen. Die Stiftung Warentest hat jedes Zertifikat nach der Zubau­wirkung bewertet.

Ökologisches Engagement der Anbieter

Um die Bestnote für ökologisches Engagement im Test zu bekommen, muss ein Anbieter aber mehr tun, als den Kraft­werks­bau zu fördern. Er muss Initiative zeigen. Die reicht vom kostenlosen Verleih von Energiemess­geräten etwa bei den Stadt­werken München über eine persönliche Vor-Ort-Beratung zur Modernisierung der Heizung bei Greenpeace Energy bis hin zu Förderprogrammen für Privathaushalte bei Entega. Engagieren sich Anbieter in besonders inno­vativen Projekten, haben die Tester Plus­punkte vergeben. Licht­blick zum Beispiel installiert in Privathäusern Mini-Block­heiz­kraft­werke. Sie versorgen das Gebäude mit Wärme und erzeugen zugleich Strom, der ins öffent­liche Netz gespeist wird. Das soll zu Spitzenlast­zeiten schwankenden Wind- und Solar­strom ergänzen und die Netze entlasten. Oder Greenpeace Energy: Hier gab es unter anderem Plus­punkte für ein Cars­haring-Pilot­projekt mit Elektro­autos.

Kohle und Atom versus Ökostrom

Nicht bewertet haben die Tester, ob der Anbieter auch Kohle- und Atom­strom verkauft oder in diese Technologien investiert. Für viele ist das mit dem Gedanken eines Ökostrom­tarifs nicht vereinbar. Daher ist die Tabelle mit den Testergebnissen der Ökostrom­tarife geteilt: Oben reine Ökostromanbieter, die unabhängig von Kohle- und Atom­wirt­schaft agieren. Unten konventionelle Energieversorger, die Ökostrom anbieten, aber auch Kohle- und Atom­strom verkaufen oder mit Unternehmen verflochten sind, die dies tun. So kann jeder selbst entscheiden, wem er sein Geld geben möchte.

Auf die Tarifbedingungen achten

Die Vertrags­bedingungen der getesteten Tarife sind etwa zur Hälfte gut, zur Hälfte befriedigend. Generell gilt: Finger weg von Vorkasse, die aber kein Anbieter im Test verlangte. Gut sind kurze Lauf­zeiten, maximal ein Jahr, um nicht lange gebunden zu sein. Ebenfalls gut: eine kurze Kündigungs­frist von vier Wochen. Schlecht ist dagegen, wenn Kunden für eine unterjäh­rige Abrechnung viel Geld zahlen müssen. Hier werden bis zu 21 Euro pro Abrechnung verlangt. Aufpassen sollten Kunden auch bei Bonus und Preis­garantie: Im Klein­gedruckten schränken viele Anbieter die Preis­garantie wieder ein und reichen Erhöhungen von Abgaben oder Steuern doch weiter. Preise sollten Kunden ohne Bonus vergleichen. Nur dann wird klar, was der Strom auch im zweiten Vertrags­jahr kostet. Anbieter und Tarif­rechner weisen hingegen die Preise gern mit Bonus aus.

Ökostrom kostet oft weniger als Normal­strom

61 Prozent der Verbraucher würden laut einer aktuellen Forsa-Umfrage mehr für ihren Strom bezahlen, um die Energiewende voran­zubringen. Doch Ökostrom muss gar nicht teuer sein. Wer noch nie seinen Tarif gewechselt hat, kann mit Ökostrom sogar sparen. Er steckt dann in der Grund­versorgung, dem meist teuersten Tarif. Im Januar 2012 zahlt eine Familie mit 4 000 Kilowatt­stunden Verbrauch in den Grund­versorgungs­tarifen der örtlichen Stromanbieter im Schnitt 1 046 Euro – für einen Ökotarif mit Gütesiegel würde sie nur 1 010 Euro zahlen.

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