Ökostrom von Lichtblick Meldung

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Entgegen offiziellen Darstellungen liefern einige Anbieter ihren Strom nicht vollständig aus regenerativen Energiequellen. Aktueller Fall: Ökostromanbieter Lichtblick wirbt damit, vollständig auf Strom aus Atom-, Kohle- und Ölkraftwerken zu verzichten. Lichtblick verschwieg seinen Kunden jedoch den Zukauf von konventionellem Strom an der Leipziger Strombörse.

[Update 08.07.2008] Lichtblick reagiert. Mehr Informationen am Ende der Meldung.

Zukäufe von Atom- und Kohlestrom

Diese und ähnliche Meldungen verunsichern klimabewusste Verbraucher. In einer Stellungnahme als Reaktion auf die Vorwürfe äußerte Lichtblick, dass 99,5 Prozent des Stroms aus regenerativen Energien stammt. Der Zukauf von Strom sei jedoch nötig, um kurzfristige Abweichungen zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Stromverbrauch auszugleichen. Es handele sich, so Lichtblick in der Verlautbarung, nur um etwa 0,5 Prozent der gesamten an Endkunden abgegebenen Energiemenge. Der Zukauf an Strombörsen sei laut Lichtblick gängige Praxis unter Ökostromanbietern um kurzfristige Abweichungen zu kompensieren.

Die Konkurrenz widerspricht

Diesen Aussagen widerspricht die Konkurrenz: So betont zum Beispiel Greenpeace Energy, dass sie keinen Strom über die Börse kaufen müssten. Nach eigenen Angaben gleicht Greenpeace Energy Abweichungen mit Hilfe offener Lieferverträge von Ökokraftwerken aus. Auch die Elektrizitätswerke Schönau (EWS), mit 70 000 Kunden ein weiterer großer Anbieter von Ökostrom in Deutschland, dementieren den Zukauf von Strom an der Leipziger Strombörse. „Wir liefern ausschließlich Ökostrom an die Kunden“, sagt Jutta Baier von den EWS gegenüber test.de. Der Ökostrom der EWS bestehe zu 95 % aus regenerativen Energien und zu 5 Prozent aus Kraftwärmekopplung. Baier ist verantwortlich für den Kundenkontakt und weiß, dass viele Verbraucher verunsichert sind.

Forderung nach mehr Transparenz

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) fordert mehr Transparenz auf dem Ökostrommarkt. Anbieter von Ökostrom müssten klar deklarieren, woher ihr Strom kommt. Verbraucher könnten nicht kontrollieren, was Ökostrom ist und was nicht. Energieexperte Holger Krawinkel vom vzbv ist sich sicher, dass auch die unterschiedlichen Ökostromsiegel wenig hilfreich sind. Diese Siegel wie etwa das Ok-Power-Label oder auch das Grüner Strom Label werden von unterschiedlichen Vereinen und Verbraucherorganisationen für bestimmte Ökostrom-Anforderungen vergeben. Veit Bürger, Vorstandsmitglied des Ok-Power-Labels, findet die Siegel wichtig. Auch die Firma Lichtblick trägt das Ok-Power-Label. „Ausgezeichnet werden gute Ökostromprodukte“, so Bürger „vor allem weil sie in neue Anlagen investieren und somit für mehr Ökostrom sorgen“. Im Moment wird „alles etwas zu heiß gekocht“, sagt Bürger gegenüber test.de.

Tipps

  • Lassen Sie sich vor Vertragsabschluss aufschlüsseln, welche Energiequellen der Ökostromanbieter nutzt.
  • Wenn Sie als Kunde von Lichtblick die Informationspolitik der Firma nicht akzeptieren, können Sie sich bei einem neuen Anbieter anmelden. Dieser übernimmt dann die Kündigung für Sie.

[Update 08.07.2008] Lichtblick kauft in Hauptlastzeiten grauen Strom an der Strombörse. Jetzt hat die Firma nach eigenen Angaben entschieden, die graue Strommenge im Nachhinein durch zusätzlich eingespeisten Ökostrom auszugleichen. Dafür bezieht Lichtblick mehr Ökostrom von den Erzeugern.

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