Ökostrom Meldung

Es gibt Ökostromtarife, die sind preiswerter als konventioneller Strom. Doch nicht jeder Tarif garantiert tatsächlich auch einen Umweltnutzen. Hier sind Antworten auf die Frage, welcher Strom denn nun wirklich „grün“ ist.

Was ist eigentlich Ökostrom?

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Ökostrom ist umweltschonend hergestellter Strom. In Deutschland ist das vor allem Strom aus den erneuerbaren Energiequellen Wind- und Wasserkraft, Biomasse (zum Beispiel durch Verfeuern von Holzabfällen) sowie zu einem geringen Teil Solarstrom aus Fotovoltaikanlagen. Auch Strom aus Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung gilt als Ökostrom, obwohl dabei meist fossile Energieträger wie Erdgas verfeuert werden. Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen produzieren jedoch gleichzeitig Strom und Wärme, was viel effizienter und daher klimaschonender ist als die reine Stromerzeugung.

Wie viel Ökostrom gibt es denn?

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Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Stromverbrauch liegt in Deutschland derzeit bei rund 15 Prozent – Tendenz steigend. Zugleich werden, ebenfalls zunehmend, etwa 12 Prozent des Stroms in Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen. Hauptmotor dieser Entwicklung ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Es garantiert Erzeugern von Ökostrom eine Abnahme ihres Stroms zu gewinnbringenden Preisen. Die Mehrkosten dafür – zurzeit knapp 5 Prozent vom Strompreis (etwa 1 Cent pro Kilowattstunde) – werden auf alle Stromkunden umgelegt. Das heißt, jeder Stromkunde bezahlt automatisch einen Teil Ökostrom, auch wenn er selbst gar keinen Ökostromtarif gewählt hat. Diesen Schritt sind bisher nur knapp 5 Prozent aller Privathaushalte gegangen.

Tipp: Wie viel Geld Betreiber einer Fotovoltaikanlage derzeit für ihren Strom bekommen und wie der Staat ab 2009 sogar den Eigenverbrauch des selbstproduzierten Stroms fördern will, lesen Sie im Artikel „Energiesparförderung“ aus test 08/2008.

Kommt dann anderer Strom aus meiner Steckdose, wenn ich einen Ökostromtarif wähle?

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Nein, aus der Steckdose kommt überall der gleiche Strom. Physikalisch ist Ökostrom nicht von herkömmlichem Strom zu unterscheiden. Bildlich gesprochen speisen alle Stromerzeuger – der Windmüller genauso wie das Atomkraftwerk – ihren Strom in einen großen See ein, aus dem alle Stromkunden gleichermaßen beliefert werden. In dem See entsteht also ein Mix aus Ökostrom und konventionellem Strom. Weil man Strom schlecht speichern kann, muss der See immer den gleichen Wasserstand haben. Das heißt, es wird immer genau so viel Strom eingleitet, wie auch entnommen wird. Je mehr Ökostromkraftwerke durch die Nachfrage nach Ökostrom gebaut werden, desto mehr Ökostrom wird in den See eingeleitet – und desto sauberer wird er.

Stimmt es, dass manche Anbieter einfach ihren Atomstrom umetikettieren und als Ökostrom verkaufen?

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Ja, das ist möglich. Es gibt in Europa ein Zertifizierungssystem für Ökostrom, das „Renewable Energy Certificate System“ (RECS): Betreiber von Ökostromkraftwerken erhalten für jede erzeugte Megawattstunde Strom ein RECS-Zertifikat als Beleg für die umweltschonende Herstellung. Die Zertifikate werden getrennt vom physikalischen Strom europaweit gehandelt. So kann zum Beispiel ein Stromanbieter in Deutschland RECS-Zertifikate eines norwegischen Wasserkraftwerks kaufen und seinen Kunden damit einen Ökostromtarif anbieten, obwohl er physikalisch nur Atomstrom liefert. Im Gegenzug muss das norwegische Wasserkraftwerk seinen Strom jedoch in gleicher Menge als Atomstrom deklarieren.

Ökostromtarife, die ausschließlich auf RECS-Zertifikaten basieren, nutzen der Umwelt bislang nichts, da zurzeit in Europa viel mehr Ökostrom produziert als nachgefragt wird. Allein in Skandinavien wird so viel Strom aus Wasserkraft gewonnen, dass mit den zugehörigen Zertifikaten der gesamte deutsche Atom- und Kohlestrom für Haushaltskunden zu Ökostrom umetikettiert werden könnte. Erst wenn es deutlich mehr Ökostromkunden gäbe, würde die Nachfrage nach RECS-Zertifikaten den Bau umweltschonender Kraftwerke ankurbeln.

Welche Ökostromtarife sind denn empfehlenswert?

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Ein zusätzlicher Nutzen für die Umwelt entsteht, wenn durch den Bezug von Ökostrom konventioneller Strom vom Markt verdrängt wird. Das passiert nur, wenn neue, umweltschonende Kraftwerke gebaut werden. Empfehlenswerte Ökostromtarife sind daher solche, die den Bau neuer Ökostromanlagen fördern – und zwar über die gesetzliche Förderung hinaus. Der Anbieter sollte also zum Beispiel in neue Windkraft- oder Fotovoltaikanlagen investieren, die ohne sein Zutun nicht gebaut werden würden oder nicht wirtschaftlich arbeiten könnten. Dann hat es einen direkten Umweltnutzen, diesen Ökostromtarif zu wählen.

Gibt es Label oder Zertifikate, an denen ich mich orientieren kann?

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Naturschutz- und Verbraucherverbände vergeben das „Grüner Strom Label“ und das „ok power-Label“. Beide kennzeichnen Ökostromangebote, die den Neubau umweltschonender Kraftwerke garantieren. Daneben gibt es Angebote mit Tüv-Zertifikat, bei denen man allerdings genau hinsehen muss. Mitunter werden nur Nebensächlichkeiten zertifiziert, etwa das Einhalten der Preisgarantie. Manche Anbieter lassen sich vom Tüv aber auch strenge Selbstverpflichtungen zertifizieren, zum Beispiel eine weitgehend von Atom- und Kohleindustrie unabhängige Geschäftsstruktur. Der Deutsche Naturschutzring nennt solche Anbieter im Internet unter www.atomausstieg-selber-machen.de: EWS Schönau, Greenpeace energy, Lichtblick, Naturstrom. Eine gute Marktübersicht bietet auch das Freiburger Öko-Institut unter www.ecotopten.de: Dort sind Angebote aufgelistet, die den Neubau umweltfreundlicher Kraftwerke fördern und zugleich nicht viel mehr kosten als herkömmlicher Strom.

Kürzlich wurde dem Anbieter Lichtblick vorgeworfen, gar keinen reinen Ökostrom zu liefern. Was ist da dran?

Lichtblick kauft bei hoher Nachfrage kurzfristig Strom undefinierter Herkunft an der Leipziger Strombörse ein – immer dann, wenn der tatsächliche Bedarf den prognostizierten übersteigt. Den planbaren Stromeinkauf, so Lichtblick, betreffe das nicht, sondern nur kurzfristig auftretende Abweichungen zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Verbrauch der Kunden. Der Anteil dieser Ausgleichsenergie beläuft sich nach Angaben von Lichtblick auf derzeit 0,5 Prozent der gesamten abgegebenen Energiemenge. Als Ausgleich will der Anbieter dafür künftig mehr Ökostrom an der Börse verkaufen.

Ist Ökostrom teurer als Normalstrom?

Nicht unbedingt, in vielen Regionen ist Ökostrom inzwischen sogar billiger als konventioneller Strom. Nach Angaben des Freiburger Öko-Instituts bezahlt eine vierköpfige Familie durchschnittlich rund 900 Euro im Jahr für konventionellen Strom. Ökostrom mit „ökologischem Zusatznutzen“ gibt es bei bundesweiten Anbietern ab 877 Euro im Jahr (siehe Tabelle). Der Preis teilt sich in einen festen Grundpreis und einen variablen Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Faustregel: Je niedriger der Grundpreis, desto besser ist der Tarif für Single-Haushalte.

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