Ökostrom Meldung

Glaubwürdig und nicht viel teurer als Normalstrom: Im Wettbe­werb um die Steckdosen mischt grüner Strom immer kräftiger mit.

Die Elektrizitätswerke in Schönau im Südschwarzwald gehören 650 Bürgern. Weil sie keinen Atomstrom mehr wollten, haben sie vor fast zehn Jahren einfach das Stromnetz gekauft. Nur umweltschonend erzeugter Strom darf seitdem ins Netz, etwa aus Wasserkraft oder Sonnenstrom. Und seit der Marktöffnung 1999 bieten die Stromrebellen ihren Ökostrom sogar bundesweit an. „Anfangs haben uns die ansässigen Versorger mit ihrer Blockadepolitik das Leben schwer gemacht“, erzählt die Geschäftsführerin Ursula Sladek. „Doch jetzt hat sich alles eingespielt.“ Zwar müssen die neuen Anbieter an die alten Versorger hohe Gebühren für die Netznutzung zahlen, doch lange Wartezeiten oder einschüchternde Briefe sind selten geworden. Schon in unserem Test zur Servicequalität beim Anbieterwechsel (test 8/01) schnitten die Ökostromer vergleichsweise gut ab.

Derzeit verkaufen rund zehn Unternehmen bundesweit Ökostrom. Dazu kommen etwa 200 Stadtwerke und regionale Versorger mit Ökotarifen. Allein 80 davon gehören zur Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW). Über deren „energreen“-Tarife investieren Kunden einen Teil des Stromgeldes in neue Ökostromanlagen.

Wir haben die bundesweit anbietenden und – als Beispiele – auch einige regionale Versorger in unsere Tabelle aufgenommen. Bedingung: Alle müssen deutlich machen, zum Beispiel mit einem Gütesiegel, dass ihr Angebot die Umwelt schont.

Umwelt- und Verbraucherorganisationen unterstützen vor allem das ok-Power-Label und das Grüner Strom Label. Diese Label legen besonderen Wert darauf, dass mehr neue Ökostromanlagen entstehen. Das ist wichtig, damit sich der Strommix ändert. Er ändert sich zum Beispiel nicht, wenn der Strom nur aus alten Wasserkraftanlagen kommt. Die Stromversorger in der Tabelle weisen alle darauf hin, dass sie neue Anlagen fördern.

Vier Euro im Monat mehr

Der Preisvergleich zeigt, dass Ökostrom mit Gütesiegel nicht teuer sein muss. Eine Familie, die 4 000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, zahlt dafür oft nur etwa 800 Euro. Normalstrom kostet bei bundesweiten Anbietern im Durchschnitt rund 750 Euro. Damit ist Ökostrom im Schnitt nur zirka vier Euro im Monat teurer. Kostet der Normalstrom mehr als 750 Euro im Jahr, was nicht selten der Fall ist, wird die Differenz sogar noch geringer.

Eine Preis-Leistungs-Bewertung hat jetzt das Öko-Institut Freiburg vorgenommen. In einer EcoTopTen-Liste empfehlen die Umweltexperten Ökostrom von hoher Qualität, der aber nicht zu teuer ist. Das hat für einigen Wirbel gesorgt. Ein Grund: In die EcoTopTen gelangt nur, wer entweder das ok-Power- oder das Grüner Strom Label hat. Greenpeace energy und die Elektrizitätswerke Schönau wollen diese Label aber gar nicht, weil ihnen deren Kriterien nicht weit genug gehen. Sie kritisieren zum Beispiel, dass die Atomwirtschaft an gelabelten Stromversorgern oder deren Stromproduzenten finanziell beteiligt sein kann. Die Schönauer und Greenpeace energy haben sich deshalb selbst hohe Anforderungen gestellt und lassen dies von Dritten wie dem Tüv Nord überprüfen. Greenpeace energy stellt sogar den aktuellen Strommix ins Internet, viertelstündlich auf dem neuesten Stand – und liefert in Stromrechnungen und im Internet bereits den Herkunftsnachweis, der laut neuem Energiewirtschaftsgesetz ab Ende 2005 für alle verpflichtend wird.

Die Stromrebellen aus Schönau investieren laut Tüv-Zertifikat unter anderem einen „Sonnencent“ in neue Anlagen und verzichten „vollständig auf Strom aus Atom-, Kohle- und Ölkraftwerken“.

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