Ökoinvestitionen Special

Ökotraum zerstört. Die EECH hat grünes Anlegergeld zweckentfremdet.

Anlagefirmen, die Geld für Ökoinvestitionen einsammeln, sind nicht automatisch seriös. Wie Anleger sich täuschen können, zeigt das Beispiel der Hamburger EECH-Gruppe.

Grün klingt gut. Zumal wenn eine Firma Anlegern „sonnige Zinsen zwischen 7 und 12 Prozent pro Jahr“ für eine Beteiligung an der EECH GmbH & Co. Solar Invest KG in Aussicht stellt. Das tut die Hamburger Unternehmensgruppe EECH. Das Emissionshaus will 25 Millionen Euro Anlegergeld für Genussscheine einsammeln und sie in Solarenergieanlagen in Europa investieren.

Wer das liest und die früheren Prospekte der European Energy Consult Holding AG (EECH AG) zu Windkraft- und Solaranlagen in Frankreich, Spanien und Italien sieht, zweifelt kaum an der Seriosität des Unternehmens. Wohl deshalb engagieren sich Zehntausende umweltbewusste Anleger beim nach eigenen Angaben „führenden Spezialisten für erneuerbare Energien in Europa“ und die Firma wirbt weiter.

Doch im grünen Bereich bewegt sich das Unternehmen schon lange nicht mehr. Finanztest hat 2005 erstmals vor einer Windkraftanleihe des Konzerns gewarnt. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen Firmenchef Tarik Ersin Yoleri und weitere Verantwortliche der EECH AG wegen Anlagebetrugs. Große Teile des Anlegergelds sollen entgegen den Ankündigungen in den Prospekten nicht in erneuerbare Energien geflossen sein.

Falsch investiert

Nach bisherigen Erkenntnissen sind von 15 Millionen Euro Anlegergeld für die Anleihe „Windkraft Frankreich“ nur 2,5 Millionen Euro und von 46 Millionen Euro Anlegergeld für eine Eurosolaranleihe nur 3,5 Millionen Euro investiert worden, erklärte Rüdiger Bagger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg.

Auch zahlreiche Prozesse zeigen, dass die Ankündigungen der EECH AG, internationale Projekte zu Wind- und Solarenergie voranzutreiben, eher ein Köder als ein Versprechen für Anleger sind. Über 250 Anleger haben die EECH AG inzwischen auf Rückzahlung verklagt, weil sie sich getäuscht fühlen. Ihr Geld wurde zum großen Teil für Kunstwerke und nicht für ­Solaranlagen ausgegeben.

Das Hamburger Landgericht verurteilte die EECH AG in mehr als 50 ähnlichen Fällen wegen vertragswidriger Verwendung zur Rückzahlung des Anlegergeldes. Zur Begründung heißt es, die EECH habe die moralisch oder ideologisch gefällte Entscheidung des Anlegers ignoriert. Zudem habe sie sein Geld in einen Markt ­investiert, der völlig andere Risiken als der Energiemarkt berge.

Beim „Ersten Kunstfonds“ des EECH-Konzerns sind die Risiken besonders groß. Denn die Gemälde im Fonds wurden zunächst innerhalb des EECH-Konzerns mit beträchtlichen Zwischengewinnen verkauft und erst dann an den Fonds veräußert. Das macht es Anlegern schwer, von weiteren Wertsteigerungen zu profitieren.

Die EECH AG findet alle Vorwürfe falsch. Warum, will sie unter Berufung auf das „schwebende juristische Verfahren“ nicht sagen. Sie hat gegen die Urteile Berufung eingelegt.

Finanzamt hat Konto gepfändet

Das Unternehmen, dessen Firmengeflecht für Anleger kaum durchschaubar ist, scheint in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu stecken. Bereits im Mai 2007 hat das Bremer Bankhaus Neelmeyer ein Geschäftskonto der EECH AG außerordentlich gekündigt. „Im November pfändete das Finanzamt Hamburg – Am Tierpark das Konto der EECH AG wegen Steuerschulden. Mangels Kontodeckung war die Pfändung jedoch erfolglos. Nach Auskunft der Hamburger Sparkasse betrugen die Schulden rund 400 000 Euro“, sagt Rechtsanwalt István Cocron von der Kanzlei CLLB in München, der rund 470 An­leger vertritt.

Werden die Anleger ihr Geld und die angekündigten Zinsen bekommen? Nach den Pfändungen und den in der Vergangenheit immer wieder verspäteten Zinszahlungen für Inhaberschuldverschreibungen ist das zumindest unsicher.

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