Ökofonds Test

Chemie für die Umwelt. Bayer ­arbeitet an der Entwicklung von Lacken auf Wasserbasis, um damit die umweltschädlichen lösungs­mittelhaltigen Lacke zu ersetzen.

Sie heißen Ökofonds, aber sie investieren auch in Auto-, Chemie- und Ölkonzerne. Etikettenschwindel? Nein: Öko ist mehr als Solarstrom und Windenergie. Finanztest zeigt, was sich die Fondsmanager bei der Aktienauswahl denken.

Was hat die Lufthansa in einem Ökofonds verloren? Flugzeuge sind doch die Klimakiller schlechthin! Auch den ­Autokonzern Toyota würde nicht jeder in einem Ökofonds vermuten, genauso wenig wie den französischen Ölriesen Total. Diese oder ähnliche Werte finden sich aber durchaus in solchen Fonds.

Finanztest hat bei allen in Deutschland vertretenen Fondsgesellschaften nachgefragt, ob sie Ökofonds im Angebot haben und welche Idee hinter ihren Öko- oder Nachhaltigkeitsfonds steckt.

Ein Ergebnis: Öko ist ein dehnbarer ­Begriff. Die Schlagwörter Ökofonds oder grüne Geldanlage sind die Vereinfachung schwer verdaulicher Ausdrücke wie Nachhaltigkeit oder englisch Sustainability. Darunter fallen auch Fonds, deren Manager Wert auf ethische Prinzipien legen oder die sozial verantwortliches Handeln schätzen.

Die Gesellschaften geben sich wenig Mühe, von ihrer Klientel verstanden zu werden. Die meisten Fonds tragen englische Namen: „Green Effects“, „Dexia World Welfare“, „DWS Responsibility“, „Kepler Sustainability“ oder „Swisscanto Green Invest“ heißt es da.

Noch dazu hat jeder Fondsmanager seine eigene Vorstellung davon, was ökologisch, ethisch oder sozial ist. Auch die ­Finanzdienstleister, die spezielle Aktienindizes für die Ökoanlage zusammenstellen, folgen keiner einheitlichen Linie. Sie nutzen ebenfalls ökologische, soziale und ethische Kriterien und wenden sie unterschiedlich an.

So viel Öko steckt in Öl

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Sicherheit am Arbeitsplatz. Unfälle sind im Bergbau ein großes Problem. Großkonzerne wie Rio Tinto achten schon deshalb auf den Schutz der Mitarbeiter, weil sie ein Arbeitsunfall, der zum Ausfall großer Maschinen führen würde, teuer zu stehen käme. Unser Bild zeigt eine Kohlemine in Australien.

Die Idee hinter der Auswahl von Lufthansa, Toyota und Total ist die: Wir fahren Auto, schalten die Heizung ein, fliegen in den Urlaub – dafür brauchen wir Autos, Flugzeuge und Öl. Es ist aber ein Unterschied, ob man ein Dreizehnliter- oder ein Dreiliterauto fährt und ob man das Öl so sauber wie möglich fördert oder sich nicht darum schert, was es anrichtet. Ökologisch heißt in diesem Fall: Wenn schon Dreck, dann so wenig wie möglich.

Die SAM Group aus Zürich folgt diesem Gedanken. Für ihre Nachhaltigkeitsindizes, die Dow Jones Sustainability Indizes (DJSI), wählt sie Unternehmen aus, die in ihrer Branche, etwa in ökologischer Hinsicht, eine Vorreiterrolle spielen. Das Auswahlverfahren heißt Best-in-Class-Prinzip.

„Die Lufthansa zum Beispiel lastet ihre Maschinen besser aus als viele ihrer Wettbewerber“, sagt Alexander Barkawi von SAM Indexes. Toyota hat mit dem Prius das erste serienmäßig verkaufte Hybridauto auf den Markt gebracht. Es fährt teils elektrisch und teils mit Benzin.

Total entwickelt saubere Treibstoffe und fördert neue Energien, außer Wind- und Solar- auch die Meeresenergie, bei der zum Beispiel Strömungen ausgenutzt werden. Außerdem nimmt der Ölkonzern eine Vorreiterrolle ein, was die Gesundheit der Mitarbeiter und Sicherheit am Arbeitsplatz angeht – das sind weniger ökologische als soziale Aspekte, aber auch die ­gehören zum nachhaltigen Wirtschaften.

Exxon tut weh

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Gentechnik gegen Hungersnöte. Schädlingsbefall, Wasserknappheit, Versteppung – in der Folge des Klimawandels werden Anbauflächen knapp und müssen besser genutzt werden. Der Fonds cominvest Klima Aktien hat deshalb Papiere von Syngenta im Portfolio. Die Schweizer Firma stellt Düngemittel und genverändertes Saatgut her.

In dem Fonds SAM Sustainable Leaders, der aus demselben Haus stammt, findet sich allerdings auch der Ölkonzern Exxon – ein rotes Tuch für grüne Anleger.

Auf unsere Nachfrage sagt Vertriebsleiter Christopher Hönig: „Das Ziel des Fonds ist es, besser als sein Vergleichsindex MSCI Welt abzuschneiden. Wir kaufen vor allem Unternehmen mit gutem Nachhaltigkeitsrating. Um nicht allzu stark vom MSCI ­abzuweichen, ist die Beimischung von Unternehmen mit durchschnittlichem Rating nicht ausgeschlossen. Der Fonds investiert aber nicht in Unternehmen, die eine unterdurchschnittliche Nachhaltigkeitsperformance aufweisen.“ Exxon ist die größte Firma der Welt und hat in dem Index, den die Investmentbank Morgan Stanley zusammenstellt, das größte Gewicht.

Rigoros kommt besser an

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Windkraft fürs Klima. Die ­spanische Firma Gamesa ist nach Vestas der zweitgrößte Windanlagenbauer der Welt. Spanien setzt stark auf Windkraft. Allein in der Region Castilla-La Mancha, der Heimat Don Quijotes, stehen über 2 400 Windmühlen.

Es sind aber nicht nur solche Ausrutscher, die Anleger abschrecken. Viele können mit der Idee der Branchenbesten und ihrer Vorbildfunktion wenig anfangen. Sie wünschen sich eine härtere Auslese.

Das wissen wir aus unserer Onlineumfrage aus dem vergangenen Sommer: Von 1 632 Befragten waren 64 Prozent der Ansicht, dass Firmen der Öl- oder Autobranche nicht in einen Ökofonds gehören, auch wenn sie in ihrer Branche vergleichsweise sauber arbeiten.

Die meisten Fonds investieren jedoch in die Automobilindustrie oder die Luftfahrt und schließen nur Atomkraft und Gentechnologie in der Landwirtschaft aus (siehe Tabelle „Die Top Ten ...“).

Ökoanleger legen außerdem oft Wert darauf, dass die Fonds nicht in Firmen investieren, die ihr Geld mit der Produktion von Waffen oder Zigaretten verdienen, Kinderarbeit zulassen oder Tierversuche unternehmen. Auch hier ist öko eigentlich der falsche Begriff, vielmehr handelt es sich um ethische Ausschlussgründe.

Für kirchliche Fonds sind Abtreibung, Prostitution, Alkohol oder Glücksspiel ­tabu. „Wir dürfen für unseren Fonds Liga-Pax-Cattolico-Union keine Bayer-Aktien kaufen, weil Bayer die Antibabypille produziert“, sagt Ingo Speich von Union Investment.

Gegensätzliche Argumente

Schon die Menge der Auswahlkriterien ist für Verbraucher kaum zu überschauen. Hinzu kommt, dass selbst Fondsmanager mit ähnlichen Auswahlkriterien zum Teil gegensätzliche Entscheidungen treffen.

Die australische Westpac Bank gilt vielen Ökofachleuten als ein vorbildliches Unternehmen, zum Beispiel, weil sie bei der Kreditvergabe ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt.

Westpac ist auch im Index DJSI Welt enthalten. Was Alexander Barkawi von SAM besonders freut: „Der Vorstandsvorsitzende der Westpac wird unter anderem danach bezahlt, wie die Bank in unserer Analyse abschneidet“, sagt er. Je besser die Bank, desto besser das Gehalt.

Der Fonds Ökovision von Ökoworld dagegen hat Westpac-Aktien aus dem Portfolio geworfen. „Es hat sich herausgestellt, dass sich die Bank als Spezialfinanzierer für Atomkraftwerke etabliert hat“, empört sich Alfred Platow, „das hatten sie so aber gar nicht kommuniziert.“

Die Auswahlkriterien für den Ökovision schließen eine Investition in Atomenergie aus. Mit der Firma ABB hat Platow jedoch keine Probleme. Den Schweizer Mischkonzern bringen viele Anleger mit der Atomindustrie in Verbindung.

„Die bauen vom Wasserrohr bis zur Turbine alles Mögliche, manches kann auch in Atomkraftwerken verwendet werden. Ihre nukleare Sparte haben sie aber verkauft“, begründet Alfred Platow die Position. „ABB ist mit seinem sozialen Anspruch wesentlich besser geführt als vergleichbare Mischkonzerne. Wir wissen, dass die Firma bei ihren chinesischen Töchtern versucht, trotz politischen Widerstands ­gewerkschaftliche Gruppen aufzubauen.“

Gründliche Recherche

Auch an Nokia scheiden sich die Geister. Für Ingo Speich von Union Investment reicht die Werkschließung in Bochum nicht für einen Ausschluss aus dem Fonds. „Gleichzeitig bauen sie ja ein neues Werk in Rumänien“, sagt er.

Herbert Perus von Raiffeisen Capital Management zeigt sich kritischer, sagt aber: „Wir werden uns mit dem Management unterhalten, ehe wir eine Entscheidung über die Aktie treffen.“ Auf Berichte von Dritten will er sich nicht verlassen.

Das hat auch der NAI-Ausschuss, der die Aktien für den Naturaktienindex auswählt, nicht getan, als die Firma Starbucks in die Schlagzeilen geraten war, weil sie angeblich äthiopischen Kaffeebauern Patentschutzrechte verweigern wollte. Anleger wunderten sich, warum der NAI seinerzeit an Starbucks festgehalten hat, zumal der Kaffee in Wegwerfbechern verkauft wird.

„Der Vorstand hat die Vorwürfe öffentlich zurückgewiesen, und die Kritiker konnten nicht das Gegenteil beweisen. Unbewiesene Behauptungen sind kein Grund für einen Rauswurf aus dem NAI“, sagt Horst Hamm, Sprecher des Ausschusses. „Was den Müll angeht: In den USA gehen viele Leute mit eigenen Tassen zu Starbucks, das könnte man hier auch.“

Der NAI-Ausschuss findet es gut, dass Starbucks den Bauern deutlich mehr bezahlt, als der Kaffee auf dem Weltmarkt kostet. Das ermöglicht bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen. „Starbucks ist mit einem Anteil von 2 Prozent der weltgrößte Einzelabnehmer von Kaffee“, ergänzt Hamm. „Und wenn ein Großer sich in die richtige Richtung bewegt, ist das ein toller Schritt.“

Gutes Gewissen bringt Geld

In den Ohren renditeorientierter Anleger klingt das nicht gut, wenn Firmen mehr zahlen als notwendig. Gewinne sind schließlich die Triebkraft der Börse.

Starbucks erwies sich einige Jahre als wahre Kursrakete, seit einer Weile sinkt der Preis jedoch. Wichtiger als kurzfristige Schwankungen sind aber die langfristigen Erfolge. „Wenn wir uns für eine Aktie entscheiden, dann wollen wir langfristig investiert bleiben“, sagt Herbert Perus, „das teilen wir dem Unternehmen auch mit.“

Langfristiges Engagement, direkten Kontakt und Gespräche auf Augenhöhe – darauf legt auch Alfred Platow großen Wert. Einige Aktien liegen schon seit 1994 im Portfolio. Das zahlt sich aus: Der Fonds Ökovision zählt schon lange zu den besten Aktienfonds Welt und ist damit besser als viele herkömmliche Fonds.

Seit Ende 2003 hat der Ökovision in unserem Dauertest nie schlechter als „überdurchschnittlich“ abgeschnitten. Das gilt auch für den Fonds Green Effects, der in die NAI-Werte investiert.

Der Fonds Pioneer Global Ecology hat sich das Prädikat „dauerhaft gut“ ebenfalls verdient. Schon seit vielen Monaten ist er „stark überdurchschnittlich“. Zurzeit steht er auf Platz 3 von 408 Weltaktienfonds (siehe „Der Spitzenreiter....“).

Und so wird auch erst ein Schuh draus: Wirklich nachhaltig kann ein Fonds nur dann sein, wenn er außer ökologisch und sozial auch ökonomisch erfolgreich ist.

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