Heißen sie nun Ökofonds? Grün? Oder öko-effizient? Investieren sie nachhaltig? Oder ethisch? Verantwortungsvolle Geldanlage ist in – und sie rentiert sich.

Eine tolle Rendite und dabei ein gutes Gewissen haben – das wollen viele Deutsche. Eine Umfrage des Instituts für Markt, Umwelt und Gesellschaft (imug) hat bei 44 Prozent der Befragten dieses Interesse festgestellt. Für über ein Drittel der Befragten ist sozial-ökologisches Engagement ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl von Fonds.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine große Lücke: Nicht mal­­­­­­­­­­­ ­­­­­­­­­­­1­ ­­­­­­­­­­­­­­­­­­Prozent­­­­­­ der Befragten hat tatsächlich in einen Ökofonds investiert. Als Grund gaben die Anleger an, dass sie nicht wüssten, woher sie Informationen über grüne Geldanlage bekommen können.

Die meisten Ökofonds sind noch jung. Finanztest hat gerade zehn gefunden, die älter als fünf Jahre sind. Mittlerweile sind an die vierzig auf dem Markt – wobei der Begriff Ökofonds streng genommen nicht für jeden passt.

Das Freiburger Öko-Institut hat die Fonds in fünf Kategorien eingeteilt. Ökofonds sind demnach Fonds, die in große Konzerne investieren, so genannte Öko-Leader, welche als ökologischer gelten als die Wettbewerber. Öko-Pionier-Fonds wie der Ökovision setzen dagegen auf kleinere, innovative Unternehmen, die umwelt- und sozialverträgliche Technologien entwickeln.

Ethikfonds wie der Prime Value legen mehr Wert auf soziale Standards als auf ökologische Performance. Umwelttechnologiefonds investieren in Unternehmen, die Anlagen zur Abwasser- und Abfallbehandlung oder zur Windkraftnutzung bauen. Nachhaltigkeitsfonds berücksichtigen ökologische, soziale und ethische Aspekte gleichermaßen.

Die Einteilung bietet allerdings lediglich eine Orientierungshilfe – die Fondsgesellschaften selbst halten sich nicht unbedingt daran. Anlegern bleibt es selbst überlassen, den Fonds herauszusuchen, der ihren Vorstellungen am nächsten kommt. Sie können die Fondsprospekte zurate ziehen oder sich die Indizes anschauen, die den Fonds als Maßstab dienen.

Von dunkelgrün bis hellgrün

Besonders streng geht der NAI, der Natur-Aktien-Index vor. Die ökologischen und sozialen Maßstäbe des Natur-Aktien-Index gelten als die konsequentesten Auswahlkriterien. Der NAI listet zum Beispiel die amerikanische Bio-Kette Whole-Foods-Market nicht, weil sie gewerkschaftliche Aktivitäten behindert. Die Eiscremefirma Ben & Jerry's flog raus, als Unilever sie schluckte.

Auch der FTSE4Good, ein Nachhaltigkeitsindex der Londoner Börse, gilt in Fachkreisen als ein Index mit ethischem Ansatz. Mancher Anleger wundert sich indes über Unternehmen wie Bayer, VW oder Lufthansa. Volkmar Lübke, Vorstandsmitglied des Verbands der kritischen Aktionäre, bemängelt: „Die Deutsche Lufthansa, die bei der Deportation von Flüchtlingen mitmacht und umweltbelastenden Flugverkehr produziert, hat in einem ethisch-ökologischen Index nichts zu suchen!“ Daniel Winkler von FTSE Deutschland sagt dazu: „Wir wollen nicht in Gut und Böse aufteilen und permanent ausgrenzen, sondern alle zu Verbesserungen anregen. Die Großunternehmen haben die Mitgliedschaft im Index längst als Imagefaktor entdeckt und liegen im produktiven Wettstreit um die Plätze, damit sie als ethisch gelten.“

Gutes Gewissen rentiert sich

Ähnlich positioniert sich auch die Ratingagentur SAM in Zürich, die den Dow Jones Sustainability Index auflegt. SAM schließt kein Unternehmen von vornherein aus. Das bringt den Schweizern viel Kritik ein. Einige Anleger fragen sich zum Beispiel, warum die Firma Shell, die im Zusammenhang mit Nigeria und der Ölplattform Brent Spar in Verruf geraten ist, nachhaltig sein soll.

„Konsumentenboykotte und sinkende Mitarbeitermotivation sind Probleme, welche die damaligen Reputationsverluste mit sich brachten“, sagt Alexander Barkawi von SAM Indexes. „Shell hat aus diesen Erkenntnissen viel gelernt und sich zu einem der nachhaltigsten Unternehmen in der Branche entwickelt.“

Jörg Weber, Chefredakteur des Branchendienstes ECOreporter.de, bringt den Zwiespalt auf den Punkt: „Vom Herzen her hängt man natürlich an den Unternehmen, denen der ökologische Gedanke Kernanliegen ist“, sagt er. „Vom Gesichtspunkt der Effizienz ist der gesamtwirtschaftliche Ansatz, wie beispielsweise die Bank Sarasin und SAM ihn fahren, geradezu genial. Wenn die Big Player antreten und sich um den Titel des Besten in Sachen Nachhaltigkeit streiten, dann hat das eine immense Wirkung.“ Eine Geldanlage sollte sich ohnehin nicht nur aus Investitionen in Pionierfirmen zusammensetzen. „Um das Risiko einzugrenzen, braucht man auch große Konzerne im Depot.“

Die Anlage soll sich natürlich lohnen. Mehrere Studien, unter anderem von der Bank Sarasin, belegen, dass die grüne Geldanlage nicht gleichzusetzen ist mit Renditeverzicht. Vor allem das Bemühen um Umweltschutz steigert den Unternehmenswert. Soziale Aspekte wirken sich noch kaum aus.

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