Interview: Grün ist nicht gleich grün

Die Namen von Ökofonds lassen oft keine Rückschlüsse auf die Anlagestrategie zu. „Öko“ heißt manchmal „nachhaltig“ und „Umwelttechnologie“ steht für alles Mögliche. Kathrin Graulich vom Öko-Institut sagt, was Anleger aus dem Wirrwar machen können.

Finanztest: Könnte man Ökofonds nicht der Einfachheit halber in eine hellgrüne und eine dunkelgrüne Variante unterscheiden?

Kathrin Graulich: Während es dem einen Anleger egal ist, wenn ein Ökofonds in die Automobilindustrie investiert, ist dies für andere Anleger unvorstellbar. Welche Umweltkriterien also wichtig sind, wird von jedem anders definiert. Dennoch sollten Ökofonds bestimmte Mindestkriterien erfüllen, damit auch wirklich „öko“ drin ist, wo es drauf steht.

Finanztest: Die unterschiedlichen Bezeichnungen stiften Verwirrung. Gibt es auch Ökofonds, die gar keine sind?

Kathrin Graulich: Umwelttechnologiefonds würde ich zum Beispiel eher als „klassische“ Branchenfonds bezeichnen. Die in den Fondsportfolios enthaltenen Unternehmen entwickeln zwar Technologien, die dazu beitragen, dass die Umwelt sauberer wird. Wie sie das machen, spielt aber oft eine untergeordnete Rolle. Es kann durchaus sein, dass sich der Nutzen der Technologie und die Umweltauswirkungen durch die Herstellung kompensieren.

Finanztest: Ist grüne Geldanlage eine Erfolgsstory?

Kathrin Graulich: Gemessen am Zuwachs auf jeden Fall: Gegenüber dem Jahr 1999 hat sich das Vermögen in Ökofonds vervierfacht. Am meisten kann aber der Anleger selbst zum Erfolg beitragen: Je öfter ökologische Geldanlagen nachgefragt werden, desto mehr stehen die Banken und Versicherungen unter Zugzwang. Wer sich zum Beispiel gerade ­Gedanken über die private Altersvorsorge macht, sollte sich einen Vertragspartner suchen, der sein Geld ökologisch anlegt.

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