ÖPNV im Vergleich Große Unterschiede bei Preisen und Tarifzonen

ÖPNV im Vergleich - Große Unterschiede bei Preisen und Tarifzonen
Kostenfrage. Die Fahrt mit der Tram kann in Berlin deutlich teurer sein als in anderen Städten. © Getty Images / alvarez

Die Preise im ÖPNV unterscheiden sich stark, wie ein Vergleich des ADAC von 21 deutschen Groß­städten zeigt. Auch außer­halb Deutsch­lands sind die Unterschiede groß.

Große Preisspanne bei Wochen- und Monats­karten

Der ADAC hat die Ticketpreise für den öffentlichen Personennahverkehr in 21 deutschen Groß­städten verglichen. Die größten Differenzen gab es demnach bei Wochenkarten. Die Preise unterscheiden sich teil­weise um über 100 Prozent. Berlin ist mit 36 Euro am teuersten und München am güns­tigsten. Eine Wochenkarte für den Innen­stadt­bereich kostet dort nur 17,80 Euro.

Angebote schwer vergleich­bar

Der Geltungs­bereich für die Berliner Wochenkarte erstreckt sich allerdings über das gesamte Stadt­gebiet bis kurz vor den Flughafen Berlin Brandenburg (BER), 26 Kilo­meter außer­halb des Stadt­kerns. Die Wochenkarte, die der ADAC für München heran­zieht, deckt nur das innere Stadt­zonen­gebiet ab. Wirk­lich vergleich­bar sind die Angebote daher nicht. Wer von der Münchener Innen­stadt bis in das Tarifzonen­gebiet des 36 Kilo­meter entfernten Flughafens fahren will, zahlt pro Woche mehr als 60 Euro.

Teure Monats­karten in Hamburg

Auch bei den Monats­karten ist München laut ADAC mit 57 Euro günstig. In Hamburg hingegen zahlen Bus- und Bahnfahrende fast das Doppelte – 112,80 Euro. Dafür können sie aber von Wedel bis ins rund 50 Kilo­meter entfernte Groß­hans­dorf fahren, während man in München mit der Karte für den Innenraum meist gerade mal halb so weit kommt, etwa von Pasing nach Unterföhring.

Moderater Preis­anstieg seit 2019

Positiv sei zu bewerten, dass es seit der letzten Unter­suchung 2019 nur moderate Preis­anstiege gegeben habe, teilt der ADAC mit. Je nach Ticketart lagen sie zwischen 1,33 und 5,11 Prozent. Einzelne Ticketarten seien zum Teil sogar güns­tiger geworden, etwa in Biele­feld, Bremen, Frank­furt oder Karls­ruhe. Nürn­berg hat seine Preise im Vergleich zu 2019 gar nicht angepasst.

In einigen Städten ist die Fahr­radmitnahme kostenlos

Fahr­radfahre­rinnen und Fahr­radfahrer in Frank­furt, Hamburg und Hannover können ihr Gefährt unentgeltlich mitnehmen. In vielen anderen Städten ist für den Draht­esel ein eigenes Ticket erforderlich – erhältlich als Einzel­fahrt oder Tages­karte.

Tages­karte nicht immer gleich lang gültig

Stich­wort Tages­karte: In einigen Städten sind die Tage kürzer als in anderen. Manche Tages­tickets gelten 24 Stunden, während die Fahr­erlaubnis in anderen Städten bereits zum Betriebs­schluss des Folg­etages endet. In Stutt­gart beispiels­weise gilt das Tages­ticket nur bis zum nächsten Morgen um sieben Uhr .

Ticket­preise hängen von Förderung ab

Mit verantwort­lich für die verschiedenen Ticket­preise in deutschen Städten sind die großen Unterschiede in der Finanzierung der jeweiligen Verkehrs­verbünde. Deutsch­land sei von einheitlichen Ticket­preisen „noch meilenweit entfernt“ kritisiert der ADAC. Das liege an der Preis­politik der Kommunen und an der unterschiedlichen Förderung durch Bund, Länder und Kommunen.

Tarifzone ist nicht gleich Tarifzone

Auch zwischen europäischen Groß­städten gibt es im ÖPNV große Preis­unterschiede, wie eine Recherche der Stiftung Warentest für die Innen­stadt­bereiche belegt.

Wien. Eine Wochenkarte in Wien ist mit 17,10 Euro zwar günstig, gilt aber nur für die Wiener Kernzone und ist ausschließ­lich von Montag bis Montag gültig.

London. Das Wochenti­cket kostet hier 43,26 Euro und deckt zwei Tarifzonen ab. Obwohl er nur 22 Kilo­meter vom Big Ben entfernt ist, erreicht man den Flughafen Heathrow damit noch lange nicht. Dieser liegt in Tarif­gebiet sechs.

Stock­holm. Für einen vergleich­baren Preis (41,54 Euro) kann in Stock­holm die gesamte Stadt befahren werden, auch der 42 Kilo­meter entfernte Flughafen ist mit dem Ticket per Busverbindung erreich­bar. Das ist mit Umsteigen und etwa einer Stunde Fahrt­zeit zwar nicht die bequemste Option, dafür aber güns­tiger als zehn Euro extra für den Arlanda Express zu zahlen. Der braucht nur 20 Minuten bis zum Flughafen.

Paris. Auch hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Reisende können für 22,80 Euro – plus 5 Euro für die Erst­ausstellung des Tickets – alle Tarifzonen mit Bus und Bahn befahren. So lassen sich Reisehigh­lights wie Ver­sailles oder Disneyland günstig ansteuern. Achtung: Das Ticket zum Aufladen ist aber nichts für Spontane – wer es kaufen möchte, benötigt ein Pass­foto.

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