Nuss­schokolade Test

Nuss an Nuss. Das gilt nicht für jede Tafel. Der Nuss­gehalt im Test reicht von 9 bis 31 Prozent.

Die Edelmarken Lindt, Feodora, Hachez und Swiss + Confisa sind eher teuer, aber ein Genuss. Rapunzel, [Passage gelöscht *] und K-Classic sind mangelhaft.

Mal verzaubert zart schmelzende Schokolade, mal krachen geröstete Haselnüsse – Stück für Stück eine Über­raschung. Nuss­schokolade ist eine der beliebtesten Schoko­laden­sorten der Deutschen.

Voll auf die Nuss oder nur ein biss­chen – vorgeschrieben ist der Nuss­anteil in der Schokolade nicht. Jeder Hersteller darf frei entscheiden, wie er sie bestückt. Die Tafel Lindt zum Beispiel besteht zu 31 Prozent aus ganzen Haselnüssen, Alpia von Stoll­werck nur zu 9 Prozent aus Nuss­stück­chen.

Auch sonst sorgen die Anbieter für individuelle Eindrücke. Keine andere ist so cremig wie die Lindt-Schokolade, sie schmeckt nach Milch, deutlich nach Vanille und aromatisch nach Haselnuss. Die Tafeln von Feodora und Hachez haben kräftige Haselnuss- und Kakao­noten, der Kakao ist zudem aromatisch. Swiss + Confisa lockt mit kräftigem Milch­geschmack und aromatischen Haselnüssen. So verschieden die vier auch sind, im Test glänzen sie alle mit sehr guten sensorischen Beur­teilungen.

Insgesamt 26 Schoko­laden mit ganzen und mit gehackten Nüssen haben wir untersucht – nicht nur auf Aussehen, Geruch, Geschmack und Mund­gefühl, sondern etwa auch auf Keime, Schimmelpilzgifte, Pestizide, Kadmium, poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe und Mineralöle.

Im Test schneiden 9 Schoko­laden gut ab, 10 befriedigend, 4 ausreichend. [Passage gelöscht *]

[Absatz gelöscht *]

Probleme bei K-Classic und Rapunzel

Ein Mangelhaft bekommt die Schokolade K-Classic von Kauf­land aus ähnlichem Grund. Auch ihr Etikett führt mit einer unwahren Aromaangabe in die Irre: Die Schokolade enthielt nicht nur „Vanilleextrakt“, sondern auch synthetisches Vanillin.

Rapunzel hat ebenfalls keine korrekte Zutaten­liste. Wir fanden 28 Prozent weniger Haselnüsse als angegeben. Und die Angabe von Voll­rohr­zucker und Rohr­zucker als Haupt­zutaten – vor Voll­milch­pulver – stimmt nicht. Sie passt nicht zum gemessenen Gesamt­zucker­gehalt.

Reklamation möglich

[Produkt gelöscht *], K-Classic, Rapunzel – wegen Irreführung hätten die Nuss­schoko­laden nicht verkauft werden dürfen. Juristisch ausgedrückt: Sie sind so nicht verkehrs­fähig. Ein Rück­ruf ist aber nicht nötig, da kein Gesund­heits­risiko besteht.

„Grund­sätzlich können Verbraucher bei Etiketten­schwindel Lebens­mittel im Handel reklamieren, am besten mit Kassenbon“, sagt Sabine Holz­äpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württem­berg. Bei Nicht­verkehrs­fähig­keit habe der Verbraucher ein Recht auf einwand­freie Ware. Inwieweit Händler einer Reklamation nach­kommen, hängt vom Einzel­fall ab.

Kaum Mineralöle in Nuss­schokolade

Aus Kulanz nahmen im Dezember 2012 manche Anbieter die Advents­kalender zurück, in deren Schokolade die Stiftung Warentest Mineralöle nachgewiesen hatte. Vor allem aromatische Mineralöle gelten als möglicher­weise krebs­er­regend und sollten gemäß Bundes­institut für Risiko­be­wertung in Lebens­mitteln vermieden werden. Mineralöle können auf Lebens­mittel übergehen, vorrangig auf trockene mit großer Oberfläche und fett­reiche wie Schokolade.

Auch Nuss­schokolade ist nicht frei davon. In fast allen Produkten wiesen wir kritische aromatische Mineralöle nach, aber deutlich weniger als in der Kalenderschokolade 2012: maximal ein Sechstel – und zwar bei den Nuss­schoko­laden von Aldi (Nord), Gepa und Norma. Die als weniger kritisch geltenden gesättigten Mineral­ölfraktionen waren in allen Produkten nach­weisbar. Wir fanden im Vergleich zum Vorjahr aber nur maximal ein Drittel der Menge. Das Schad­stoff­urteil fällt für keine Schokolade im Test schlechter als befriedigend aus.

Die Schoko­laden­industrie forscht nach eigenen Angaben intensiv, wie sie Mineralöle in Produktion und Lieferkette verringern kann. Mögliche Eintrags­quellen sind Jutesäcke, Trans­portfahr­zeuge, Maschinenöle, mineral­ölhaltige Druck­farben auf Packungen und im Recycling­papier. Im Mai 2013 legte das Bundes­verbraucher­schutz­ministerium den zweiten Entwurf einer Mineralöl-Verordnung vor. Sie soll helfen, aromatische Mineralöle in Lebens­mitteln zu begrenzen. Doch es reicht nicht, wenn nur Deutsch­land reagiert. Der Markt ist interna­tional, damit sind Mineralöle in Lebens­mitteln ein globales Problem.

Viele Nüsse ohne Schimmelpilzgift

Nuss­schokolade Test

Gold­nuss. Nuss­schokolade mit ganzen Nüssen ist relativ teuer.

Auch Haselnüsse können die Schokolade mit problematischen Substanzen belasten: mit krebs­er­regenden Aflatoxinen. Wenn Nüsse falsch lagern und sich Schimmelpilze bilden, entstehen diese Gifte. Nach­weisbar waren Aflatoxine nur bei K-Classic von Kauf­land, ja! von Rewe und Trumpf Schogetten. Den zulässigen Höchst­gehalt für Nüsse von 5 Mikrogramm pro Kilogramm unter­schreiten sie aber deutlich. Ihre Schad­stoff­urteile lauten befriedigend.

Spuren von Mandeln

Schät­zungs­weise jeder zehnte Deutsche reagiert auf Haselnüsse mit allergischen Symptomen: von Hautkribbeln bis zum Schock. Betroffene sollten Schokolade mit Haselnüssen meiden. „Auch wer auf andere Nuss­arten allergisch ist, sollte aufpassen. Es können immer Spuren vorkommen“, sagt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asth­mabund. Der Test zeigt: Sechs Schoko­laden enthielten Spuren von Mandeln. Die können unbe­absichtigt hinein­gelangen, wenn der Betrieb auch Mandeln verarbeitet. Auf den Packungen haben die Hersteller korrekt vor dem Risiko gewarnt. Die Edeka-Schokolade Gut & Günstig enthält jedoch mehr als nur Spuren von Mandeln. Mit 139 Mikrogramm pro Kilogramm Schokolade ordnen wir sie nicht mehr als Spuren ein. Erdnüsse indes waren nicht nach­weisbar.

586 Kilokalorien pro Tafel

Reinbeißen und sich Gutes tun: Haselnüsse liefern B-Vitamine, mehr­fach ungesättigte Fett­säuren, Magnesium und viel Energie – 644 Kilokalorien pro 100 Gramm. Eine Tafel Nuss­schokolade hat im Mittel 586 Kilokalorien, ähnlich wie Milch- und Bitterschokolade. Der Kakao liefert Flavonoide fürs Herz und lässt Glücks­hormone entstehen.

Edelschokolade nicht immer edel

Sechs Tafeln heißen Edel-Voll­milch­schokolade. Feodora weist auf Edelkakaobohnen hin. Edelkakao muss aus bestimmten Anbauländern kommen, viele davon in Mittel- und Südamerika. Farbe und Geschmack sollen einzig­artig sein. Der Kakao in Edelschokolade muss zu mindestens 40 Prozent aus Edelkakao bestehen. Edlen Geschmack garan­tiert das nicht. Bei Karina und Netto Marken-Discount/Goutier ist der Kakao gar aromaarm. Immerhin halten alle Schoko­laden die Mindest­kakao­anteile ein: 25 Prozent bei Milch- und 30 Prozent bei Voll­milch­schokolade. Am meisten Kakao hat Hachez mit 41 Prozent.

Auch die Milch­anteile stimmen – mindestens 14 Prozent müssen es bei Milch-, 18 Prozent bei Voll­milch­schokolade sein. Milch kommt nur als Pulver in die Schokolade. Stammt die Milch aus den Alpen oder der Alpen­region, darf damit geworben werden.

Die bittere Seite der Schokolade

Nuss­schokolade Test

Der meiste Kakao für den deutschen Markt stammt von der Elfen­beinküste. Medien prangern immer wieder Miss­stände im Kakao­anbau dort an – Kinder­arbeit, Ausbeutung, schlechte Bezahlung. „Die Einkommen der Bauern sind nied­rig. Oft müssen ihre Kinder mitarbeiten, können nicht zur Schule gehen“, sagt Friedel Hütz-Adams vom Institut für Ökonomie und Ökumene Südwind.

Auf 15 Nuss­schoko­laden stehen Fairtrade- oder Nach­haltig­keits­siegel. Sie versprechen, dass der Kakao nach sozialen und oft auch ökologischen Mindest­stan­dards produziert wird. Die häufigsten Siegel im Test: das sozial orientierte Fairtrade-Siegel und Utz Certified. Utz bedeutet in der Maya-Sprache gut – es setzt auf Weiterbildung der Kakao­bauern, damit ihre Erträge und so ihre Einkommen steigen. „Jedes Siegel hat Stärken und Schwächen“, sagt Hütz-Adams. Sie können die Probleme aber auch nur in Ansätzen lösen. Mehr Erfolg versprechen sich Politik, Wirt­schaft und Nicht­regierungs­organisationen von gemein­samen Aktionen. In Deutsch­land wurde 2012 das „Forum nach­haltiger Kakao“ gegründet, um europäische Nach­haltig­keits­stan­dards zu entwickeln. Zurzeit stammen nur etwa 5 Prozent des welt­weit verkauften Kakaos aus nach­haltiger Produktion (mehr dazu: www.test.de/Schoko-Nachhaltigkeit).

Keine Haselnuss­schokolade besteht voll­ständig aus fair gehandelten Zutaten. Den höchsten Anteil weist Gepa mit 74 Prozent aus. Wie manche andere Zutat gibt es Haselnüsse nicht aus nach­haltigem Handel. Da ist noch viel zu tun. Aktuell steht die Haselnuss­produktion im Haupt­anbau­land Türkei wegen Kinder­arbeit in der Kritik. Auch das gehört zur bitteren Seite der Nuss­schokolade.

*) Das Ober­landes­gericht München hat entschieden, dass die Stiftung Warentest bestimmte Aussagen zum Aroma­stoff Piperonal in der Schoko­laden­sorte Ritter Sport Voll-Nuss weiterhin nicht treffen darf. Deshalb sind in diesem Artikel einige Passagen gelöscht.

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