Notebooks und Ultra­books Test

Für die Arbeit unterwegs sind leichte Ultra­books besser optimiert als große Notebooks. Die fühlen sich zuhause auf dem Schreibtisch am wohlsten.

Früher Morgen im Flughafen-Terminal. Gleich ist der Kunden­termin, aber die Präsentation ist noch nicht fertig. Kein Problem: Beim doppelten Espresso in der Flughafen­bar sind Text­happen und Grafiken schnell zusammen­geklickt. Das leichte, leistungs­starke Ultra­book ist dafür perfekt.

Feier­abend zuhause. Im Arbeits­zimmer im Dach­geschoss wird nur selten gearbeitet, eher gespielt und gebastelt. Zum Beispiel am Video der Familien­feier. Das bekommen dann alle auf DVD. Dafür ist ein solides Notebook unge­schlagen.

Smartphones und Tablets mögen die Hosentaschen und Sofas der Welt erobern. Aber für kreative Aufgaben ist ein richtiger Rechner mit richtiger Tastatur, kräftigem Prozessor und mächtigem PC-Betriebs­system besser geeignet. Wir haben vor allem zwei Rechnertypen geprüft: elf Mittel­klasse-Notebooks um 650 Euro und fünf Ultra­books um 1 000 Euro – alle mit aktuellem Wind­ows-8-Betriebs­system.

Teurer Außenseiter an der Spitze

Notebooks und Ultra­books Test

Wandel­bar. Mitzurück­geklapptem Display wird das Touchs­creen-Ultra­book von Lenovo zum Wind­ows-8-Tablet.

Den Spitzen­platz belegt ein Außenseiter: das MacBook Pro von Apple. Mit 1 700 Euro gehört es freilich in eine andere Preisklasse und spricht mit dem Apple-Betriebs­system Mac OS X eine eigene Fangemeinde an. Das kleinere und güns­tigere MacBook Air hat im Vortest (test 07/2012) gut abge­schnitten. Ein weiterer Exot im Test ist das Lenovo IdeaPad Yoga 13. Es versucht mit einem um 360 Grad klapp­baren Touchs­creen den Spagat zwischen Ultra­book und Tablet.

Die Notebooks im Test sind um die 38 Zenti­meter breit, 3 bis 4 Zenti­meter dick und wiegen um die zwei­einhalb Kilo. Auch wenn sie prinzipiell als Mobil­rechner ausgelegt sind, werden die meisten den Schreibtisch zuhause nur gelegentlich verlassen. Ultra­books passen mit 32 bis 34 Zenti­meter Breite besser auf den Klapp­tisch im Flugzeug oder ICE und fallen mit ein bis eineinhalb Kilo beim Herum­tragen weniger ins Gewicht als ihre kräftigen Kollegen.

Auch Ultra­books rechnen schnell

Die Zeiten, in denen ihre kompakte Bauform mit deutlichen Einbußen bei der Rechen­leistung einherging, sind vorbei. Die Haupt­prozessoren der Ultra­books stehen denen der Notebooks kaum nach. Diese verfügen aber zusätzlich noch über leistungs­fähige Grafikchips mit eigenem Speicher. Damit eignen sich die Notebooks erheblich besser für flotte 3D-Spiele.

Schnell und leise dank SSD

In der Disziplin „Büro­anwendungen“ macht den Ultra­books im Test keiner etwas vor. Das liegt weniger am Prozessor als an der Technologie für den Daten- und Programm­speicher: Wo die Notebooks klassische Fest­platten­lauf­werke haben, sitzen bei den Ultra­books „Solid State Drives“ (SSD). Das sind Speicherchips, die denen in Speicherkarten von Digitalkameras ähneln. Vorteil: SSD-Lauf­werke arbeiten lautlos und sind erheblich schneller als Fest­platten. So brauchen die Ultra­books zum Hoch­fahren des Systems kaum länger als 10 Sekunden. Die Notebooks gönnen sich 30 bis 40 Sekunden Zeit. Noch größer sind die Unterschiede beim Kopieren von Dateien: An einem komplexen Ordner werkeln die Notebooks mit ihren Fest­platten zwischen 10 und 40 Sekunden, die Ultra­books fertigen die Kopie in rund 3 Sekunden.

Fest­platten bieten mehr Speicher

Nachteil der schnellen Chipspeicher: Sie sind teurer und bieten weniger Platz als Fest­platten. Die Notebooks bringen üppige 500 bis 1000 Gigabyte Speicher­platz mit, die Ultra­books nur 128 bis 256 Gigabyte. Sie sind eben mehr als mobile Ergän­zung zu Schreibtisch-PC und Firmennetz­werk ausgelegt denn als heimischer Haupt­rechner. Wer ein Ultra­book als einzigen PC nutzen will, wird größere Musik-, Foto- und Video­samm­lungen auf eine externe Fest­platte auslagern müssen. Wer auch mit optischen Speichermedien hantiert, muss einen externen DVD-Brenner anschaffen. Den haben Ultra­books nämlich auch nicht.

Fast alle Displays spiegeln

Die auffälligsten Qualitäts­unterschiede zeigen sich bei Displays und Akkus. Ärgerlich: Die meisten Bild­schirme spiegeln und nerven bei heller Umge­bung mit Reflexionen. Nur Medion und Samsung spendieren ihren Notebooks wie auch Toshiba seinem Ultra­book matte Schirme. Die Ultra­book-Displays von Asus und Samsung sind immerhin entspiegelt. Tendenziell bieten die Ultra­books die besseren Bild­schirme. Die meisten von ihnen sind heller, etliche haben eine höhere Auflösung als die Displays der Notebooks. Die von Asus und Dell punkten zudem mit einem sehr großem Betrachtungs­winkel.

Dauer­läufer im Stromspar­betrieb

Auch bei den Akku­lauf­zeiten leisten Ultra­books mehr als Notebooks – zumindest bei geringer Nutzung: Beim Surfen im Internet mit aktiven Stromspar­funk­tionen schaffen Samsung und Toshiba weit über acht Stunden. Bei leistungs­hung­rigen Anwendungen wie dem Abspielen einer DVD per externem Lauf­werk schrumpft auch die Lauf­zeit der Ultra­books auf rund drei Stunden. Hier ist Apples MacBook Spitze: Auch bei intensiver Nutzung hält sein Akku über fünf­einhalb Stunden. Doch ist er beim MacBook wie bei den Ultra­books nicht vom Anwender, sondern nur in der Werk­statt wechsel­bar. Nach­haltig ist das nicht.

Kontinuität oder Wind­ows 8

Dafür setzt Apple bei seinem Betriebs­system Mac OS X auf eine behut­same Entwick­lung. Wer vor vier oder fünf Jahren einen Mac gekauft hat, wird mit einem neuen MacBook ohne größere Einarbeitung zurecht­kommen. Microsoft hat viele Nutzer beim aktuellen Windows 8 dagegen mit einem neuen und nicht sehr schlüssigen Bedienkonzept verunsichert. Inzwischen hat man in der Konzern­zentrale in Redmond zwar ein Update namens Wind­ows 8.1 angekündigt. Doch die selt­same Spaltung von Wind­ows 8 in eine Kachel- und eine klassische Desktop-Oberfläche wird wohl auch Wind­ows 8.1 nicht aufheben. Die Sache lässt sich aber mit kostenloser Software ganz gut lösen (siehe unten: „Windows 8 von Kacheln befreien“).

Ultra­book mit Tablet-Modus

Notebooks und Ultra­books Test

Klapp­bar. Die Tastatur des Lenovo IdeaPad Yoga 13 lässt sich um 360 Grad nach hinten klappen.

Einen anderen Umgang mit der gespaltenen Persönlich­keit von Wind­ows 8 versucht Lenovo mit seinem IdeaPad Yoga 13: Auf den ersten Blick ist es ein ganz normales Ultra­book mit Tastatur und Track­pad. Doch sein Bild­schirm ist berühr­empfindlich und lässt sich komplett nach hinten klappen. Damit wird das Yoga zu einem – allerdings 1,5 Kilo schweren – Tablet. So macht es das Beste aus der touch-optimierten Kachel­oberfläche von Wind­ows 8.

Wirk­lich interes­sant ist diese Hybridlösung aber wohl nur für Nutzer, die beide Spiel­arten in einem Gerät vereinen wollen. Für den Preis von 1 280 Euro gäbe es auch schon ein ordentliches Notebook für den Schreibtisch und zusätzlich ein iPad oder Android-Tablet fürs Sofa.

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