Notebooks, gebraucht Test

Ungenaue Beschreibungen und schwache Akkus: Business-Notebooks aus zweiter Hand lohnen meist nicht. Denn neue Geräte sind nicht viel teurer.

Sie sind die Arbeitstiere unter den Notebooks und gelten als besonders solide: Gute Displays, starke Akkus, robuste Tastaturen, zuverlässige Technik ohne Schnickschnack – Business-Notebooks sind maßgeschneidert für den harten Arbeitseinsatz. So viel Qualität hat ihren Preis. Diese Rechner kosten neu bis zu 2 500 Euro und mehr. Alle drei bis vier Jahre ersetzen Firmen und Geschäftsleute im Schnitt ihre Hardware. Die Gebrauchten sind dann bei spezialisierten Händlern für einen Bruchteil des Neupreises zu haben und beliebtes Objekt bei Schnäppchenjägern oder Einstiegsrechner für Schüler und Studenten.

Wir haben deshalb exemplarisch bei sechs Onlineshops (siehe „So sind wir vorgegangen“) zehn gebrauchte Business-Notebooks bestellt, darunter je dreimal Dell und IBM sowie je zwei Notebooks der Marken Fujitsu Siemens und HP. Die Gebrauchten kosteten zwischen 320 und 510 Euro. Der rapide Preisverfall der vergangenen Jahre und die enormen Leistungszuwächse aktueller Notebooks sprechen aber auch für einen Neukauf. Zum Vergleich haben wir auch drei neue Notebooks von Acer, Asus und Compaq (siehe Tabelle) für 445 und 500 Euro im Handel eingekauft.

Beulen und Dellen verschwiegen

Die Artikelbeschreibungen auf den Internetseiten der Onlineshops reichten von drei Zeilen Stakkato-Aufzählung bis zu einer eine DIN-A4-Seite langen Liste mit exakten technischen Daten des jeweiligen Geräts. Über den wirklichen Zustand, das Alter des Geräts und den früheren Neupreis erfährt der Kunde jedoch nichts. So preist quant­electronic den Zustand des von uns bestellten Dell-Notebooks als „einwandfreie Gebrauchtware“ an. Beim Auspacken des Notebooks stellen wir aber eindeutig eine Delle auf dem Deckel fest. Auch die fleckigen Stellen auf dem Display wurden nicht erwähnt.

Ähnliches erlebten wir bei TodaysBest, die Beule am linken Lautsprecher des HP-Notebooks wird in der Beschreibung verschwiegen. Das abgebildete Foto wirkt eher wie ein Werbebild vom Gerätehersteller als das eines gebrauchten Notebooks.

Notebooks, gebraucht Test

Keine Seltenheit: Abgenutzte Tastaturen bei den gebrauchten Notebooks.

Klar ist, dass die Notebooks benutzt sind. Diverse Gebrauchsspuren wie Kratzer im Gehäuse oder speckige Tastaturen sind fast unvermeidlich. Bei einer Delle könnte die Ursache aber auch ein Sturz sein. Ob das Innenleben des Geräts dabei gelitten hat, lässt sich kaum sagen. Hält das Notebook dann auch mehr als ein halbes Jahr durch, ist der Käufer in der Beweislast. Dann muss er den Beweis erbringen, dass der Mangel am Gerät schon beim Kauf existiert hat. In den ersten sechs Monaten wird die Schuld beim Verkäufer vermutet.

Tipp: Sehen Sie sich das gebrauchte Notebook sofort nach der Lieferung genau an. Stellen Sie Beulen, Pixelfehler, fleckige Displays oder lockere Scharniere fest, informieren Sie den Verkäufer über die Schäden. Gleiches gilt für fehlendes Zubehör. Kann der Verkäufer die Mängel nicht beseitigen, machen Sie von Ihrem Widerrufsrecht Gebrauch (siehe „Interview“).

Schlappe Akkus bei Neuen und Alten

Notebooks, gebraucht Test

Neuer und alter Akku:Die nachgekauften Akkus waren keine Originalakkus. Denn oft bieten die Hersteller keine mehr an.

Die Akkus der aktuellen Notebookgeneration machen, das zeigten unsere Notebooktests mehrfach, die Nutzer nicht wirklich mobil. Nur das neue Acer-Notebook schafft es, eine DVD zwei Stunden lang ohne Unterbrechung abzuspielen. Bei den gebrauchten Geräten schwankt die Leistung von knapp einer Stunde bis zu 111 Minuten.

Für jedes gebrauchte Notebook im Test haben wir noch einen Ersatzakku gekauft, Kostenpunkt pro Akku: zwischen 62 und 99 Euro. In zwei Fällen, bei IBM und Fujitsu Siemens, erhöhte sich mit dem neuen Akku die Laufzeit deutlich auf bis zu drei Stunden. Bei allen anderen Geräten lag die Leistung der gebrauchten und der neuen Akkus jedoch dicht beieinander. Von den Business-Notebooks hätten wir mehr erwartet. Eine Akkuladung reicht also auch bei den gebrauchten Geräten kaum für einen Zweistunden-Spielfilm auf DVD.

Tipp: Moderne Lithiumionen-Akkus erbringen oft über längere Zeit eine stabile Leistung. Doch diese Leistung kann, je nach Akku und Benutzung, rapide abbauen, wenn der Akku älter als zirka drei Jahre ist. Informieren Sie sich deshalb vor dem Kauf eines gebrauchten Notebooks über Verfügbarkeit und Preise von Ersatzakkus.

Betriebssystem nicht inklusive

Notebooks, gebraucht Test

Die mitgelieferte Windows XP-CDwar kein Original. Der Zahlencode (Windows Key) für Windows XP auf dem beiliegenden, abgenutzten Aufkleber war es aber.

Einschalten und Loslegen ist bei den gebrauchten Notebooks eher die Ausnahme. Bei allen drei Dell-Geräten konnte gar kein vorinstalliertes Windows-Betriebssystem mitbestellt werden. Bei zweien lag jedoch der Lizenzschlüssel für Windows (Windows Key) bei. Und bei manchen anderen mit Windows ausgelieferten Notebooks fehlten die Gerätetreiber-CDs.

Der Kunde muss sich dann zuerst einmal ein Betriebssystem beschaffen. Als Nächstes braucht der Käufer einen weiteren Computer mit Internetzugang, um sich auf der Internetseite des Herstellers die notwendigen modellspezifischen Gerätetreiber her­unterzuladen. Die Treiberauswahl klappt mit der Eingabe der Notebookbezeichnung meist ohne große Probleme. Doch das Suchen und Her­unterladen der diversen Treiber kann je nach Internetverbindung Stunden dauern, bis es dann endlich gelingt, das Betriebssystem zu installieren und das Notebook in Betrieb zu nehmen.

Viel sicherer und bequemer ist es, wenn wie bei den anderen gebrauchten Notebooks das Betriebssystem Windows XP inklusive Treiber und Erweiterungen schon installiert ist. Denn dieser Service kostet den Kunden extra. Für Windows XP bezahlten wir noch einen Aufpreis zwischen 64,99 Euro (ETF) und 119 Euro (Harlander) .

Tipp: Kalkulieren Sie Preis und Aufwand für ein notwendiges Betriebssystem bei den Angeboten mit ein. Achten Sie auch dar­auf, ob Treiber installiert sind oder als CD mitgeliefert werden. Vergleichen Sie auch die Preise für Windows XP, die je nach Shop stark schwanken. Wer sich stattdessen für das öffentlich erhältliche und kostenlose Betriebssystem Linux entscheidet, kann sich die Ausgabe sparen. Vorteil beim Neukauf: Bei den neuen Notebooks ist Windows Vista schon im Kaufpreis drin.

Fazit: Gebrauchte Notebooks sind im Vergleich zu preisgünstigen Neugeräten keine Schnäppchen. Wer über den Gebrauchtkauf nachdenkt, darf nicht zu viel erwarten. Zwischen aktuellen und den älteren Prozessoren, Grafikkarten, Anschlüssen und Zusatzausstattung wie drahtloses Netzwerk, Speicherkarteneinschub oder externer Monitoranschluss liegen oft Welten. Das wirkt sich bei Office-Programmen, beim Surfen im Internet, bei der Bildbetrachtung oder beim Abspielen von Filmen wenig aus, bei anspruchsvolleren Aufgaben wie Bildbearbeitung, Videoschnitt oder modernen Spielen sind die Oldies aber überfordert. Ansonsten aber halten sie hoffentlich lange genug durch, denn eine Reparatur wäre bei ihnen ein wirtschaftlicher Totalschaden.

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