Interview: Ihr Recht bei gebrauchter Ware

Lutz Wilde, Experte der Stiftung Warentest für Rechtsfragen, ist Redakteur bei Finanztest.

Welche Gewährleistungsansprüche gelten bei gebrauchter Ware?

Hat ein Gerät Mängel, die der Verkäufer zuvor nicht benannt hat, kann der Käufer dieselben Nacherfüllungsan­sprüche wie beim Kauf neuer Ware geltend machen. Zuerst muss er dem Verkäufer aber die Möglichkeit zur Nacherfüllung einräumen. Dabei kann der Käufer zwischen Reparatur und Neulieferung eines vergleichbaren gebrauchten Computers wählen. Nur wenn die gewählte Alternative für den Händler sehr teuer oder aufwendig ist, muss er die andere Alternative wählen. Klappt beides nicht, kann der Kunde vom Vertrag zurücktreten, den Kaufpreis mindern oder Schadenersatz verlangen.

Wann verjähren die Ansprüche?

Nacherfüllungsansprüche verjähren grundsätzlich nach zwei Jahren ab Übergabe der gekauften Sache. Geht es um gebrauchte Ware, darf der Händler die Frist auf ein Jahr beschränken. Weniger geht aber nicht.

Was muss der Käufer tun, um erfolgreich zu reklamieren?

Zeigt sich in den ersten sechs Monaten ein Mangel, ist es einfach. Ist der Kunde sicher, das Problem nicht selbst verursacht zu haben, kann er das Gerät zum Händler bringen. Nur wenn dieser beweisen kann, dass das Gerät zum Verkaufszeitpunkt genau so war wie vereinbart, ist er aus der Haftung. Nach dem ersten halben Jahr wird es für Kunden schwieriger. Dann müssen sie beweisen, dass das Gerät von Anfang an nicht vereinbarungsgemäß war.

Welche Besonderheiten gelten bei Onlinekäufen?

Kunden haben beim Onlinekauf ein Widerrufsrecht, ganz egal, ob das Gerät einen Mangel hat oder nicht. Die Frist zum Widerruf beträgt zwei Wochen und beginnt mit dem Tag, an dem die Ware ankommt. Hat der Händler über das Widerrufsrecht nicht vernünftig belehrt, beginnt die Frist erst, wenn der Händler das nachgeholt hat. Kaufen Kunden bei einem ebay-Händler, gilt nach Ansicht vieler Gerichte auch bei ordentlicher Belehrung eine längere Frist von einem Monat.

Und beim Kauf von Privatpersonen?

Eine Privatperson kann die gesetzliche Gewährleistungspflicht komplett ausschließen. Ein Freibrief zum folgenlosen Verkauf von Schrott ist das aber auch für Privatpersonen nicht. Ein Haftungsausschluss ist unwirksam, wenn das Notebook zu­gesicherte Eigenschaften nicht besitzt oder Mängel am Gerät arglistig verschwiegen wurden.

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