Notebook und Tablet in einem Special

Hybrid-Computer liegen voll im Trend. Die Misch­wesen sind so mobil wie ein Tablet und so leistungs­stark wie ein Notebook – jedenfalls behauptet das die Werbung. Doch sind die Hybriden wirk­lich eine voll­wertige und preisgüns­tige Zwei-in-eins-Lösung? test stellt verschiedene Hybridformen vor und beant­wortet die Frage, ob die neuen Zwittergeräte Notebooks und Tablets wirk­lich ersetzen können.

Aus dem Notebook wird ein Tablet

Voll­mond. Ein Mann zittert am ganzen Körper, sein Rücken wölbt sich, aus den Schultern sprießen lange Haare. Die Fingernägel dehnen sich aus, werden zu scharfen Krallen. Ein unheimliches Heulen hallt durch die Nacht. Ganz so spektakulär wie bei der Verwandlung eines Werwolfs geht es bei Hybrid-Computern nicht zu. Das Zwei-in-eins-Prinzip greift aber auch hier: Klappt der Nutzer die Tastatur auf die Rück­seite des Bild­schirms oder trennt er sie ganz ab, wird aus dem Notebook ein Tablet. Steckt er das Keyboard wieder an oder klappt es zurück in die Normal­position, verwandelt sich das Tablet in ein Notebook. Das jedenfalls versprechen die Anbieter. Sie werben damit, dass die Hybriden Tablets und Notebooks in sich vereinen. Für Kunden wäre das erfreulich. Sie brauchten künftig statt zwei Geräten nur noch eines zu kaufen und würden so Geld sparen. Doch sind Hybriden wirk­lich in der Lage, die Teilung zwischen Tablets und Notebooks aufzuheben? Und welche Geräte fallen über­haupt in die Hybrid-Kategorie?

Hybriden: Single oder gebunden?

Notebook und Tablet in einem Special

Wandel­bar. Immer mehr mobile Computer funk­tionieren als Tablet und als Notebook. Bei den Hybriden lässt sich die Tastatur meist entweder abziehen (Detach­ables) oder wegklappen (Convertibles).

Nicht jeder Computer, der eine Tastatur hat und halb­wegs mobil daher­kommt, ist auto­matisch ein Hybride. Ultra­books etwa oder Tablets mit externer Bluetooth-Tastatur gehören nicht in diese Kategorie. Hybriden sind vielmehr ein eigen­ständiger Produkt­typ, der sich in zwei Gruppen aufspaltet.

  • Gruppe 1: die Teil­zeit-Singles, im Fachjargon heißen sie Detach­ables. Abge­leitet ist der Name vom eng­lischen Verb „to detach“, auf Deutsch: abziehen. Bei Geräten wie dem Asus Trans­former Pad TF701T oder dem Dell Venue 11 Pro (Produktfinder Tablets) kann der Besitzer das Display von der Tastatur trennen und so die Tablet­einheit separat nutzen. Deshalb sind Detach­ables am ehesten mit Tablets verwandt.
  • Gruppe 2: die Unzer­trenn­lichen, auch Convertibles genannt (vom eng­lischen „to convert“ für umformen). Sie ermöglichen keine Trennung von Tastatur und Display, sondern nur eine Art Umbau. Bei Modellen wie dem HP Pavilion 11 und dem Lenovo Ideapad Yoga 11S (Test Notebooks und Ultrabooks, test 8/2014) kann das Keyboard auf die Rück­seite geklappt werden, sodass der Nutzer – wie bei einem Tablet – nur den Bild­schirm vor sich sieht. Die Geräte laufen oft mit Wind­ows und ähneln Notebooks.

Teil­zeit-Singles gegen Unzer­trenn­liche

Die Unterschiede zwischen den beiden Varianten sind erheblich. Die Teil­zeit-Singles (Detach­ables) sind mobiler, da sich ihr Display einzeln verwenden lässt. Das macht die Geräte relativ leicht und prädestiniert sie für die Nutzung unterwegs. Die Unzer­trenn­lichen (Convertibles) sind etwas behäbiger und schwerer. Dafür über­zeugen sie mit einer üppigeren Ausstattung. Deshalb liegen die Hybriden mit fester Bindung zum Beispiel in Sachen Arbeits­speicher und Steck­plätze vorn.

Teil­zeit-Singles gegen Notebooks

Notebook und Tablet in einem Special

Klappt nicht. Das Display des Lenovo Miix 2 lässt sich nicht kippen. Bei Notebooks ist das kein Problem.

Detach­ables kommen Tablets recht nah, sollen aber auch Notebooks über­flüssig machen. Im direkten Vergleich sind ihre Hard­ware-Defizite allerdings nicht zu über­sehen: Notebooks sind erheblich stärker, wenn es um Prozessor­leistung, Arbeits­speicher und Speicher­platz geht. Auch das Wieder­aufladen des Akkus funk­tioniert bei ihnen schneller als bei Detach­ables. Zudem bieten Laptops oft einiges, was Hybriden fehlt: ein DVD-Lauf­werk, eine zusätzliche Grafikkarte und Extra-Arbeits­speicher für grafisch anspruchs­volle Anwendungen wie etwa 3D-Spiele. Ein weiterer Vorteil von Notebooks: Das Display lässt sich so kippen, wie der Nutzer es braucht. Das haben nicht alle auseinander­nehm­baren Hybriden drauf. Beim Lenovo Miix 2 zum Beispiel ist der Aufstell­winkel des Displays nicht änder­bar.

Weiterhin haben die Prüfer bei zwei Detach­ables Stabilitäts­defizite fest­gestellt, wie sie bei Notebooks kaum vorkommen. Das Asus Trans­former Book stürzt regel­mäßig ab, wenn der Nutzer das Gerät zuvor herunter­gefahren hat, statt nur das Display auszuschalten. Beim Lenovo Miix 2 sind Display und Tastatur zu locker verbunden, sodass eines der Teile sich ungewollt lösen und herunter­fallen kann. Auch funk­tioniert nach dem Koppeln die Tastatur manchmal nicht richtig.

Die Single-Hybriden sammeln aber auch Plus­punkte gegen­über Notebooks: Sie sind wesentlich leichter. Selbst das schwerste, das Dell Venue 11 Pro, kommt im Tablet-Modus nur auf 770 Gramm. Die klassischen Notebooks aus dem August-Test wiegen alle mehr als 2 Kilogramm. Außerdem halten die Akkus der Detach­ables oft länger als die von Notebooks. Das gilt insbesondere für Hybriden, die in der Tastatur einen Zusatz­akku haben – etwa das Asus Trans­former Pad und das Dell.

Unzer­trenn­liche gegen Tablets

Tutorial: Tastatur am iPad nutzen

Tablets lassen sich mit einer Bluetooth-Tastatur erweitern. Wie das geht, zeigt das Video am Beispiel eines iPads.

Convertibles wirken fast wie Notebooks, sollen aber auch Tablets ersetzen. Was die Ausstattung betrifft, schaffen sie das auch locker. Zudem stehen für viele von ihnen effektive Büro­programme wie Microsoft Office zur Verfügung, die es für die meisten Tablets nicht gibt. Ein weiterer Vorteil: Da das Gros der unzer­trenn­lichen Hybriden mit Wind­ows läuft, haben sie meist keine Kompatibilitäts­probleme mit heimischen Wind­ows-PCs, wie sie bei Android- und iOS-Tablets oft auftreten. Dank Wind­ows können die unzer­trenn­lichen Hybriden auch mehrere Programme gleich­zeitig anzeigen – das beherr­schen nur wenige Tablets mit anderen Betriebs­systemen.

Ebenfalls positiv: Bei den Hybriden sind Tablet­einheit und Tastatur aufeinander abge­stimmt. Bei Tablets kommt es hingegen vor, dass sie nicht auto­matisch das deutsche Layout einer externen Tastatur erkennen. So erscheinen mitunter Buch­staben, die der Nutzer gar nicht schreiben wollte.

Bei mehreren Punkten haben Convertibles aber gegen Tablets das Nach­sehen: Gerade in Sachen Mobilität ist es für sie aussichts­los, mit Tablets zu konkurrieren. Die feste Verbindung mit der Tastatur macht sie deutlich schwerer. Die Hybriden im Test Notebooks und Ultrabooks: Die besten mobilen Computer für Sie, test 8/2014, wogen zwischen 1,3 und 1,7 Kilogramm. Tablets kommen in der Regel nur auf 400 bis 700 Gramm. Auch die meist kürzere Akku­lauf­zeit der Hybriden schränkt ihre Mobilität ein.

Die unzer­trenn­lichen Hybriden zeigen außerdem Schwächen, wenn es um Software und Internetnut­zung geht: Viele auf Tablets übliche Apps gibt es für Convertibles gar nicht. Und beim Surfen im Netz verbrauchen sie größere Daten­mengen als Tablets, da sie meist nicht die mobilen Versionen der Internet­seiten ansteuern.

Duell der Systeme

Für viele Unterschiede zwischen den Hybrid­typen ist das jeweilige Betriebs­system verantwort­lich. Die wichtigsten Differenzen zwischen Android und Wind­ows haben die Prüfer im Produktfinder Tablets erklärt. Einzelne Geräte wollen das Beste aus beiden Welten kombinieren. So etwa das Asus Trans­former Book Trio TX201LA (Test Notebooks und Ultrabooks, test 8/2014): Im gedockten Zustand läuft es mit Wind­ows – entfernt der Nutzer die Tastatur, schaltet es auf Android um. An sich eine gute Idee. Doch die zwei Systeme harmonieren nicht. In Wind­ows begonnene Arbeiten lassen sich in Android nicht oder nur umständlich fortsetzen.

Wer beides will, muss beides kaufen

Sowohl die Teil­zeit-Singles (Detach­ables) als auch die Unzer­trenn­lichen (Convertibles) haben Vor- und Nachteile.Ausgereift wirken beide Varianten noch nicht. Detach­ables sind leistungs­schwächer als Notebooks, Convertibles weniger mobil als Tablets. Wer wirk­lich von den unterschiedlichen Vorteilen von Tablets und Notebooks profitieren will, muss weiterhin beide Geräte­typen kaufen.

Egal wie die Hybriden ihre Gestalt ändern, es gilt das volks­tümliche Sprich­wort aus Voll­mondnächten: „Der Wolf ändert das Haar, aber er bleibt, was er war.“

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