Schuhe, Stöcke, Kursgebühren – der Start in die neue Sportart Nordic Walking kann teuer werden. Wir zeigen, womit Sie nicht am Stock gehen.

Durch Deutschland geht ein Ruck. Schon über zwei Millionen Aktive – vor allem Frauen aller Altersklas­sen – beteiligen sich an der Trendsportart Nordic Walking. Kennzeichen sind zwei Stöcke, ähnlich denen, die winters bei Skilangläufern zum Einsatz kommen. Sie sind das eigentlich „Nordische“ am „Walking“, das in seiner ursprünglichen Form noch nicht am Stock ging. Geburtsort der neuen deutschen Fitnesswelle waren die Länder Skandinaviens, wo man auch im Sommer schon für die Skilanglaufsaison trainieren wollte.

100 bis 200 Euro für den Start

Für den neuen Sport gibt es spezielle Schuhe. Doch zunächst kann man auch mit stabilen Sport- oder Joggingschuhen erst einmal ausprobieren, ob man das flotte Gehen mit Stöcken wirklich mag. Wer es mit sportlichem Ehrgeiz betreibt, wird an einem speziellen Schuh nicht vorbeikommen. Wir haben die Ausstattung getestet: insge­samt 15 Schuhe und 14 Stöcke.

Bevor es mit neuem Material auf die Piste geht, heißt es zuvor, die richtige Wahl zu treffen: Die von uns für den Test gekauften Schuhe kosteten zwischen 15 und 120 Euro, die Stöcke 18 bis 90 Euro. Für beides kann man natürlich auch noch mehr ausgeben. Aber so zwischen 100 und 200 Euro dürfte der Nordic-Walking-Start schon kosten. Und da ein Grundkurs in der neuen Technik der Fortbewegung ratsam ist, kommen bei professionellen Trainern gern noch mal zwischen 60 und 90 Euro dazu. Das textile Outfit sollte locker und luftige Sport- oder Freizeitbekleidung sein. Alles in allem also kein ganz billiger Spaß – vor allem, wenn gleich die ganze Familie mitmacht.

Was Billigangebote taugen

Als wir die Produkte für diesen Test bundesweit und anonym besorgten, boten Lidl und Norma gerade Schuhe für 15 Euro beziehungsweise 20 Euro an. Stöcke gab es bei Aldi, Norma und Plus zu Schnäppchenpreisen zwischen 18 und 20 Euro. Wir kauften und testeten die Aktionsangebote, um zu sehen, was Bil­lig­ange­bote taugen. Bei den nur „ausreichenden“ Schuhen lautet unser Rat für dieses Mal: Besser nicht. Bei den Stöcken fällt die Bewertung wesentlich positiver aus. Natürlich lassen sich die Ergebnisse nicht direkt auf künftige Angebote beim Discounter übertragen, aber sie zeigen, worauf man sich einlässt.

Das Auffälligste am Nordic Walking sind die Stöcke. Mit ihnen gibt man sich abwechselnd rechts und links einen zusätzlichen Schub nach vorn. Dabei werden Brust-, Schulter- und Armmuskulatur beansprucht und trainiert. Die Gelenke an Rücken, Hüfte, Knie und Füßen werden, verglichen mit den Beanspruchungen beim Jogging, geschont, das Herz-Kreislauf-System dennoch gut trainiert.

Die richtige Technik

Die richtige Technik bei der Koordination von Stöcken und Beinen sowie der optimale Stockeinsatz müssen gelernt werden. So fasst man den Griff nur beim Stock­einsatz an – das Abstützen für die beschleunigte Vorwärtsbewegung erfolgt mit gelöster Hand vorwiegend über die Stockschlaufe. Am besten gehen Anfänger in einen Grundkurs bei einem professionellen Trainer. Auch an diversen Volkshochschulen werden Kurse angeboten. Vernünftig betrieben, bringt Nordic Walking einen Gewinn für Fitness und Gesundheit, stärkt Kondition und Muskeln. Vor allem Untrainierte, Übergewichtige und Ältere sollten vor den ersten Schritten ärztlichen Rat einholen.

„Gute“ Stöcke ab 50 Euro

Die Mehrzahl der Stöcke im Test schnitt mit „gut“ im Endurteil ab – sogar die billigen Aktionsware-Angebote von Aldi und Norma. Gäbe es die „Guten“ von Norma und Aldi noch, wären sie mit Preisen von 18 und 20 Euro sogar zu unseren Testfavoriten avanciert. Eine ganze Reihe weiterer „guter“ Stöcke rundet das positive Gesamtbild ab. Bester Stock war Leki Flash Carbon für 79 Euro. Der Abstand zu den Nächstbesseren ist aber relativ gering und so kann der Preis die Führungsrolle bei der Auswahl übernehmen: Mehr als 50 Euro muss man für einen „guten“ Stock nicht ausgeben.

Bei Nordic-Walking-Stöcken wird viel über das Material diskutiert. In unserem Praxistest wurden die Karbonstöcke tendenziell besser beurteilt als die aus Aluminium. Grund könnte das etwas geringere Gewicht und die leicht bessere Dämpfung sein. „Karbonstöcke“ haben aber meist nur einen Karbonanteil – gemixt mit Glasfaser. Reine Karbonstöcke wären nicht nur sehr teuer, sondern auch relativ hart, spröde und schlagempfindlich.

Auch die Frage, ob Stöcke mit fester oder variabler Länge besser sind, bringt die Gemeinde in Wallung. Aus unserer Sicht sind die stufenlos (Ausnahme: Exel Family) längenverstellbaren Teleskopstöcke nicht so schlecht wie sie oft gemacht werden. Ihr großer Vorteil ist das geringe Packmaß, die Anpassungsfähigkeit an verschiedene Geländeformen und die Möglichkeit, sie weiterzugeben, weil die Länge individuell einstellbar ist. Die zentimetergenaue Anpassung ist dagegen nur ein theoretischer Vorteil. Mit der Faustformel „zwei Drittel der Körpergröße für die Stocklänge“ kommt man in der Praxis normalerweise recht gut zurecht.

Es klappert im Teleskop

Nachteilig bei den meisten Teleskopstöcken sind das höhere Gewicht und die etwas schlechtere Balance sowie der höhere Pflegeaufwand. Bei einigen Modellen im Test waren auch Klappergeräusche zu hören. Bei den Plus Power Walking Stöcken war das Wiederaufdrehen zum Zusammenschieben nach längerer Tour schwierig und kostete zu viel Kraft.

Die Schlaufen der Stöcke sollen fest an der Hand sitzen, um eine optimale Kraftübertragung und Führung des Stocks sicher zu stellen. Beim Karstadt Walker II erfüllt die herkömmliche Skistockschlaufe diese Anforderung allenfalls „befriedigend“. Der Rasterverschluss von Leki bietet beim Flash Carbon die Möglichkeit, die gesamte Schlaufe mit einem Griff vom Stock zu lösen. Vorteil: Die fürs Walking exakt eingestellte Schlaufe muss nicht geöffnet werden, wenn man einen Schnürsenkel binden, auf die Karte sehen, oder ein Getränk aus dem Rucksack holen will.

„Gute“ Schuhe ab 75 Euro

Muss man für Nordic Walking tatsächlich spezielles Schuhwerk anschaffen? Wer rich­tig Ernst macht mit dem neuen Sport, kom­mt an einem Spezialschuh nicht vorbei. Tatsächlich belastet der neue Sport den Fuß anders als das normale Walking, das Wandern oder gar Joggen. Die Dämpfung muss nicht so groß sein wie beim Joggingschuh, die Sohle nicht so dick und das Profil nicht ganz so ausgeprägt wie beim Leichtwanderschuh. Klassische Laufschuhe haben eine leicht biegsame Form, Nordic-Walking-Schuhe dagegen eine stärker profilierte Sohle mit breiter geschnittenem Zehenbe­reich und abgeschrägten Spitzen und Hacken. Sie sind ähnlich aufgebaut wie die normalen Walking-Schuhe, brauchen aber bessere Stütz- und Führungseigenschaften. Des Weiteren sollten sie eine stabile Fersenkappe haben. Die insgesamt etwas breitere Sohle bewirkt zusätzlich eine bessere Abstützung und Bodenhaftung.

Die von uns getesteten Schuhe in der Preiskategorie bis 120 Euro waren in ihrer Mehrzahl recht ordentlich. Eine negative Ausnahme machten die beiden billigen Modelle, die im März für 15 und 20 Euro kurzzeitig bei Norma und Lidl standen. Den besten Eindruck unter den Schuhen ohne Membran hinterließ Reebok Sporterra DMX. Dass er mit einem Preis von 75 Euro auch noch der billigste unter den „guten“ Schuhen war, macht ihn zur ersten Wahl im Testfeld.

Von den beiden exemplarisch mitgeprüften Schuhen mit Feuchtigkeitsmembran war der Salomon XA Comp XCR der beste, mit 120 Euro aber auch der teuerste. Die bessere Gesamtnote verdankt er seiner Komfortschnürung. Die eingebaute Feuchtigkeitsmembran verschafft Salomon XA Comp XCR und asics Gel Hodaka einen Vorsprung in der Wasserdichtigkeit gegenüber den Schuhen ohne Membran. Nachteil bei Schuhen mit Membran ist das schlechtere Schuhklima. Eine wasserdichte, aber gleichzeitig für die natürlichen Ausdünstungen des Fußes dampfdurchlässige Membran verteuert Nordic Walking Schuhe um etwa 30 bis 40 Euro. Sie ist aber nicht immer sinnvoll: Bei trockenem und heißem Wetter durchlüften Schuhe mit großflächigen Lüftungsöffnungen deutlich besser. Die Kehrseite: Schon eine Wasserpfütze oder feuchte Wiese kann zu unangenehm nassen Füßen führen.

Als Kompromiss bieten sich Schuhe an, die ohne Membran akzeptabel wasserdicht sind. Im Testfeld gilt das für Adidas one walk und Nike Air Structure.

Die meisten der getesteten Nordic-Walking-Schuhe haben Gummisohlen mit ausgeprägtem Profil, die sowohl auf Asphalt als auch auf befestigten Wegen in Wald und Flur Halt bieten (siehe Tabelle: Eignungsprofil). Die ins Urteil Trage- und Laufkomfort eingeflossenen Dämpfungseigenschaften waren durchweg zufrieden stellend. Ecco Receptor hat in seiner Einlegesohle ein zusätzliches Dämpfungskissen für den Zehenballen, das bei einer Fehlstellung des großen Zehs (Hallux Valgus) hilfreich sein kann.

Salomon mit komfortabler Schnürung

Die beiden im Test vertretenen Schuhe von Salomon sind mit einem innovativen Schnürsystem ausgestattet. Die Einhand-Komfortschnürung am XA Comp XCR und am XA Comp II gestattet ein schnelles An- und Ausziehen der Schuhe, ohne dass sich die Schnürung beim Tragen lockert. Beim New Balance ist die Schnürung zwar auf den ersten Blick klassisch, hat jedoch neuartige Perlenschnur-Schnürsenkel, die sich gut festziehen lassen und dann im gebundenen Zustand nicht mehr rutschen oder nachgeben.

Alle technischen Innovationen können jedoch eines nicht ersetzen: Auch der Nordic-Walking-Schuh muss hundertprozentig passen. Frauen sollten im Zweifelsfall ruhig auch einmal die Herrenmodelle probieren und umgekehrt. Genügend Zeit zur Anprobe ist unerlässlich – am besten mit über den Tag schon strapazierten und etwas geschwollenen Füßen. Wer zu früh kommt, den bestraft ein zu enger Schuh – spätestens nach den ersten Kilometern im Gelände.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2239 Nutzer finden das hilfreich.