Nokia 3310 Schnelltest

Das Kult-Handy aus dem Jahr 2000 ist zurück: Dünner und leichter als damals, aber immer noch ohne WLan, ohne UMTS, LTE und ohne Touchs­creen. Dafür verfügt das Nokia 3310 (Preis: 60 Euro) über den Spieleklassiker Snake und vor allem über einen Akku, der läuft und läuft und läuft. Ein paar Dinge sind in der 2017er Version aber doch anders als beim Original. Ob das Retro-Handy nur etwas für Nostalgiker ist, zeigt unser Schnell­test.

Immer noch finnisch

Der Name ist altbekannt, doch hinter dem jetzt neuaufgelegten Nokia 3310 steckt schon längst nicht mehr das finnische Unternehmen von einst. Mit HMD Global hat sich zwischen­zeitlich eine andere finnische Firma die Namens­rechte gesichert und bringt seit neuestem wieder Smartphones und Handys mit Nokia-Schrift­zug auf den Markt.

Come­back des „Stein­zeit-Handys“

Als „Stein­zeit-Handy“ wird das Nokia 3310 von einigen verspottet, denn mit einem modernen Smartphone hat es kaum etwas gemein­sam: Der Bild­schirm reagiert nicht auf Berührungen, die Anzahl der verfügbaren Apps ist äußerst begrenzt und wer mit dem Gerät aufs Internet zugreift, dürfte an der extrem lang­samen Surf­geschwindig­keit verzweifeln, da es weder WLan noch die Mobil­funk­stan­dards UMTS oder LTE unterstützt. Zudem würde allein schon die Eingabe von Internet­adressen viel Zeit und Nerven kosten, da der Nutzer dreimal auf dieselbe Taste drücken muss, wenn er ein „f“ oder ein „o“ eingeben will – für ein „s“ ist gar vierfaches Tippen gefragt, da die Zifferntasten des Geräts jeweils mit mehreren Buch­staben belegt sind.

Reduktion auf das Wesentliche

Doch der Vergleich mit aktuellen Smartphones hinkt: Niemand wird sich das Retro-Handy kaufen, um damit Facebook-Einträge zu posten, E-Mails zu schreiben oder Youtube-Videos zu schauen. Statt­dessen geht es seinen Nutzern vermutlich in erster Linie um Reduktion, eine starke Akku­leistung und vielleicht etwas Nostalgie. Das für rund 60 Euro erhältliche Nokia 3310 will gar kein Tausend­sassa mit viel Schnick­schnack sein, sondern einfach zum Telefonieren dienen.

Der Akku läuft zu alter Form auf ...

Es hält dabei bis zu 18 Stunden Gesprächs­zeit durch. Im Standby-Modus kommt es zwar nicht (wie die Satire-Seite Postillon berichtet) auf mehrere Tausend Jahre, aber immerhin auf fast drei Wochen. Zum Charme des Geräts gehört natürlich auch das Spiel Snake. Es handelt sich allerdings nicht um exakt dieselbe Version wie „damals“ um die Jahr­tausend­wende, als das Nokia 3310 für viele Menschen das aller­erste Handy war, doch auch das neue Snake ist ein amüsanter Zeit­vertreib.

... das Display ist neu: Jetzt auch in Farbe!

Eine weitere Neuerung ist der Farb­bild­schirm – das Nokia aus dem Jahr 2000 arbeitete noch mit Schwarz­weiß-Darstel­lungen. Schon auf den ersten Blick wirkt das Nokia 3310 wie ein Upgrade seines legendären Vorgängermodells: Es ist wesentlich dünner und hat mit seinen 6,2 Zenti­metern Display­diagonale einen größeren Bild­schirm als die alte Version. Die Auflösung von 240 x 320 Pixeln ist zwar für heutige Verhält­nisse mick­rig, sie entspricht aber etwa dem 20-Fachen jener Auflösung, die das Ur-Nokia lieferte.

Üppige Ausstattung für ein Retro-Handy

Auch die inneren Werte wurden general­über­holt: Das Gerät hat eine Radio­funk­tion und ist in der Lage, MP3-Musikdateien abzu­spielen – und da es die Nahfunk­technik Bluetooth beherrscht, kann der Nutzer sogar kabellose Kopf­hörer verwenden. Hinzu kommen einige Features, die im Geburts­jahr des früheren Nokia 3310 der reinste Luxus gewesen wären: ein Audio­rekorder, eine Stopp­uhr, eine Taschen­lampen-Funk­tion, ja sogar eine Wetter-App, die allerdings eine Daten­verbindung benötigt. Etwas enttäuschend sind hingegen die 2-Megapixel-Kamera, die nur unscharfe, verrauschte Aufnahmen macht, sowie der interne Speicher mit schlappen 16 Megabyte. Selbst bei sehr güns­tigen Smartphones sind heut­zutage 8 Gigabyte üblich, also die 500-fache Kapazität. Der Besitzer des Nokia-Geräts kann den Speicher aber auf bis zu 32 Gigabyte erweitern, indem er eine microSD-Karte einlegt.

Platz für zwei Sim-Karten

Bei einem Handy, das primär zum Telefonieren gedacht ist, könnte man eine sehr gute Sprach­qualität erwarten. Tatsäch­lich klingt das Nokia 3310 aber nur passabel – das liegt unter anderem daran, dass es ausschließ­lich die alte GSM-Technik unterstützt, mit modernen Mobil­funk­stan­dards wie UMTS und LTE aber nichts anfangen kann. Das ist zwar verständlich, da diese Stan­dards vor allem fürs mobile Surfen im Netz gedacht sind, allerdings bieten sie auch bessere Tonqualität als GSM. Richtig modern ist die Variante mit „Dual-Sim“: Sie bietet Platz für zwei Micro-Sim-Karten, sodass der Besitzer zum Beispiel eine private und eine separate berufliche Nummer parallel verwenden kann – dieses Ausstattungs­merkmal ist selbst bei teuren Smartphones keine Selbst­verständlich­keit. Wer sich dafür interes­siert sollte beim Kauf aufpassen. Es gibt auch eine Variante mit nur einem Simkarten-Steck­platz.

Wunde Finger beim Simsen

Die auto­matische Synchronisierung von Kontakt­daten über Cloud-Dienste ist nicht möglich. Wer Kontakte von seinem alten Telefon auf das Nokia kopieren möchte, kann das mit dem Nokia-Handy über folgende Arbeits­schritte tun: Menü > Kontakte > Optionen > Kontakte kopieren. Anschließend verbinden sich beide Handys per Bluetooth, und das Nokia liest die Adress­buch­einträge aus. Alternativ dazu kann der Nutzer die Adress­buch­einträge auch mit dem bislang verwendeten Handy auf der Sim-Karte speichern – sobald er die Sim-Karte danach ins Nokia einsetzt, sind die Kontakte darauf verfügbar.* Beim Verfassen von SMS dürften eloquente SMS-Schreiber mit der Zeit wunde Fingerkuppen bekommen, da jeder Buch­stabe über die Zifferntasten einge­geben werden muss, was viel Tipp­arbeit erfordert. Etwas Abhilfe schafft die alte „T9“-Technik. Ältere Nutzer erinnern sich: Es genügt einmal auf jede Taste zu drücken. Das System schlägt dann aus den Buch­staben­kombinationen mögliche Wörter vor.

Fall­test bestanden

Während manches High-End-Smartphone bei unserem Fall­test größere Schäden davon trug (siehe Schnell­test Samsung Galaxy S8 und S8+), erwies sich das Nokia 3310 als recht robust: Nach 100 Stürzen waren nur wenige Kratzer zu sehen. Im Anschluss an den Regentest befand sich Flüssig­keit hinter dem Display und die Laut­sprecher funk­tionierten nicht richtig, aber sobald das Handy wieder getrocknet war, zeigte es sich unbe­eindruckt vom kurzen „Duschgang“. Im Kratztest gab es große Unterschiede zwischen Display und Gehäuse: Während der Bild­schirm kaum Schäden davon trug, zeigte sich das recht empfindliche Gehäuse sehr kratz­empfindlich.

Die Krux mit den Tasten

In puncto Hand­habung fällt das geringe Gewicht von nur 81 Gramm angenehm auf. Ansonsten gibt es in dieser Disziplin aber einiges zu kritisieren: Das Display ist relativ dunkel und es spiegelt – bei Sonnen­schein ist es daher schlecht lesbar. Dass im Liefer­umfang nur eine Schnellst­art­anleitung enthalten ist und diese auch noch eine sehr kleine Schrift­größe verwendet, dürfte erfahrene Handy­nutzer kaum stören, da das Nokia 3310 ein recht simples Modell ist. Wer den Umgang mit Mobiltelefonen nicht gewöhnt ist, wird sich aber möglicher­weise ein paar ausführ­lichere Hinweise wünschen. Das Menü ist zwar einigermaßen über­sicht­lich, die Steuerung gestaltet sich aber relativ schwierig, da die Cursor-Tasten­felder (oben, unten, links, rechts) extrem schmal sind und der Nutzer so manches Mal versehentlich auf den „Bestätigen“-Button abrutscht. Für das Schreiben längerer Texte ist das Nokia 3310 über­haupt nicht geeignet.

Kein Witz: Daten-Verbindung kann teuer werden

Beim Nokia 3310 handelt es sich zwar nicht um ein „schlaues“ Smartphone, aber wirk­lich „dumm“ ist es auch nicht. Es hat einen Browser, einen App-Store vom Anbieter Opera und eben eine vorinstallierte Wetter-App. Das Stein­zeit-Handy kann also tatsäch­lich mit dem Internet verbunden werden. Spaß dürfte das Surfen aber nicht bringen, denn die Verbindung ist extrem lang­sam. Dennoch können so unbe­merkt Kosten entstehen. Um das zu verhindern, kann der Nutzer jegliche Daten­verbindungen untersagen (Einstel­lungen > Verbindungen > Dual-SIM > Mobile Daten­verbindungen > Aus). Darum sollten sich Käufer des Nokia 3310 unmittel­bar nach Erwerb des Geräts kümmern, wenn sie nicht tatsäch­lich mit dem Gerät ins Internet wollen, denn die Daten­verbindung ist in den Werks­einstel­lungen akti­viert.

Daten­roaming deaktivieren

Alternativ kann es auch sinn­voll sein, für das Gerät einen Mobil­funk­vertrag zu verwenden, der nur Telefonieren, aber keinen Daten­verkehr erlaubt. Diese Tarife sind allerdings kaum noch zu finden. Im Zweifel lohnt ein Anruf beim Mobil­funk­provider. Wer die wenigen Online­funk­tionen nutzen will, sollte wie bei einem Smartphone auch, einen Tarif mit einem Daten­paket abschließen. Bei Reisen ist es dann wichtig, das Daten­roaming zu deaktivieren, da sonst Roaming-Gebühren anfallen. Inner­halb der EU sind sie inzwischen weitest­gehend abge­schafft (siehe Special So telefonieren Sie jetzt im Ausland). Im sons­tigen Ausland jedoch nicht. Besitzer können kontrollieren, ob Daten-Roaming deaktiviert ist – und es, falls nötig, abschalten (Einstel­lungen > Verbindungen > Dual-SIM > Mobile Daten­verbindungen > Daten-Roaming > Aus). Im Werk­szustand ist Daten-Roaming jedoch schon deaktiviert.

Handy erfasst Stand­ort

Über­rascht dürfte mancher Nutzer sein, wenn beim ersten Einschalten des Geräts eine Daten­schutz­erklärung erscheint. Das Handy kann nur genutzt werden, wenn der Besitzer ihr zustimmt. Unter anderem erklärt sich der Nutzer darin einverstanden, dass der Stand­ort seines Gerätes bei der Inbetrieb­nahme einmalig erfasst werden darf. Da das Nokia 3310 keinen GPS-Empfänger hat, handelt es sich wahr­scheinlich um eine weniger präzise Lokalisierung über die Mobil­funk­zellen.

Fazit: Ausdauerndes Handy für Viel-Telefonierer

Wer mit seinem Handy haupt­sächlich telefonieren will, keine Apps und keinen Internet-Browser braucht und zum Fotografieren lieber eine echte Kamera verwendet, der ist mit der Neuauflage des Nokia 3310 gut beraten. Das Gerät hat zwar deutlich mehr Extras als der Klassiker aus dem Jahr 2000, aber im Wesentlichen konzentriert es sich nach wie vor auf seine Haupt­funk­tion: Telefonieren. Das Nokia 3310 punktet mit seinem sehr ausdauernden Akku und seiner Robustheit. Wer aber regel­mäßig längere SMS schreibt oder sich für später die Option auf einen schnellen Internet­zugang offenhalten will, der greift lieber zu einem güns­tigen Einsteiger-Smartphone. Davon finden sich einige in unserem Produktfinder Handy und Smartphone.

* Passage korrigiert am 17.07.2017

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