Nitrofurane in Koteletts Test

Gefährlich und in der Europäischen Union für Schlachtvieh verboten: die Antibiotikagruppe der Nitrofurane. Lange ließen sie sich nicht nachweisen. Bei einem internationalen Test wurden jetzt 1 500 Koteletts untersucht, 100 kamen aus Deutschland.

Ob ein Schwein jemals verbotene Medizin bekommen hat, lässt sich seinen Koteletts nicht ansehen. Doch die Gefahr besteht. Zumindest bei Geflügel und Shrimps fanden sich immer wieder Beweise, dass Antibiotika der Gruppe Nitrofurane mit verfüttert worden sind. Die stehen unter dringendem Verdacht, Krebs erzeugen und das Erbgut verändern zu können. Deshalb sind Nitrofurane in der Europäischen Union für lebensmittelliefernde Tiere seit 1995 verboten. Die Fahndung nach den schlimmen Stoffen ist aber erst möglich, seit das Projekt Foodbrand vor drei Jahren mit Unterstützung der Europäischen Union begann, eine Analysemethode zu entwickeln. Damit hat Foodbrand jetzt 1 500 Schweinekoteletts aus 14 EU-Staaten und zwei EU-Kandidatenländern auf Nitrofurane untersucht. Auch die Stiftung Warentest steuerte 100 Fleischstücke zum Großtest bei. Die frischen Koteletts kauften wir in Supermärkten, bei Discountern, in Kaufhäusern, beim Metzger, auch im Bioladen. Das billigste Fleisch erstanden wir zum Kilopreis von 3,49 Euro, das teuerste kostete 13,90 Euro. Doch bei Nitrofuranen spielten Herkunft und Preis keine Rolle: Sämtliche Koteletts aus Deutschland waren frei von Rückständen.

Ernste Nachrichten dagegen aus Portugal: Jede zehnte portugiesische Probe war positiv, ebenfalls jeweils ein Kotelett aus Italien und Griechenland.

Seit den 50er Jahren im Einsatz

Lange konnten Nitrofurane fast unbemerkt in die Futtertröge gelangen. Der Tierkörper wandelt die Substanzen so schnell um, dass sie nur wenige Stunden nachweisbar bleiben. Dank der neuen Analysemethode lassen sich jetzt Stoffwechselprodukte, die im Gewebe gebunden sind, noch bis zu sechs Wochen lang finden. Das ist viel Zeit im Leben eines Hochleistungsmastschweins. Meist wird es nicht älter als ein halbes Jahr.

Man weiß zurzeit nicht, wie verbreitet Nitrofurane in der Tiermast überhaupt noch sind. Seit den 50er Jahren kamen sie überall auf der Welt zum Einsatz – vor allem bei bakteriellen Infektionen des Darms. Branchenexperten schätzen, dass vor dem Verbot der Nitrofurane in der Europäischen Union bis zu 17 Prozent der Schweine damit behandelt wurden. Über legale und sogar illegale Nachfolgeprodukte sei nichts bekannt. Und in Ländern wie Thailand, Brasilien und Indonesien sind Nitrofurane noch immer gängige und legale Tierarzneimittel.

Kaum Fleisch aus dem Ausland

Doch von auswärts gelangt nur wenig Schweinefleisch auf den deutschen Markt. Etwa drei Viertel der hier verkauften Ware stammten 2002 von heimischen Höfen. Ganze Schweine wurden vor allem aus den Niederlanden und Dänemark eingeführt. Zerlegtes Schweinefleisch kam meist aus Belgien, Dänemark und den Niederlanden. Weniger als ­1 Prozent der Importware stammte aus Portugal, Italien und Griechenland, so die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Landwirtschaft.

Wann Antibiotika erlaubt sind

Wie für den Menschen sind in der EU viele Dutzend Antibiotika auch für Tiere zugelassen. Allerdings dürfen die meist nur zur Therapie bei Krankheiten eingesetzt werden. Problematisch wird es, wenn Tiere dauerhaft Antibiotika verordnet bekommen. Statt um Therapie geht es dann meist um Vorbeugung gegen Krankheiten oder Leistungsförderung. Denn Antibiotika kurbeln auch das Wachstum künstlich an. Das mag für einen Betrieb billig sein, den Verbraucher kommt es wegen gesundheitlicher Risiken aber teuer zu stehen.

Antibiotische Wirkstoffe im Futter

Früher war es erlaubt, alle für die Therapie zugelassenen Antibiotika auch als Masthilfsmittel zu verfüttern. Seit 1998 dürfen Züchter in der Europäischen Union nur noch drei antibiotische Wirkstoffe dem Schweinefutter als Leistungsförderer untermischen. Ende 2005 soll die Zulassung in der EU auslaufen. Selbst bei diesen Mitteln kann nach Einschätzung von Veterinärmedizinern nicht ausgeschlossen werden, dass sich Resistenzen bilden und verwandte Substanzen in Zukunft einmal Bedeutung bei der Therapie menschlicher Infektionen gewinnen. Laut International Federation of Animal Health (IFAH) ist die Menge derartiger Leistungsförderer aber bereits deutlich zurückgegangen. Trotzdem: Laut IFAH werden immer noch bei jedem zehnten Schwein antibiotische Leistungsförderer eingesetzt.

Kaum Rückstände gefunden

Verbote und Grenzwerte bei Tierarzneimitteln sind gut, zusammen mit unabhängigen Kontrollen aber besser. Doch die können die Länder immer nur stichprobenartig durchführen. In Deutschland haben sie 2001 rund 335 000 Untersuchungen an etwa 43 800 Tieren oder tierischen Erzeugnissen vorgenommen. Dabei wurde auf 473 Stoffe getestet. Hinzu kamen noch etwa 235 000 Tiere, deren Fleisch auf antibakteriell wirksame Stoffe (Hemmstoffe) untersucht wurde. Die Ergebnisse dieser amtlichen Rückstandsuntersuchungen veröffentlicht jährlich das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Auch wenn die Daten nicht auf statistisch repräsentativem Material beruhen, deuten sie in den vergangenen fünf Jahren auf eine allgemeine Besserung hin. Wiesen 1998 noch 0,64 Prozent der Proben Medikamentenrückstände oberhalb der Grenz­werte auf, waren es 2001 nur noch 0,22 Prozent. Bei Schweinen fiel bei den jüngsten Untersuchungen noch jede 300. Probe wegen Antibiotikaspuren auf.

Sämtliche Befunde geben laut BVL aber keinerlei Hinweise auf ein akutes Verbraucherrisiko.

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