Interview: Antibiotikafolgen

Nitrofurane in Koteletts Test

Prof. Dr. Dr. habil. Reinhard Kroker ist Leiter der Abteilung Tierarzneimittel am Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Wie wird der Einsatz von Tierantibiotika geregelt?

Die Europäische Union legt Rückstandshöchstwerte für Antibiotika fest, die für Lebensmittel liefernde Tiere zugelassen sind. Es dürfen nur Lebensmittel in den Verkehr kommen, bei denen diese Rückstandshöchstwerte nicht überschritten werden. Entsprechend werden umfangreiche Kontrollen durchgeführt.

Angenommen, jemand isst Fleisch, das über die Grenzwerte hinaus mit Antibiotika belastet ist. Was kann passieren?

Es besteht das Risiko, dass Antibiotikarückstände das natürliche Gleichgewicht der menschlichen Darmflora stören. Darüber hinaus könnten sich resistente Bakterien im menschlichen Darm entwickeln, die ihre Resistenzgene an Krankheitserreger weitergeben. Dadurch würde eine Behandlung mit Antibiotika beeinträchtigt. Weiter können theoretisch allergische Reaktionen auftreten.

Hat der seltene Verzehr von antibiotikabelastem Fleisch Folgen?

Es ist nicht damit zu rechnen, dass der seltene oder einmalige Verzehr von solchem Fleisch zu Schädigungen führt. Bei zu hohen Rückstandsmengen von Penizillinen können aber allergische Reaktionen auftreten. Doch finden sich in der Literatur nur sehr wenige derartiger Fälle.

Wenn ein Tier Antibiotika bereits abgebaut hat, welches Risiko geht dann von seinem Fleisch für den Verbraucher aus?

Hat ein Tier die Antibiotika bereits metabolisiert, sind sie meist nicht mehr antimikrobiell wirksam und Rückstände im Fleisch in der Regel nicht mehr nachweisbar. Effekte auf die Gesundheit von Mensch und Tier lassen sich dann ausschließen.

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