Chronologie eines Skandals

Wer hat wann wie viel gewusst?

  • 12. Juni 2002. Nitrofen wird in konventionell produziertem Getreide entdeckt. Das verunreinigte Getreide stammt ebenfalls aus Malchin.
  • 11. Juni 2002. Die EU entscheidet: Keine Sanktionen gegen Deutschland wegen des Nitrofen-Skandals. Die deutschen Maßnahmen seien zufriedenstellend, sagte eine Sprecherin von Verbraucherkommissar David Byrne in Brüssel.
  • 10. Juni 2002. Neue Informationen: Die Lagerhalle in Malchin ist offenbar doch die einzige Quelle von Nitrofen. Die Halle ist noch stärker verseucht, als bisher angenommen. Experten messen in der Halle Werte von bis zu 77 Gramm Nitrofen je Kilogramm Staub. Eine Buchprüfung ergibt: Die Lagerhalle wurde bereits im Sommer 2001 für Getreide genutzt. Das verunreinigte Putenfleisch steht jetzt ebenfalls im Zusammenhang mit einer Getreidelieferung aus Malchin.
  • 5. Juni 2002. Es gibt Hinweise auf weitere Nitrofen-Quellen. Bereits im September 2001 soll verunreinigtes Putenfleisch hergestellt worden sein. Dabei spielte die Lagerhalle in Malchin keine Rolle. Experten bezweifeln, dass Altlasten aus der Lagerhalle eine Verseuchung im aktuellen Ausmaß hervorrufen können. Ermittlungen laufen.
  • 1. Juni 2002. Die Ursache für die Verseuchung von Öko-Getreide scheint gefunden. Das Nitrofen stammt aus einem Getreidelager in Malchin im Osten Mecklenburg-Vorpommerns. In der Halle lagerten zu DDR-Zeiten Pflanzenschutzmittel. Auch der Öko-Weizen wurde hier aufbewahrt. Reste des Giftes gingen auf das Getreide über. Die Behörden untersuchen eine Fegeprobe. Der Staub aus der Lagerhalle enthält zwei Gramm Nitrofen pro Kilogramm. Ein extrem hoher Wert.
  • 24. Mai 2002. Uwe Bartels, Landwirtschaftsminister in Niedersachsen, geht an die Öffentlichkeit. Der Skandal wird bekannt.
  • Mitte Mai 2002. Der Öko-Anbauverband Bioland gibt dem Bundesverbraucherministerium einen Tipp. Renate Künast verlangt daraufhin vom niedersächsischen Kollegen Uwe Bartels Aufklärung.
  • Anfang Mai 2002. Bei der GS agri werden weitere nitrofenbelastete Lieferungen festgestellt.
  • 2. Mai 2002. Ein niedersächsischer Betrieb stellt bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg Selbstanzeige wegen Verseuchung. Andere Bauern mit demselben Problem informieren die Veterinärbehörden der Landkreise Ammerland (am 2. Mai) und Cloppenburg (am 6. Mai). Diese reagieren nicht.
  • Mitte April 2002. Der Betrieb in Stegelitz wird untersucht. Die Rostocker Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt findet aber nichts. Unklar ist, wer die Untersuchung in Auftrag gab.
  • Anfang April 2002. Die bayerische Verbrauchergemeinschaft Tagwerk findet nach einem Tipp nitrofenbelastete Putenprodukte. Tagwerk ruft die Produkte zurück, informiert Hersteller und die Lebensmittelaufsicht in Augsburg.
  • 11. März 2002. Das Ergebnis der GS agri-Proben liegt vor: positiv. GS agri behauptet, erst jetzt von der Nitrofen-Belastung erfahren zu haben. Der Betrieb habe zu keinem Zeitpunkt wissentlich Öko-Futter ausgeliefert, das belastet war.
  • 28. Januar 2002. Grüne Wiese schickt Fleisch- und Futterproben an die Bundesanstalt für Fleischforschung. Auch die analysiert. Das Ergebnis ist positiv: Die Proben enthalten Nitrofen. Der Betrieb schaltet den Anbauverband Naturland ein. Dort wird der Fall lediglich intern behandelt – sagt die Berliner Tageszeitung taz. Naturland selbst will von den Vorgängen erst Anfang April erfahren haben.
  • Jahresanfang 2002. Der Babynahrungshersteller Hipp findet Nitrofen in Geflügelfleisch. Er informiert den Hersteller Grüne Wiese in Vechta. Dort werden Hof, Boden, Wasser und Futter untersucht. Die Futterprobe ist positiv. Grüne Wiese informiert den Futtermittelhesteller GS agri. Nach Informationen der Berliner Tageszeitung taz gibt GS Agri sofort eigene Proben in Auftrag.
  • 1. November 2001. Beim Futtermittelhersteller GS agri in Niedersachsen geht eine Getreidelieferung ein. Sie stammt aus Stegelitz-Flieht in Brandenburg und ist offenbar mit Nitrofen belastet.

Mit freundlicher Unterstützung von: „die tageszeitung“ Berlin

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