Aufklärung: Ökobauern ohne Schuld

Nitrofen-Skandal Special

Biokost in Verruf. Auslöser: mit Nitrofen vergiftetes Futtergetreide

[04.06.2002] Der Nitrofen-Skandal ist aufgeklärt. Das Unkrautvernichtungsmittel geriet offenbar versehentlich in das Getreide. Sicher ist: Die Öko-Bauern tragen keine Schuld. Das Gift stammt aus einer Lagerhalle in Mecklenburg-Vorpommern. Dort wurde der Öko-Weizen von einer Saatgutfirma zwischengelagert. Die Halle ist verseucht: Der Staub enthält zwei Gramm Nitrofen pro Kilogramm. Ein extrem hoher Wert. Der Grund: Zu DDR-Zeiten lagerten hier Pflanzenschutzmittel. test.de klärt auf: Nitrofen – Das müssen Sie wissen.

Gift verschwiegen

„Das ist und war kein Ökoskandal“, sagt Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne). Die Affäre sei kein Problem des ökologischen Landbaus, sondern der alten Strukturen. Damit ist wohl nicht nur die DDR gemeint. Der Futtermittellieferant GS agri und verschiedene Verbände haben offenbar seit Monaten vom verseuchten Futtergetreide gewusst. Nachdem die Ursache gefunden ist, konzentrieren sich die Ermittlungen nun auf die Verantwortlichen des Skandals. Das Land Niedersachsen will die gesperrte Futtermühle GS agri ganz schließen. „Die Betreiber haben früh von der Belastung gewusst und geschwiegen“, sagt Niedersachsens Agrarminister Uwe Bartels (SPD).

Noch keine Entwarnung

Die großen Bio-Verbände forderten weitere Kontrollen in ganz Deutschland. Es müsse sichergestellt werden, dass in anderen ehemaligen Großlagern für Pestizide keine weiteren Lebensmittel umgeschlagen werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Biokreis, Bioland, Biopark, Demeter, Gäa, Naturland, Ökosiegel und dem Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN). Die Öko-Branche habe nun Versäumnisse und Fehler in den eigenen Reihen aufzuarbeiten. Die Verbraucherzentrale Brandenburg forderte indes die Bekanntgabe der von Nitrofen belasteten Produktionschargen mit Handelsnamen, Hersteller, Vertreiber und Mindesthaltbarkeitsdaten. Nur durch diese Offenheit könnten die Verbraucher wieder Vertrauen fassen.

Greenpeace fordert Entschädigung

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte von der Chemieindustrie eine Entschädigung der vom Skandal betroffenen Öko-Höfe. Die Entschädigung dürfe nicht auf Kosten der Steuerzahler gehen, teilte Greenpeace am Sonntag in Hamburg mit. Zuvor müssten die Futtermittelindustrie und die Hersteller von Pflanzengiften zur Verantwortung gezogen werden. Es sei nicht hinnehmbar, dass Konzerne, die jahrelang an dem Gift verdienten, für die Spätfolgen überhaupt nicht haften müssten. Die betroffenen Bauern wollen die Futtermittelindustrie auf Schadenersatz verklagen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kündigte ein Klage gegen den Betreiber der Lagerhalle an. Auch der Futtermittelhersteller GS agri soll verklagt werden.

Bio-Eier umtauschen

Die Firma Wiesengold – größter deutscher Anbieter von Bio-Eiern – hat nach eigenen Angaben inzwischen alle Eier aus dem Handel genommen. Wiesengold-Eier werden unter den Namen Grüne Wiesen Biohöfe, Mühlenhof, Tegut Bio-Eier, Terra Pura,Tiemann's Bio-Ei und Wiesengold verkauft. Vorsorglich haben auch die Handelsketten Edeka (Wertkost), Tengelmann (Naturkind), Rewe (Füllhorn) und Metro (Grünes Land) ihre Bio-Eier zurückgerufen. Alle Kunden bekommen ihr Geld zurück. Weitere Infos unter Nitrofen – Fragen und Antworten und bei den Verbraucherzentralen.

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