Zweifel: Noch nicht aufgeklärt

[06.06.2002] Der Nitrofen-Skandal ist offenbar doch noch nicht aufgeklärt. Experten bezweifeln, dass die Nitrofen-Rückstände aus einer Lagerhalle in Mecklenburg-Vorpommern die einzige Ursache der Verseuchung sind. Bereits im September 2001 soll verunreinigtes Putenfleisch verarbeitet worden sein. Dabei spielte die Lagerhalle in Malchin keine Rolle. Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) schließt nicht aus, das der Skandal größere Kreise zieht, als bisher angenommen. Möglicherweise wurden nitrofenbelastete Lebensmittel seit Monaten verkauft.

Lagerhalle schon 1999 genutzt

Als eine Quelle für die Nitrofenverschmutzung wurde eine Lagerhalle in Malchin bei Neubrandenburg ausgemacht. Eine Staubprobe aus der Halle enthielt zwei Gramm Nitrofen pro Kilogramm. Zu DDR-Zeiten lagerten hier Pflanzenschutzmittel. Reste davon sollen den eingelagerten Öko-Weizen verunreinigt haben. Inzwischen wurde bekannt, dass die Halle bereits 1999 als Getreidelager genutzt wurde. Das damals eingelagerte Getreide stammte aus konventioneller Produktion. Es hätte durch die Rückstände in der Halle ebenso verunreinigt werden müssen.

Vorsatz statt Altlast?

Experten bezweifeln, dass Altlasten aus der Lagerhalle eine Verseuchung im aktuellen Ausmaß hervorrufen können. Außerdem wurden bei der Futtermittelfirma GS agri belastete Proben gefunden, die nicht aus Malchin stammen. „Möglicherweise gibt es weitere Quellen für die Verseuchung“, sagt Mecklenburgs Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Ein Gutachten soll diese Frage jetzt klären. Auch eine vorsätzliche Zugabe von Nitrofen wird nicht ausgeschlossen. Verbraucherschutzministerin Künast kündigte an, die Aufklärung werde „jeden Millimeter“ umfassen.

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