Ursache: Keine Sanktionen aus Brüssel

[11.06.2002] Die Europäische Union verhängt im Zusammenhang mit dem Nitrofen-Skandal keine Sanktionen gegen Deutschland. Die deutschen Maßnahmen seien zufriedenstellend, sagte eine Sprecherin von Verbraucherkommissar David Byrne in Brüssel. Damit ist ein europaweites Vermarktungsverbot für deutsche Bioprodukte vom Tisch.

Lieferscheine umdatiert?

Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass die mit nitrofenbelastete Lagerhalle in Malchin bei Neubrandenburg auch der Auslöser früherer Nitrofenverunreinigungen war. Bereits am 31. Juli 2001 wurden 19,8 Tonnen Futtergerste aus der Halle in Malchin an die niedersächsische Futtermittelfirma GS agri geliefert. Das ergab die Buchprüfung eines Zwischenhändlers. Die Lieferscheine seien vom 31. Juli auf den 30. November 2001 umdatiert worden, berichtet die Berliner tageszeitung taz. Möglicherweise, um die Verunreinigung zu vertuschen. Bisher hatte es geheißen, die Malchiner Halle sei erst am 1. August 2001 angemietet und für Getreide genutzt worden. Die Getreidelieferung im Juli könnte die Ursache für das nitrofenbelastete Putenfleisch sein, das im September 2001 verarbeitet wurde.

Altlast war bekannt

Dass die Halle in Malchin zu DDR-Zeiten für Pflanzenschutzmittel genutzt wurde, war offenbar bekannt. Im Grundbuch, im Treuhandvertrag und in den Mietverträgen könne man die frühere Nutzung der Halle nachlesen, sagte der Vermieter der Halle, der Steuerberater Bernd Walte. Jeder Eigentümer und jeder Mieter habe das gewusst. Walte – seit 1999 Konkursverwalter des betreffenden Geländes – soll jetzt von der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg zum Nitrofen-Skandal befragt werden. Die letzten Pflanzenschutzmittel in Malchin sind offenbar erst 1995 entsorgt worden. Die Rechnung für den Abtransport betrug damals 300.000 Mark.

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