Nitrofen-Skandal Special

Der wirtschaftliche Schaden durch den Nitrofen-Skandal wächst weiter. In Mecklenburg-Vorpommern sind bereits 500 Bauernhöfe gesperrt. Bisher waren nur Bio-Produkte betroffen. Gestern wurde Nitrofen erstmals in konventionell produziertem Getreide entdeckt. Das belastete Getreide stammt ebenfalls aus der Lagerhalle in Malchin. Die Halle gilt derzeit als einzige Quelle von Nitrofen. Das Pflanzenschutzmittel ist seit 1988 verboten. Es erzeugt Krebs.

500 Bauernhöfe gesperrt

In Mecklenburg-Vorpommern wurden vorsorglich 500 Bauernhöfe gesperrt. Die Betriebe sollen auf das giftige Pflanzenschutzmittel getestet werden. Von den Sperrungen sei etwa jeder zehnte Bauernhof betroffen, sagte der Landwirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommerns, Till Backhaus (SPD). Bundes-Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) begrüßte die vorsorgliche Sperrung. „Jetzt heißt es: Sicherheit zuerst – auf den Bauernhöfen und bei den Verbrauchern“, sagte Künast im ZDF.

Hoher Schaden

Der Nitrofen-Fund in konventionellem Futtergetreide ist ein schwerer Schlag für die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Die gesperrten Betriebe dürfen ihre Produkte weder weiterverarbeiten noch verkaufen. Untersucht werden neben Futtermitteln auch Eier und Fleisch. Landwirtschaftsminister Backhaus hofft, dass die vorsorgliche Sperre in vielen Betrieben bis zum Wochenende wieder aufgehoben werden könne. Für die geschädigten Landwirte sollen Sonderkredite mobilisiert werden. Die Höhe des Schadens konnte Backhaus noch nicht beziffern.

Bauern ohne Schuld

Auslöser des Nitrofen-Skandals ist die Futtermittel-Industrie. Das giftige Pflanzenschutzmittel stammt offenbar aus einer Lagerhalle in Malchin bei Neubrandenburg. Zu DDR-Zeiten lagerten hier Pflanzenschutzmittel. Auch das belastete Bio-Getreide wurde hier aufbewahrt. Nutzer der Halle ist die Norddeutsche Saat- und Pflanzgut AG. Sie lieferte das belastete Futtergetreide an den Futtermittelhersteller GS agri in Niedersachsen. Das Nitrofen-Getreide wurde zu Futtermittel verarbeitet und bundesweit an Bio-Bauern ausgeliefert. Nun sind auch konventionelle Bauernhöfe betroffen. Die Bauern selbst hatten keine Chance, die Vergiftung des Futtermittels zu erkennen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1181 Nutzer finden das hilfreich.