Nigeria-Connection Meldung

Nigerianische Kriminelle legen immer wieder deutsche Geschäftsleute und Privatpersonen herein.

Polizei, Landeskriminalämter und Bundeskriminalamt (BKA) warnen. Industrie- und Handelskammern raten ihren Mitgliedern von Geschäften mit Nigeria ab, wenn sie den nigerianischen Partner nicht persönlich kennen. Und sogar die nigerianische Botschaft in Deutschland warnte in ihrem monatlich erscheinenden Newsletter vor den Angeboten der Nigeria-Connection, einer Betrügerbande aus Afrika.

Solche Warnungen stören die Betrüger der Nigeria-Connection aber nicht. Und der Erfolg gibt ihr Recht: Weit über 100 Millionen US-Dollar sollen straff organisierte Tätergruppen nach Schätzungen der Behörden deutschen Geschäftsleuten und Privatpersonen in den vergangenen zwölf Jahren abgeknöpft haben. Das Geschäft geht munter weiter, wie zahlreiche Briefe aus Afrika zeigen, die Leser an Finanztest weitergeleitet haben.

Die Briefe kommen per Post, per Fax und immer öfter per E-Mail aus Nigeria ­ seit einiger Zeit auch aus afrikanischen Staaten wie Togo, Ghana, Sierra Leone, Elfenbeinküste und Südafrika. Sie werden offenbar wahllos an alle möglichen Leute verschickt.

Absender sind angeblich gesellschaftlich hoch stehende Persönlichkeiten, die sich mit Titeln wie beispielsweise Doktor, Engineer oder Chief schmücken. Meist behaupten sie, hochrangige Posten bei Regierungsstellen wie zum Beispiel beim Finanzministerium, der Nigerianischen Zentralbank oder der staatlichen Ölgesellschaft zu bekleiden.

Die Betrugsmasche

Die Betrüger der Nigeria-Connection gehen meist nach der gleichen Masche vor. Sie bitten die deutschen Empfänger um Hilfe beim Transfer von oft 20 bis 50 Millionen US-Dollar aus Nigeria nach Deutschland. Es handele sich um Geld aus Erbschaften, Entwicklungshilfeprojekten und Staatsaufträgen. Die Hilfe der Deutschen sei nötig, weil Nigerianer laut Gesetz im Ausland kein Konto eröffnen dürften. Deshalb sollen die deutschen "Kunden" Konten auf ihren eigenen Namen eröffnen, auf die das Geld überwiesen werden kann. Als Gegenleistung für ihre Hilfe wird den Deutschen eine fürstliche Belohnung versprochen, die meist 30 Prozent der Transfersumme beträgt, also zwischen 6 Millionen und 15 Millionen US-Dollar.

Der Trick mit der Erbschaft

Dr. Watae Wereh, Direktor der General Trust Bank zum Beispiel, tischt den Adressaten in Briefen das folgende Märchen auf. Der ausländische, hoch spezialisierte Ingenieur Pete Creek, der mit der nigerianischen Regierung Ölgeschäfte gemacht habe, sei bei einem schrecklichen Autounfall ums Leben gekommen. Creek habe 15,2 Millionen US-Dollar auf seinem Konto ­ bei der Trust Bank. Da die Bank trotz intensiver Suche keine Verwandten gefunden habe, solle das Geld nun an verschiedene Hilfsorganisationen fallen.

Um dies zu verhindern, hätten Wereh und seine Kollegen entschieden, den deutschen Adressaten als rechtmäßigen Erben einzusetzen und ihm die passenden Dokumente zu beschaffen. Für dieses "absolut risikolose Angebot" müsse der Adressat lediglich einige Blankobriefbögen ­ am besten mit Unterschrift ­, Passkopien sowie den Nachweis einer Kontoverbindung bei einer deutschen Bank erbringen.

Als Lohn für seine Mühe erhalte er dann 25 Prozent des Geldes, 65 Prozent wolle man selbst behalten. Die restlichen 10 Prozent müsse der Deutsche für Aufwendungen wie zum Beispiel die Erbschaftsteuer ausgeben. Die Steuern und Gebühren müsse der Deutsche allerdings erst einmal vorschießen, damit das Erbe freigegeben werden könne.

Liegen gebliebenes Geld loseisen

In anderen Fällen bitten die Nigerianer um Hilfe bei illegalen Finanztransaktionen. Die Briefeschreiber geben sich als Regierungsbeamte aus. Sie behaupten, dass es noch blockierte Fonds aus früheren, noch nicht abgerechneten Regierungsgeschäften gebe. Damals seien die politischen Verhältnisse chaotisch gewesen. Das Geld, von dem zum Beispiel Eisenbahnschienen bezahlt werden sollten, sei einfach liegen geblieben. Damit diese schlummernden Beträge, von denen die neue Regierung nichts wisse, bei der Zentralbank losgeeist werden könnten, müsse man dort Rechnungen ausländischer Firmen einreichen. Für die gefälschten Rechnungen werden dem Ausländer 30 Prozent des blockierten Geldes versprochen.

Netz von Scheinfirmen

Um ihr kriminelles Vorhaben erfolgreich durchziehen zu können, haben die Betrüger aus Nigeria ein Netz von Scheinfirmen, Scheinbehörden, Postfächern, Telefax- und Telefonanschlüssen in Nigeria, teilweise aber auch in den USA und Großbritannien aufgebaut, heißt es beim Bundeskriminalamt. Mithilfe dieser Phantomfirmen würden deutsche Kunden getäuscht, wenn sie Interesse an dem angebotenen Geschäft zeigen.

Auf dem Schwarzmarkt oder per Bestechung beschafften sich die Betrüger Briefbögen der "Central Bank of Nigeria, CBN" oder der nationalen Erdölgesellschaft "Nigerian National Petroleum Corporation, NNPC". Damit machten sie ihren deutschen Partnern weis, dass sie als Empfänger einer Millionensumme eingetragen seien.

Kurz darauf erhielten die Opfer von Phantasiebehörden wie "The foreign Payment Office" oder "Office of the Accountant Senegal" Bestätigungen, dass das Geld freigegeben wurde, warnt das BKA. In vielen Fällen tauchten auch gefälschte Bestätigungsschreiben tatsächlich existierender Ministerien auf. Bei Erbschaftsfällen wurden sogar Gerichtsakten gefälscht und in Kopie an das deutsche Opfer gefaxt.

Fürstliche Belohnung für Betrüger

Um in den Genuss der versprochenen Belohnung in Höhe von mehreren Millionen US-Dollar zu kommen, muss der deutsche Partner nun nur noch die Kosten für Anwälte, Steuern, Verwaltungsgebühren, Versicherungen und die Bestechung von Beamten vorstrecken. Im Einzelfall kassierten die Betrüger bis zu einer halben Million Dollar Gebühren, heißt es beim Landeskriminalamt Sachsen.

Wenn das Opfer dann auf sein Geld warte, verzögere sich die Auszahlung immer wieder wegen unterschiedlicher Schwierigkeiten. Diese könnten nur durch die Zahlung weiterer Beträge beseitigt werden.

Besuch in Nigeria

Misstrauische Menschen wollen sich erst einmal von der Existenz ihrer Partner in Afrika überzeugen, ehe sie sich auf ein Geschäft einlassen. Für sie halten die Betrüger aus Nigeria besondere Inszenierungen bereit.

Ein Finanztest-Leser berichtete, dass ihn der Briefeschreiber vom Flugplatz abgeholt und auf seiner Farm beherbergt habe. Nachdem ihn sein "Geschäftspartner" auch noch zum Empfang ins Finanzministerium eingeladen habe, habe er keine Zweifel mehr an der Seriosität des vorgeschlagenen Projekts gehabt. Später habe sich herausgestellt, dass die Betrüger das Büro im Ministerium über die Mittagszeit gemietet hatten. Bestechung sei in Nigeria gang und gäbe, meint das Opfer inzwischen.

Bisher ist es der deutschen Polizei nur in wenigen Fällen gelungen, Mitglieder der Nigeria-Connection festzunehmen. Auch die nigerianische Polizei bekämpft die organisierte Kriminalität. Sie betont jedoch, dass ihr Wirken ohne illegale Hilfe von geldgierigen Deutschen nicht möglich wäre.

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