Neuwagen Meldung

Die Abwrackprämie macht dieses Jahr zum Rekordjahr. Knapp ein Drittel mehr Neuwagen als 2008 kommen 2009 auf die Straße.

Deutschland im Autofieber. Allein wegen der Abwrackprämie werden 2009 voraussichtlich zwei Millionen Neuwagen zugelassen. test.de beantwortet die wichtigsten Fragen für Neuwagenbesitzer.

Beim Neuwagen gibt es doch zweierlei: die Verkäuferhaftung und die Herstellergarantie. Was bedeutet das?

Für Sie als Käufer bedeutet das doppelten Schutz. Sie können sich in den ersten beiden Jahren nach dem Kauf mit Reklamationen an den Verkäufer halten, da er per Gesetz so lange für Mängel geradestehen muss. Er darf Sie nicht abwimmeln und an den Hersteller verweisen. Wermutstropfen: Ist ein halbes Jahr seit Kauf vergangen, kann der Händler behaupten, zum Kaufzeitpunkt sei alles bestens ­gewesen. Dann müssen Sie beweisen, dass der Wagen schon da mangelhaft war. Wenn das gelingt, greifen Ihre Rechte wieder. Es ist deshalb zumindest bei Reparaturwünschen nach dem ersten halben Jahr einfacher, sich auf die Herstellergarantie zu berufen. Sie gilt meist ebenfalls zwei Jahre und ist das Versprechen, dass der Wagen funktioniert oder kostenlos repariert wird. Ausgeschlossen sind Mängel durch normalen Verschleiß oder Fehlbedienung.

Mir wurde eine Garantieverlängerung angeboten. Lohnt sich das?

Solche Verlängerungen von meist 12 oder 24 Monaten bieten sowohl Hersteller als auch externe Versicherer an. Manche Angebote beginnen schon unter 100 Euro, andere liegen bei mehreren Hundert Euro. Ob sie sich lohnen, hängt neben dem Preis vom Kleingedruckten ab. Viele der Anbieter übernehmen Reparaturen nur anteilig. ­Abhängig von Alter und Laufleistung Ihres Wagens müssen Sie möglicherweise die Hälfte der Ersatzteilkosten selber zahlen. Zudem ist der Schutz mitunter auf bestimmte Bauteile beschränkt. Sie müssen genau hinschauen. Was im Vertrag nicht genannt wird, ist auch nicht versichert. Unterschreiben Sie nichts vorschnell. Für ein Auto können Sie die Garantieverlängerung meist noch Monate später kaufen. Nutzen Sie die Zeit und recherchieren Sie im Internet, welche Erfahrungen andere mit einzelnen Anbietern gemacht haben.

Was passiert, wenn mein Verkäufer oder mein Hersteller pleitegeht?

Wird Ihr Verkäufer insolvent, verlieren Sie Ihre Ansprüche an ihn. Sie können dann zwar noch Reparaturkosten beim Insolvenzverwalter geltend machen. Doch viel Geld bringt das meist nicht. Bestehen bleibt aber Ihr Garantieanspruch gegen den Hersteller. Dieses Recht können Sie bei jeder anderen Markenwerkstatt geltend machen. Geht der Hersteller pleite, wäre diese ­Garantie futsch. Wird das insolvente Unternehmen allerdings von einer anderen ­Firma geschluckt, übernimmt diese die ­Garantieverpflichtungen. Denkbar ist im Fall einer Herstellerpleite auch, dass ein Mutterkonzern für Garantieansprüche aufkommt, um Kunden nicht zu verärgern.

Ich habe ein Montagsauto. Kann ich es umtauschen?

Nein, nicht sofort. Der Verkäufer darf zunächst die Reparatur versuchen. Dafür hat er in den allermeisten Fällen zwei Versuche. Besteht das Problem weiter, können Sie bei groben Mängeln wie einem chronisch klemmenden Cabrioverdeck vom Vertrag zurücktreten und Ihr Geld zurückverlangen. Aber Achtung: Für die Nutzung des ­Autos kann der Verkäufer einen Betrag abziehen. Nach einer Faustregel für durchschnittliche Wagen darf er 0,67 Prozent des Bruttokaufpreises pro tausend Kilometer Laufleistung einbehalten.

Montagsautos haben typischerweise eine Vielzahl von Fehlern. Theoretisch hat der Verkäufer für jeden einzelnen Fehler ein Nachbesserungsrecht. Reparaturen müssen Sie aber nur so lange hinnehmen, wie sie zumutbar sind. Steht Ihr Wagen mehr in der Werkstatt, als er fährt, dürfte das ein klarer Fall von Unzumutbarkeit sein. Gibt es dennoch Streit, kann eine Beschwerde beim Hersteller helfen.

Muss ich eigentlich immer zu meiner Vertragswerkstatt?

Es kommt darauf an. Wollen Sie wegen Mängeln auf die Haftung des Verkäufers pochen, müssen Sie zu ihm in die Werkstatt. Er ist Ihr Vertragspartner und er hat das Recht, selbst zu reparieren. Anders sieht es bei Inspektionen aus. Hersteller können ihre Garantie zwar von regelmäßigen Inspektionen und einem ­lückenlosen Scheckheft abhängig machen. Diese Durchsichten können Sie aber in jedem ordentlichen Betrieb machen lassen.

Bedenken Sie aber: Mitunter erledigen Hersteller auch nach Ablauf der Garantien noch manches Problem auf Kulanzbasis. Auf solches Entgegenkommen können Fremdgänger kaum hoffen. Sie sollten zudem bei Ihrer Vertragswerkstatt nachfragen, ob der Hersteller tolerant ist, wenn eine Inspektion einmal nicht fristgerecht erfolgt. Manche Hersteller dulden gar keine Überziehung der Inspektionsintervalle, andere drücken ein Auge zu, wenn die Inspektion erst bei Kilometerstand 33 000 statt 30 000 gemacht wird.

Mein Wagen bleibt in der Ferne ­liegen. Was tun?

Sie sollten eine Vertragswerkstatt aufsuchen und auch Ihren Verkäufer informieren. In den Bedienungsanleitungen der meisten Wagen finden sich Listen autorisierter Werkstätten und der Zentralruf des Herstellers, der bei Pannen weiterhilft. War ein Mangel die Ursache der Panne, muss der Verkäufer innerhalb der zweijährigen Gewährleistungszeit für alle Kosten aufkommen, die wegen des Mangels entstehen, also auch für die Rechnung des Abschleppers. In der Vertragswerkstatt selbst müssen Sie in der Regel nichts vorstrecken. Die Firmen rechnen untereinander ab. Haben Sie mit Ihrem Wagen eine Mobilitätsgarantie erworben, bekommen Sie im Pannenfall weitere Leistungen. Üblich ist beispielsweise die Erstattung notwendiger Übernachtungskosten bis zu bestimmten Summen.

Das Auto verbraucht mehr Sprit, als ich dachte. Gilt das als Mangel?

Ja, wenn Ihr Wagen deutlich mehr verbraucht, als Prospekte und Betriebsanleitung versprechen. Der Bundesgerichtshof hat aber Grenzen gezogen. Ein Mangel liegt erst vor, wenn der durchschnittliche Verbrauch des Wagens mehr als 10 Prozent über dem in der Betriebsanleitung angegebenen liegt. Entscheidend ist die Gesamtschau der Werte im Stadtverkehr, auf der Landstraße und auf der Autobahn (Az. VIII ZR 52/96). ­Eine Überschreitung der 10-Prozent-Grenze in nur einem Bereich – zum Beispiel 11 Prozent mehr im Stadtverkehr – ist kein ­erheblicher Mangel (Az. VIII ZR 19/05). Sind die Werte aber insgesamt im roten Bereich, können Sie vom Vertrag zurücktreten oder den Kaufpreis mindern.

Bekomme ich nach einem Crash ein neues Auto?

Hat ein anderer Schuld am Unfall, muss dessen Haftpflichtversicherung nur für Reparatur und Wertminderung aufkommen. Sie haben dann statt eines Neuwagens nur noch ein zusammengeflicktes Unfallauto. Ausnahme: Ist Ihr Auto erst einen Monat alt und hat es höchstens rund 1 000 Kilometer runter, könnten Sie bei wesentlichen Schäden, etwa an tragenden Teilen, eine Neuwagenregulierung verlangen. Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs müssen Sie dann aber tatsächlich als Ersatz einen Neuwagen kaufen (Az. VI ZR 110/08). Waren Sie selbst Unfallverursacher, bekommen Sie möglicherweise von Ihrer Kaskoversicherung den Neuwert erstattet. Manche Versicherer bieten diese „Neuwertentschädigung“ sogar für zwei Jahre an (mehr dazu im Test Autoversicherung).

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