Kfz-Steuer Special

Nach dem Dieselskandal hat die EU strengere Abgas­tests einge­führt. Das hat ab September 2018 Auswirkungen auf die Kfz-Steuer für Neuwagen. Nach ersten Berechnungen des ADAC steigt die Steuer in Einzel­fällen um über 70 Prozent. Hier lesen Sie, was hinter der Erhöhung steckt und erfahren alles was Sie über Kfz-Steuer wissen müssen.

Das Wichtigste in Kürze

Der Rat der Finanztest-Experten zum Thema Kfz-Steuer

Bescheid prüfen. Rechnen Sie die Höhe der Kfz-Steuer für Ihr Auto mithilfe des Fahr­zeug­scheins und unserer Grafik unten nach, wenn sie Ihnen zu hoch vorkommt. Entdecken Sie einen Fehler, können Sie inner­halb eines Monats Einspruch einlegen. In der Rechts­behelfs­belehrung Ihres Bescheids steht, an wen Sie den Einspruch senden müssen.

Last­schrift erteilen. Für den Einzug der Kfz-Steuer müssen Sie dem Zoll ein Last­schrift­mandat erteilen. Die Steuer wird dann jähr­lich auto­matisch von Ihrem Giro­konto abge­bucht. Achten Sie darauf, dass Ihr Konto gedeckt ist.

Schwerbehin­derung melden. Haben Sie eine Schwerbehin­derung? Dann können Sie sich je nach Art der Behin­derung ganz oder teil­weise von der Kfz-Steuer befreien lassen (siehe unten „Steuerbefreiung bei Schwerbehin­derung“).

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Erhöhung der Kfz-Steuer ab September 2018

Strengere CO2-Tests für Neuwagen

Ab September 2018 wird die Kfz-Steuer für viele Neuwagen höher sein. Der Grund: Die EU hat strengere Abgas­messungen bei ihren Genehmigungs­verfahren für Kraft­fahr­zeuge einge­führt. Sie ergeben realitäts­nähere und so in vielen Fällen höhere CO2-Werte. Da der CO2-Ausstoß Grund­lage für die Berechnung der Kfz-Steuer ist, erhöht sich dadurch auch die Steuer für Neuwagen. Ausgenommen sind neben bereits zugelassenen Autos Lagerfahr­zeuge, deren Modell nicht mehr produziert wird, wenn der Hersteller eine Ausnahme­genehmigung beantragt hat.

Geändert wurden bei den Abgas­messungen Ablauf und Bedingungen. So ist der Test nach den neuen EU-Rege­lungen länger und das Auto erreicht eine höhere Durch­schnitts­geschwindig­keit. Anders als zuvor wird eine längere Auto­bahn­fahrt simuliert. Außerdem sind Bedingungen wie Außen­temperatur und Ausstattung detaillierter geregelt. Die Änderungen sollen für realitäts­nähere Test­ergeb­nisse sorgen.

Höhere Steuern für viele Modelle – bis zu 75 Prozent

Die konkreten Mess­ergeb­nisse der neuen Tests wollen viele Hersteller nach Anfrage von Finanztest nicht vor dem 1. September 2018 veröffent­lichen. Der ADAC hat für einige Modelle aber bereits die neuen CO2-Werte heraus­gefunden. Für diese Modelle lässt sich daher die genaue Erhöhung der Kfz-Steuer bestimmen (siehe Tabelle). Dabei zeigt sich, dass die Erhöhungen sehr unterschiedlich ausfallen. So wird es für einen VW up! GTI um mehr als 70 Prozent teurer, für einen BMW 218d Active Tourer Advantage Steptronic hingegen nur um etwas mehr als 20 Prozent.

Tabelle – Erhöhung der Kfz-Steuer

Modell

Motor

Kfz-Steuer bis 31. August 2018

Kfz-Steuer ab 1. September 2018

Erhöhung

Erhöhung in Prozent

BMW 218d Active Tourer Advantage Steptronic

Diesel

238 Euro

292 Euro

54 Euro

23%

BMW 218i Active Tourer Sport Line Steptronic (DKG)

Benzin

104 Euro

156 Euro

52 Euro

50%

BMW X1 sDrive 18d xLine Steptronic

Diesel

242 Euro

304 Euro

62 Euro

26%

Dacia Duster Sce 115 Essential 2WD

Benzin

140 Euro

194 Euro

54 Euro

39%

Dacia Sandero Stepway Tce 90 Start Stop Cele­bration

Benzin

82 Euro

128 Euro

46 Euro

56%

Opel Grand­land X 2.0 Diesel Start Stop Inno­vation Auto­matik

Diesel

256 Euro

342 Euro

86 Euro

34%

Peugeot 508 1.6 Pure Tech 180 Allure EAT8

Benzin

92 Euro

160 Euro

68 Euro

74%

Subaru Outback 2.5i Sport Lineartronic

Benzin

192 Euro

246 Euro

54 Euro

28%

Suzuki Swift Sport 1.4 Boosterjet

Benzin

88 Euro

108 Euro

20 Euro

23%

Volvo V60 D4 Inscription Geartronic

Diesel

250 Euro

308 Euro

58 Euro

23%

Volvo V90 D4 Momentum AWD Auto­matik

Diesel

278 Euro

348 Euro

70 Euro

25%

Volvo XC40 D4 Momentum AWD Geartronic

Diesel

270 Euro

344 Euro

74 Euro

27%

Volvo XC40 T5 R Design AWD Geartronic

Benzin

186 Euro

238 Euro

52 Euro

28%

VW Touareg 3.0 V6 TDI SCR Elegance 4Motion Tiptronic

Diesel

459 Euro

553 Euro

94 Euro

20%

VW up! GTI

Benzin

50 Euro

86 Euro

36 Euro

72%

    Quelle: ADAC

      Die genauen Auswirkungen auf die Kfz-Steuer für andere Modelle lassen sich noch nicht bestimmen. Bei den meisten Modellen ergibt sich aus den neuen Tests aber vermutlich ein höherer CO2-Wert und somit eine höhere Kfz-Steuer. Das Bundes­finanz­ministerium will die Auswirkungen der neuen Tests auf die Höhe der Kfz-Steuer für einzelne Modelle ein Jahr lang beob­achten und dann dem Bundes­tag über die Ergeb­nisse berichten.

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      Kfz-Steuer – alle Details

      Die Kfz-Steuer ist einmal im Jahr fällig. Sie richtet sich nach Motor­art und -größe, Datum der Erst­zulassung und Kohlen­stoff­dioxid(CO2)-Ausstoß. Sie ist somit je nach Modell unterschiedlich. Für einen Smart Fortwo Coupé 1.0 liegt sie beispiels­weise bei nur 20 Euro, für einen BMW X5 xDrive35i bei 264 Euro.

      Blick in den Fahr­zeug­schein

      Seit 2009 setzt sich die Höhe der Kfz-Steuer aus zwei Teilen zusammen (siehe Grafik: So berechnet sich die Kfz-Steuer für ein Auto, unten). Als Erstes geht es um den Motor, genauer um Antriebs­art und Größe. Bei einem Diesel­motor zahlen Auto­besitzer 9,50 Euro pro ange­fangene 100 Kubikzenti­meter Hubraum. Bei einem Otto- oder Wankel­motor – also einem Benziner – sind es 2 Euro pro ange­fangene 100 Kubikzenti­meter. Die Größe des Hubraums sehen Fahr­zeughalter in Teil 1 der Zulassungs­bescheinigung (Fahr­zeug­schein). Sie ist im Feld P.1 einge­tragen.

      CO2-Werte sind wichtig

      Zu diesem ersten Betrag kommt ein zweiter hinzu, der unabhängig vom Antrieb ist. Er richtet sich nach der Höhe des CO2-Ausstoßes des Pkws. Über­schreitet dieser einen Grenz­wert, fallen 2 Euro Steuer je Gramm CO2-Ausstoß pro Kilo­meter über dem Grenz­wert an. Die Höhe des Grenz­wertes richtet sich nach dem Datum der Erst­zulassung. Für Fahr­zeuge, die aktuell neu zugelassen werden, beträgt er 95 Gramm pro Kilo­meter. Den CO2-Ausstoß ihres Fahr­zeugs finden Besitzer ebenfalls im Fahr­zeug­schein. Er steht im Feld V.7.

      Beispiel: Ansgar Rott­mann hat sich im September 2017 einen neuen VW Golf VII 1.4 TSI BMT gekauft. Dabei handelt es sich um einen Benziner. Pro ange­fangene 100 Kubikzenti­meter Hubraum fallen also 2 Euro Steuer an. Rott­manns Golf hat 1 395 Kubikzenti­meter Hubraum. 14 mal 2 Euro ergeben 28 Euro für den ersten Teil der Kfz-Steuer. Da das Auto nach 2014 erst­mals zugelassen wurde, liegt der CO2-Frei­betrag bei 95 Gramm pro Kilo­meter. Mit 121 Gramm pro Kilo­meter über­schreitet der Golf diesen also um 26 Gramm pro Kilo­meter. 26 mal 2 Euro ergeben 52 Euro Steuer für den zweiten Teil. Insgesamt zahlt Rott­mann für seinen Golf also 80 Euro Kfz-Steuer.

      Zoll zieht Kfz-Steuer ein

      Seit 2014 zieht der Zoll die Kfz-Steuer ein. Zahlen muss die Steuer der Halter des betreffenden Fahr­zeugs. Die Steuer­pflicht beginnt mit der Zulassung des Autos auf seine Person. Die örtliche Zulassungs­stelle über­mittelt dafür die Personen- und Fahr­zeug­daten an das regionale Haupt­zoll­amt, das inner­halb von zwei Wochen den Steuer­bescheid verschickt.

      Kurz nach der Über­tragung des Einzugs der Kfz-Steuer von den örtlichen Finanz­ämtern auf den Zoll waren viele Kfz-Steuer­bescheide fehler­haft. Findet der Steuerzahler in seinem Bescheid einen Fehler, hat er einen Monat Zeit, gegen den Bescheid Einspruch einzulegen. Die Frist beginnt mit dem dritten Tag nach dem Datum des Bescheids.

      Der Auto­besitzer muss die Steuer für ein Jahr im Voraus zahlen. Anschließend ist sie jähr­lich zum Datum des Steuer­bescheids fällig. Der Halter muss dem Zoll dafür ein Last­schrift­mandat erteilen. Die Kfz-Steuer wird vom Zoll dann jähr­lich auto­matisch abge­bucht.

      Dem Zoll ein Last­schrift­mandat erteilen

      Halter sollten darauf achten, dass ihr Konto zum Zeit­punkt der jähr­lichen Abbuchung gedeckt ist. Entsteht eine Rück­last­schrift, müssen sie zusätzliche Gebühren zahlen. Auch eine Änderung der Bank­verbindung sollte recht­zeitig mitgeteilt werden. Dafür reichen eine formlose E-Mail oder ein Brief an das zuständige Haupt­zoll­amt. Änderungen der persönlichen Daten oder bauliche Veränderungen am Fahr­zeug müssen ebenfalls mitgeteilt werden. Dies erfolgt über die Zulassungs­stelle. Ergeben sich Änderungen für die Kfz-Steuer, leitet diese sie an den Zoll weiter.

      Rück­zahlung bei Verkauf im Jahr

      Möchte jemand sein Auto verkaufen, ist für das Ende der Steuer­pflicht nicht das Verkaufs­datum entscheidend. Sie endet, wenn das Auto ab- oder umge­meldet wird. Meist hat der Pkw-Besitzer durch die Voraus­zahlung zu viel Steuer gezahlt. Dann erhält er einen Teil des Geldes zurück. Dabei wird der Jahres­steu­ersatz auf einen Tages­satz herunter­gerechnet und mit der Anzahl der zu viel gezahlten Tage multipliziert. Das auf ganze Euro abge­rundete Ergebnis ist der Erstattungs­betrag. Dieser wird binnen drei Wochen nach Ab- oder Ummeldung des Fahr­zeuges ausgezahlt.

      Tages­satz bei Saison­kenn­zeichen

      Einige Auto­besitzer lassen ihren Pkw nur für einen Teil des Jahres zu. Sie müssen auch nur für diesen Zeitraum Kfz-Steuer entrichten. Auch hier wird aus dem Jahres­steu­ersatz ein Tages­steu­ersatz gebildet, der dann auf den entsprechenden Zeitraum bezogen wird.

      Beispiel: Andreas Peters nutzt sein Cabriolet nur in den Sommermonaten von Mai bis einschließ­lich September und hat für diesen Zeitraum ein Saison­kenn­zeichen. Der Jahres­steu­ersatz beträgt 80 Euro. Das entspricht einem Tages­satz von 22 Cent. Für die 153 Tage, die das Auto im Jahr zugelassen ist, muss Peters eine Kfz-Steuer von 33 Euro zahlen.

      Für einen Pkw-Anhänger zahlen Besitzer zusätzlich zum Fahr­zeug eine eigene Kfz-Steuer. Die Höhe bemisst sich nach dem Gewicht des Anhängers. Je ange­fangene 200 Kilo Gesamt­gewicht des Anhängers sind 7,46 Euro fällig.

      Elektro­autos von der Steuer befreit

      Ein Elektro­auto schont nicht nur die Umwelt, sondern auch das Portemonnaie – jedenfalls aus steuerlicher Sicht. Denn alle Elektro­autos mit Erst­zulassung zwischen dem 18. Mai 2011 und dem 31. Dezember 2020 sind für zehn Jahre von der Steuer befreit. Wechselt der Halter, läuft die Zehn­jahres­frist weiter. Sind die zehn Jahre um, wird das Elektro­auto nach Gewicht versteuert. Bis zu einem Gewicht von zwei Tonnen sind zum Beispiel 11,25 Euro je ange­fangene 200 Kilogramm Gesamt­gewicht fällig. Der Steu­ersatz wird dann allerdings noch um 50 Prozent ermäßigt.*

      Hybrid­autos setzten auf einen kombinierten Antrieb von Elektro und einem Kraft­stoff wie Benzin oder Diesel. Die Steuerbefreiung gilt für sie nicht. Sie werden nach ihrer anderen Kraft­stoff­art – also Benzin oder Diesel – versteuert.

      * Korrigiert am 4. September 2018.

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      So berechnet sich die Kfz-Steuer für ein Auto

      Die Kfz-Steuer berechnet sich seit 2009 aus den Werten für Motor­art und -größe und dem für den CO2-Ausstoß. Für viele Neuwagen dürfte der gemessene Ausstoß höher liegen. Der Steu­ersatz für Pkws mit Erst­zulassung vor Juli 2009 wird nach den damaligen Rege­lungen berechnet.

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      Steuerbefreiung bei Schwerbehin­derung

      Menschen mit einer Schwerbehin­derung können sich zum Teil oder ganz von der Kfz-Steuer befreien lassen. Beides ist nur für ein Kraft­fahr­zeug möglich, das auf den Betroffenen zugelassen ist. Fährt die Person das Auto nicht selbst, muss es aber für deren Lebens­führung – etwa Einkäufe oder Arzt­besuche – verwendet werden.

      Voll­ständige Befreiung von der Kfz-Steuer

      Einevoll­ständige Befreiung von der Kfz-Steuer erhalten Menschen mit Schwerbehin­derung, die eines der folgenden Merkzeichen im Schwerbehinderten­ausweis haben:

      H – Hilf­losig­keit bei der Verrichtung des täglichen Lebens

      BI – Blindheit oder hoch­gradige Sehbehin­derung

      aG – außergewöhnliche Gehbehin­derung.

      Ermäßigung der Kfz-Steuer

      Um 50 Prozent reduziert sich die Kfz-Steuer, wenn eines dieser Merkzeichen im Schwerbehinderten­ausweis einge­tragen ist:

      G – Gehbehin­derung

      GI – Gehörlosig­keit

      Für diesen Rabatt muss die Person zunächst schriftlich per Post einen Antrag bei der Behörde stellen, die den Schwerbehinderten­ausweis ausgestellt hat – meist das Versorgungs­amt. Diese sendet ein Beiblatt zu, auf dem das Recht zur Halbierung der Steuer vermerkt ist. Alternativ kann die Person kostenlos den öffent­lichen Nahverkehr nutzen.

      So stellen Sie den Antrag auf Steuerbefreiung

      Sowohl für die ermäßigte als auch die voll­ständige Befreiung müssen Schwerbehinderte einen Antrag beim Zoll stellen. Diesenfinden sie unter dem Such­wort „Steuerbefreiung für Schwerbehinderte“. Das ausgefüllte Formular und eine Kopie des Schwerbehinderten­ausweises senden sie an das zuständige Haupt­zoll­amt. Wer eine Ermäßigung beantragt, muss zudem eine Kopie des erhaltenen Beiblatts mitsenden, auf dem das Recht zur Reduzierung der Kfz-Steuer um 50 Prozent vermerkt ist.

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