Regel­mäßiges Eincremen ist bei Babys mit Neuroder­mitis wichtig. Es ist dagegen nicht erwiesen, dass es bei gesunden Säuglingen hilft, der Haut­erkrankung vorzubeugen.

Verschiedene Pflege­mittel schützen die Haut bei Neuroder­mitis. Sie gelten als wesentliche Säule der Therapie – in Form teurer Badeöle sind sie aber laut einer britischen Studie unnötig. Auch das häufige prophylaktisch Eincremen von Säuglingen, damit sie nicht an Neuroder­mitis erkranken, hat offen­bar keinen Nutzen: Studien sprechen dafür, dass sich damit nicht vorbeugen lässt. test.de fasst die neuen Studien­ergeb­nisse zusammen und gibt Bade- und Haut­pflegetipps für Kinder mit Neuroder­mitis.

Neuroder­mitis – ein quälendes Hautleiden

Neuroder­mitis hat in den letzten Jahr­zehnten deutlich zugenommen. Fast jedes fünfte Kind leidet an dem juckenden Haut­ausschlag. Meist beginnt Neurodermitis im Säuglings- oder Kleinkindalter und verläuft schub­weise. Häufig hat die Erkrankung komplexe Gründe: Erblich bedingt ist die Haut sehr trocken und reagiert mit Entzündungen auf an sich harmlose Auslöser wie Pollen oder bestimmte Nahrungs­mittel.

Haut­ausschlag an Wangen, Armen und Beinen

Es bilden sich juckende, nässende, entzündete Hautbezirke; bei Säuglingen sind häufig die Wangen sowie die Außen­seiten der Arme und Beine betroffen. Der Juck­reiz ist oft unerträglich stark, vor allem nachts, so dass die Kinder die betroffenen Stellen aufkratzen. Oft bessert sich der Ausschlag vorüber­gehend, um dann plötzlich wieder heftig aufzublühen.

Die gute Nach­richt: Oft verschwindet das Leiden wieder

Bei mehr als der Hälfte der Babys verschwindet die Erkrankung inner­halb weniger Jahre wieder, bei weiteren 20 Prozent vor der Pubertät.

Haut gut pflegen und im Akutfall behandeln

Besonders wichtig ist es, die meist sehr trockene Haut gut zu pflegen. Für diese Basis­pflege eignen sich fetthaltige, wirkstofffreie Cremes oder Salben am besten, die die Haut feucht halten und vor Reizungen bewahren sollen. Je trockener die Haut, desto fett­reicher sollte das Haut­pfle­gepro­dukt sein. Bei Bedarf kann ein Eincremen auch mehr­mals täglich angebracht sein. Durch die Basis­pflege wird die Haut­barriere gestärkt, Schübe werden seltener und verlaufen insgesamt milder. Für die Behand­lung von Ausschlag und Juck­reiz im Akutfall stehen entzündungshemmende Arzneimittel bereit.

Zusätzliche Badeöle bringen keinen Vorteil

Zur Basis­pflege kommen neben Cremes und Salben auch Badeöle zum Einsatz. Zusätzlich angewendet bringen sie aber keinen Vorteil, wie eine britische Studie von 2018 namens BATHE belegt. Es nahmen 482 Kinder mit Neuroder­mitis teil. Alle bekamen ihre gewohnte Therapie, inklusive einer Basis­pflege zum Cremen. Etwa die Hälfte erhielt zusätzlich übliche Badeöle für Hautleiden wie Neuroder­mitis, die mit entsprechenden Mitteln in Deutsch­land vergleich­bar waren.

Cremen reicht

Die Kinder, die regel­mäßig im Ölbad saßen, hatten in den ersten vier Monaten keine bessere Haut als die Vergleichs­gruppe. Nach einem Jahr zeigte sich ebenfalls kein Unterschied, auch nicht bei weiteren Aspekten wie der Häufig­keit von Schüben. Cremen allein reicht also. Das spart den Eltern beziehungs­weise Krankenkassen Geld und mögliche Probleme: von ölver­schmierten Badetüchern bis hin zu rutschenden Kindern in der glitschigen Wanne. Falls Ihr Kind sich nicht gerne eincremen lässt, können Badeöle aber eine Option sein. Sie über­ziehen die Haut mit einem hauchdünnen Fett­film. Deshalb die Haut nach dem Baden nur vorsichtig trocken tupfen.

So pflegen Sie die Haut von Kindern mit Neuroder­mitis

Schonend reinigen. Kinder mit Neuroder­mitis können mit oder ohne Ölzu­satz baden, am besten nicht zu lange und nicht zu heiß. Reinigungs­produkte sollten einen leicht sauren oder neutralen pH-Wert von etwa 5,5 bis 7 haben. Die Haut danach trocken tupfen und sofort gut eincremen.

Tägliche Haut­pflege. Wenden Sie grund­sätzlich zweimal täglich die Basis­pflege an – auch in schubfreien Zeiten. Klären Sie mit dem behandelnden Arzt, welche Haut­partien zu cremen und welche Mittel zu nutzen sind. Handelt es sich recht­lich um Medikamente, nicht um Kosmetika, kann er sie Kindern auf Kassen­kosten verordnen. Ausführ­liche Informationen sowie Bewertungen zu rezept­freien und rezept­pflichtigen Neuroder­mitis-Arzneien finden Sie in unserer Daten­bank Medikamente im Test.

Intensive Haut­pflege hilft nicht vorbeugend ...

Besonders gefährdet eine Neuroder­mitis zu entwickeln, sind Neugeborene, deren Eltern oder Geschwister an der Krankheit leiden. Zwei kleinere Studien nährten die Hoff­nung, dass prophylaktisches Cremen Risiko­kinder vor einer Neuroder­mitis schützen könnte. Das widerlegen nun zwei groß angelegte Präventions­studien mit Kindern im ersten Lebens­jahr: Sie sprechen zusammen eindeutig dafür, dass eine intensive Haut­pflege zur Vorbeugung einer Neuroder­mitis nicht geeignet ist. Sobald sich jedoch erste Neuroder­mitiszeichen zeigen – zum Beispiel trockene Haut –, ist der Nutzen einer regel­mäßigen, rück­fettenden Haut­pflege nach­weislich nützlich.

... könnte aber Infektionen begüns­tigen

Britische Studie. In der vom Fachmagazin Lancet veröffent­lichten BEEP-Studie wurden knapp 1 400 neugeborene Kinder, die aufgrund familiärer Vorbelastung besonders gefährdet für Neuroder­mitis sind, zufäl­lig aufgeteilt: Die eine Hälfte wurde im ersten Lebens­jahr täglich sowie nach jedem Bad von Kopf bis Fuß mit einer rück­fettenden Pfle­gecreme einge­schmiert (außer auf der Kopf­haut). Die andere Gruppe erhielt nur die üblichen Ratschläge zur Haut­pflege – etwa milde Reinigungs­produkte zu verwenden und Schaumbäder sowie Feucht­tücher zu vermeiden. Nach dem ersten Geburts­tag des Kindes war keine intensive Haut­pflege mehr vorgesehen.

Flechte und Pilz­infektionen. Im Alter von zwei Jahren hatten in der Haut­pfle­gegruppe 23 Prozent der Kinder eine Neuroder­mitis entwickelt, in der Kontroll­gruppe 25 Prozent – also fast genau so viele, was statistisch keinen signifikanten Unterschied darstellt. In der Haut­pfle­gegruppe traten aber vermehrt Haut­infektionen wie Impetigo (Grind­flechte) oder Pilz­infektionen auf, nämlich bei 15 Prozent der Kinder. In der Kontroll­gruppe war dies nur bei 11 Prozent der Fall.

Was eine zweite Studie sagt

Skandinavische Studie. Auch die PreventADALL-Studie, durch­geführt in Norwegen und Schweden, untersuchte unter anderem, was eine regel­mäßige Haut­pflege bringt. Es nahmen rund 2 400 neugeborene Kinder teil, die im Unterschied zur BEEP-Studie nicht vorbelastet waren. Ein Teil der Kinder sollte ab der zweiten Lebens­woche bis zum achten Lebens­monat mit einem öligen Bade­zusatz und einer rück­fettenden Gesichts­creme an mindestens vier Tagen pro Woche behandelt werden. Im Alter von 12 Monaten litten 11 Prozent der Kinder in der Haut­pflege-Gruppe an Neuroder­mitis, in der Kontroll­gruppe waren es sogar nur 8 Prozent.

Weniger Kinder erblich vorbelastet. Dass hier insgesamt weniger Kinder die Erkrankung entwickelten als in der britischen Studie war zu erwarten, denn nicht alle Kinder hatten ein besonderes Neuroder­mitisrisiko. In dieser skandinavischen Studie wurden keine vermehrten Haut­infektionen beob­achtet, allerdings waren die Haut­pflegemaß­nahmen auch weniger intensiv als bei der britischen Studie – und die Eltern hielten sich mehr­heitlich nicht voll­ständig an die geforderten Haut­pflegemaß­nahmen.

Diese Meldung ist erst­mals am 22. Juli 2018 auf test.de erschienen. Sie wurde am 22. Juli 2020 aktualisiert.

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